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Rottenburg/Bad Waldsee. 20. April 2016. Die zunehmenden medizinischen Möglichkeiten steigern in den Krankenhäusern die Nachfrage nach ethischer Orientierung. „Je stärker der medizinische Fortschritt vorangeht, desto schwieriger werden Grenzfragen am Anfang und am Ende des Lebens“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (AG) der Krankenhaus- und Kurseelsorgerinnen und –seelsorger in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Uli Redelstein, am Mittwoch im Kloster Reute bei Bad Waldsee. Dort traf sich die AG zu ihrer Frühjahrstagung mit Bischof Gebhard Fürst.

Die Seelsorger seien von Ärzten, Pflegepersonal, Patienten und deren Angehörigen immer mehr gefragt, so Redelstein. In Klinikkomitees beraten sie in schwierigen Grenzfragen. Dabei gehe es unter anderem um Entscheidungen etwa zur Sinnhaftigkeit von Reanimation, Therapieabbruch, künstlicher Ernährung oder um das Erspüren des mutmaßlichen Willens von Patienten. Die Herausforderung bestehe darin, medizinische Sinnhaftigkeit und ethische Stimmigkeit in Einklang zu bringen, so Redelstein. Im Dienst an Patienten und Angehörigen könnten er und seine Kollegen aktuell erkennen, wie sich religiöse und spirituelle Bedürfnisse verändern. Vielfach seien überkommene Rituale etwa zum letzten Abschied von Angehörigen abhandengekommen, der Bedarf dafür aber sei vorhanden. So müssten die Seelsorger mit „Ritualkompetenz“ einfühlsam und individuell Formen entwickeln.

Bischof Fürst dankte den 110 Seelsorgerinnen und Seelsorgern der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die an den Kliniken in enger Abstimmung mit ihren evangelischen Kollegen und vielfach vernetzt mit medizinischen und psychologischen Diensten arbeiten. Christliche Seelsorge bedeute auch, deutlich Farbe zu bekennen, betonte der Bischof.

Als Beispiele nannte der Bischof die Diskussion um den assistierten Suizid oder Fragen zu Schwangerschaftsabbruch. Hier gelte es, sich unzweideutig für das Wohl und Heil jener einzusetzen, die sich selber nicht äußern können. Gleichzeitig müsse jederzeit die Offenheit für  das seelsorgerliche Gespräch möglich sein. Im klinischen Alltag gehe es immer um die Würde des Patienten und der Angehörigen, auch um Grenzüberschreitungen der Mitarbeitenden oder an den Mitarbeitenden. „Es ist Aufgabe der Kirche, dies ins Gespräch zu bringen und als Anwalt der Betroffenen auf Grenzverletzungen hinzuweisen“, sagte Bischof Fürst..

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