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Stuttgart/Bad Herrenalb. 8. Juni 2016. Als anstrengende, radikale Tätigkeit und pastorale Aufgabe in den Kirchengemeinden hat die Leiterin der Hauptabteilung Caritas in der Diözese, Irme Stetter-Karp, die Integration von Zuwanderern bezeichnet. Denn die Geschichte und die Gegenwart zeige, dass rechte Ideen auch in den Kirchengemeinden lebten, sagte sie am Mittwoch (8. Juni) in Bad Herrenalb bei der Fachtagung „Standpunkte gegen Extremismus“ der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit Baden-Württemberg.

Die Integration und nachhaltige Teilhabe von Zuwanderern generell sei kein spezifisches deutsches Problem, ergänzte die Rottenburger Ordinariatsrätin. Es sei vor allem deshalb eine große Herausforderung, weil Zuwanderung in Deutschland insgesamt zu lange verdrängt wurde. „Für die aktuelle gesellschaftspolitische Situation ist es von großer Bedeutung, ob es gelingt, den diffusen Emotionen auf die Spur zu kommen und verborgene Motive zu erkennen, die für die Ausgrenzung von Fremdem verantwortlich sind“, sagte Stetter-Karp.

Ein wichtiger Punkt um Extremismus entgegenzutreten sei, sich den Fakten zu stellen, das Vergleichen anzustrengen und den Kontext zu sichten. Nur so könne Schwarz-weiß-Malereien entschieden begegnet und bequeme Schuldzuweisungen und Sündenbock-Theorien erwidert werden.
„Individuell kann Integration nur gelingen, wenn wir uns der eigenen Ängste und Abwehrmuster bewusst werden, wenn wir diese ernstnehmen und ihnen mit Verstehen, Mut und Vertrauen begegnen“, betonte die Sozialwissenschaftlerin. Denn Fremdheit sei ein „bestimmter Beziehungsmodus“, dessen Bedeutung erst erfasst werden könne, wenn der Einzelne bereit sei, seinen Anteil in der Beziehung wahrzunehmen und die Verflechtung zuzulassen. „Zivilgesellschaftlich kann Integration gelingen, wenn Menschen zuerst den Menschen im Fremden sehen, sich auf Begegnungen einlassen – und bereit sind, aktiv zu werden“. Um nicht irrationalen Ängsten und Vorurteilen zu erliegen, brauche es eine christliche oder mindestens ethische Reflexion der Anerkennung des Anderen, so die Erfahrung von Irme Stetter-Karp, die sich bereits seit den 90er Jahren mit dem Thema „Fremdenfeindlichkeit“ auseinandersetzt.

„Das wirklich Radikale am Christentum ist, Liebe nicht auf den Nahraum zu begrenzen. Wo dies redlich gelingt und überzeugend gelebt wird, ist eine Kraft vorhanden, dem Extremismus zu widerstehen“, sagte Stetter-Karp.

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