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Rottenburg 13. September 2018. Erschüttert über das Ausmaß des Missbrauchs in der katholischen Kirche zeigte sich Bischof Gebhard Fürst in einer ersten Reaktion auf die in den Medien veröffentlichten Teilergebnisse der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie). Er habe geahnt, welche Dimension die Studie aufdecken könnte, dennoch seien die jetzt bekannten Ergebnisse für ihn erschreckend, so der Rottenburger Bischof, der sich aktuell auf einer Dienstreise im Nordirak zu den Veröffentlichungen äußerte. Die Glaubwürdigkeit der Kirche sei nur zurückzugewinnen, wenn die Ergebnisse der Studie seitens der Verantwortlichen in den Diözesen angenommen würden und entsprechende Konsequenzen im Handeln daraus erfolgten.

Zur Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat diese als erste Diözese in Deutschland bereits im Jahr 2002 die Kommission sexueller Missbrauch (KsM) eingerichtet. In der Konsequenz wurde im Jahr 2012 die Stabstelle Prävention, Kinder- und Jugendschutz installiert. Auch in der Priesterausbildung der Diözese ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch seit 2002 verankert. „Transparenz in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen muss auch weiterhin unsere Leitlinie sein“, sagte Bischof Fürst.

Seit dem Jahr 2001 werden die Akten der Diözese Rottenburg-Stuttgart systematisch gesichtet und jeder Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, sowohl durch Kleriker wie auch durch Laien im Dienst der Diözese, untersucht und archiviert. Dem Bistum sind insgesamt 72 in der Diözese inkardinierte Kleriker bekannt, die des Missbrauchs an Minderjährigen beschuldigt werden; 45 davon sind bereits verstorben. Eine tatsächliche Täterschaft konnte nicht in allen Fällen nachgewiesen werden.

An die Redaktionen:
In einem Pressegespräch am kommenden Montag, 17. September, um 10 Uhr im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart, 2.OG, nimmt Bischof Dr. Gebhard Fürst gemeinsam mit der KsM-Vorsitzenden Dr. Monika Stolz und der Leiterin der Stabsstelle Prävention, Sabine Hesse, zu folgenden Themen ausführlich Stellung:

  • Wie wird mit Beschuldigten und Tätern in der Diözese Rottenburg-Stuttgart umgegangen, welche Konsequenzen werden umgesetzt?
  • Wie geht die KsM in ihrer Arbeit vor? Welche Form der Zusammenarbeit gibt es mit staatlichen Behörden und mit der Glaubenskongregation in Rom?
  • Welche Präventionsmaßnahmen hat die Diözese eingeführt? Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine kurze Anmeldung zum Pressegespräch unter pressestelle@bo.drs.de


Für die MHG-Studie hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart auf Anfrage des Forschungskonsortiums Ergebnisse aus dem Aktenbestand der Jahre 2000 bis 2014 zur Verfügung gestellt. Dies bedeutet, dass die Akten aller Kleriker, die im Jahr 2000 in einem Dienstverhältnis mit der Diözese standen untersucht wurden – dazu zählten auch alle noch lebenden Priester und Diakone die zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand waren. Insgesamt wurden für die MHG-Studie 1.950 Personalakten durchgesehen.

Bis Ende August 2018 wurden insgesamt knapp 640.000 Euro in „Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ ausbezahlt. Bei den Opfern handelt es sich um Personen, die nicht nur durch Kleriker der Diözese geschädigt wurden, sondern auch durch Ordensleute und Laien im Dienst der Diözese sowie durch Mitarbeiter der Caritas. Zusätzlich wurden Therapiekosten in Höhe von rund 130.000 Euro übernommen.

Die unabhängige Bewertung von Missbrauchsfällen oder Verdachtsfällen des sexuellen Missbrauchs ist durch die personelle Zusammensetzung der KsM der Diözese gewährleistet, deren Vorsitz grundsätzlich von einer Person des öffentlichen Lebens wahrgenommen wird. Neben anderen gehören der Kommission derzeit fünf Mitglieder an, die in keinem Arbeitsverhältnis mit der Diözese stehen: Die Vorsitzende, Ministerin a.D. Dr. Monika Stolz, Oberstaatsanwalt Daniel Noa, Professor Dr. Bernhard Anuth, Dr. Christoph Funk sowie Gabriele Derlig.

Hinweise:
In einem Schreiben an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat Bischof Gebhard Fürst heute auf die Veröffentlichung der MHG-Studie reagiert.

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