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Rottenburg/Stuttgart. 4. November 2018. Mit einem Pontifikalamt in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard und einem anschließenden Festakt im Stuttgarter Neuen Schloss hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Samstag (3. November) an die Weihe der ersten Ständigen Diakone vor 50 Jahren erinnert. Bischof Gebhard Fürst bezeichnete die Weihe von neun verheirateten Männern am 3. November 1968 im Kloster Reute durch Bischof Carl Josef Leiprecht als eine „kleine, stille Revolution, aus der Weitreichendes und Zukunftsweisendes entstand“.

Der Ständige Diakonat sei ein Geschenk und ein Segen für die Kirche, sagte der Rottenburger Bischof vor rund 350 Festgästen; anwesend waren rund 200 Diakone, zahlreiche mit Ehefrauen. „Diakone haben heute ihren Platz mitten in der Gesellschaft und zugleich dort, wo Kirchengemeinde noch nicht oder nicht mehr ist“, ergänzte Bischof Fürst. Diakone erinnerten Gemeinden in besonderer Weise daran, dass sie nicht für sich selbst lebe, sondern dass Kirche immer nur Kirche sei, wenn sie sich selbst übersteige und sich den Menschen in jeder Not zuwende. Mit der Wiederherstellung des Diakonenamtes als eigene Hierarchiestufe habe das Zweite Vatikanischen Konzil (1962-65) eine „neue Dimension von Kirche zum Leuchten gebracht“, betonte Bischof Gebhard Fürst. Durch ihren demütigen und selbstlosen Dienst an den Menschen seien Diakone ein besonderes Empfehlungsschreiben für eine diakonische Kirche, sagte der Rottenburger Bischof. Er dankte den Diakonen in der Diözese für deren Zeugnis und vielfältiges Engagement. In den Dank schloss er die Ehefrauen der Diakone ausdrücklich mit ein. Die Ausbildung zum Diakon kann nur mit Zustimmung der Ehefrau erfolgen.

Diakone könnten wichtige Kräfte bei der Neu-Evangelisierung in der Kirche sein, sagte der Kardinal von Mumbai (Indien), Oswald Gracias, in seinem Festvortrag. „Menschen hören heute lieber Zeugen als Lehrern zu; und wenn sie Lehrern zuhören dann nur, weil diese Zeugen sind“, so der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz. Diakone könnten Zeugen sein durch ihre Lebensführung und ihr lebendiges Zeugnis in der Nachfolge Jesu. In einer Welt, in der die Bedeutung von Ehe und Familie verliere, könnten sie, als verheiratete Diakone, eine Schlüsselrolle bei der Stärkung von Ehe und Familie einnehmen, ist Gracias überzeugt. Wie kaum ein anderer verkörpere die Berufung zum Diakon die Verantwortung für eine Kirche der Armen, so die Einschätzung des Kardinals. Diakone hätten die Aufgabe, Menschen guten Willens anzuspornen um gemeinsam mit ihnen die Stimme zu erheben für soziale Gerechtigkeit. Die Rolle des Diakons sei eine sehr spezifische, so das Mitglied des Beratergremiums von Papst Franziskus. „Er ahmt nicht den Priester nach und er ersetzt nicht den Priester“. Diakone seien nicht deshalb notwendig, weil es weniger Priester gäbe. „Aber sie sind heute notwendiger denn je, weil es einen Priestermangel gibt“, sagte Gracias weiter.

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