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Rottenburg. 17. April 2016.  Gemeinsam mit Landesrabbiner Netanel Wurmser hat Bischof Gebhard Fürst an das frühere Zusammenleben von Christen und Juden in der Bischofsstadt Rottenburg sowie an die Vernichtung jüdischer Mitbürger erinnert. Bei der Enthüllung einer von Stadt und Förderverein Synagoge Baisingen initiierten Gedenkstele betonte Bischof Fürst am Sonntag in Rottenburg, die Stele sei Ort des Gedenkens und der Mahnung. Das Werk des Bildhauers Ralf Ehmann erinnere an die vielen Menschen, die während der NS-Herrschaft in Rottenburg lebten. Es sei aber auch Mahnmal gegen wachsenden Antisemitismus in Europa und Deutschland. An der Feier nahm auch der württembergische Landesbischof Frank Otfried July teil.

Bischof Fürst erinnerte daran, dass jüdische Mitbürger in Rottenburg wertvolle kulturelle Spuren hinterlassen hätten. Damit sei die Gedenkstelle „auch ein Ort, an dem wir Freude darüber empfinden können, dass es jüdisches Leben in Rottenburg gegeben hat – jüdische Nachbarn und Freunde vielleicht, die die Tradition und das Leben in der Stadt bereichert und mitgestaltet haben“. Mit der Auslöschung jüdischen Lebens aber vom ersten Akt der Gewalt an bis schließlich zum Abtransport und zur Ermordung zahlloser Menschen sei Leben in der Bischofsstadt zerbrochen. Dies lasse sich nicht einfach als historisches Faktum ad acta legen oder gar auslöschen, mahnte der Bischof. Der Genozid berühre die Grenze des Verstehens. Die Gedenkstele halte auf bildhafte Weise mahnend Erinnerung an Unsagbares wach.

Uwe Renz

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