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Rottenburg. 15. Juni 2016. Bis zum Sommer 2017 liegt für die Diözese Rottenburg-Stuttgart ein „Integriertes Klimaschutzkonzept“ vor, das einen Handlungsplan mit Maßnahmen zur Verbesserung der Klimabilanz der Diözese vorschlägt. Die hierfür erhobenen und ausgewerteten Daten ermöglichen es der Diözese erstmals, ein Klimaschutzziel zu erarbeiten und damit eine Aussage darüber zu treffen, wieviel CO2 bis wann eingespart werden soll.

Für Bischof Gebhard Fürst ist die Erarbeitung des Klimaschutzkonzepts die konsequente Fortführung seiner im Jahr 2007 für die Diözese begonnenen und auf zehn Jahre angelegten Klimainitiative. Denn der globale Klimawandel sei die wohl umfassendste Gefährdung der Lebensgrundlage der heutigen und kommenden Generation“ sagte Bischof Fürst am Dienstagabend (14. Juni) bei der  Vorstellung des „Integrierten Klimaschutzkonzepts“ in Rottenburg. „Es ist die zentrale Frage der Glaubwürdigkeit für Christen, wie weit der Glauben an einen Schöpfergott in konkretes, umweltgerechtes Verhalten umgesetzt wird“, betonte er.

Die Ausarbeitung des Klimaschutzkonzepts wird durch die FEST (Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft) in Heidelberg unterstützt und mit einem Zuschuss von rund 40.000 Euro durch das Bundesumweltministerium gefördert.

Für dieses Konzept werden die für den Klimaschutz besonders bedeutenden Bereiche des Energieverbrauchs der Gebäude, der Mobilität und der kirchlichen Beschaffung auf dem Gebiet der Diözese untersucht. Im Rahmen der Konzepterstellung wird darüber hinaus die dauerhafte Einbindung des Klimaschutzes in die Verwaltungsstrukturen der Diözese vorbereitet.

Grundlage zur Erstellung des Konzepts sind umfangreiche Datenerhebungen sowie daraus resultierende Hochrechnungen für die Gesamtdiözese: Im Bereich der CO2-Emissionen werden noch bis Ende des Jahres Strom- und Heizenergieverbräuche anhand einer repräsentativen Anzahl von Immobilien berechnet. Grundlage für eine Hochrechnung bei der Mobilität ist die Erfassung von Informationen der Mitarbeitenden in den Verwaltungszentren Esslingen, Stuttgart und Biberach sowie der Seelsorgeeinheit Horb.

Um das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen zu erreichen, dürfte sich ein Großteil der Maßnahmen auf die energetische Verbesserung der Liegenschaften konzentrieren, so die Erfahrung von Volker Teichert von der FEST. Einer Untersuchung von Kirchengemeinden in ganz Deutschland habe ergeben, dass Gemeindehäuser im Schnitt 26,4 Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, Kirchen durchschnittlich 33,5 Tonnen und Kindergärten rund 39,7 Tonnen, sagte Teichert. „In Gemeindehäusern und Kirchen können erfolgreich umgesetzte Maßnahmen, die das Verhalten der Nutzer beeinflussen, leicht 10 Prozent der eingesetzten Energie einsparen. Sanierungsmaßnahmen am Gebäudebestand bergen ein Potenzial von ca. 50 Prozent der eingesetzten Energie, sagte der Experte im Büro für Klimaschutz, Umweltmanagement und nachhaltige Entwicklung bei der FEST. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es rund 5.500 Gebäude in kirchlichem Besitz.

Innerhalb der Diözesen Deutschlands gehört die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu den ersten, die ein umfassendes Klimaschutzkonzept auf Basis belastbarer Daten anstreben. Die Erzdiözese Köln verfügt bereits über ein entsprechendes Konzept und wurde bei der Erstellung ebenfalls von der Heidelberger Forschungsstätte FEST unterstützt.

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