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Wie Menschen Trauer erleben können, haben Psychologen bereits umfangreich erforscht und in verschiedenen Trauermodellen dargestellt. Heute ist klar, dass all diese Modelle Grenzen haben. Eine interdisziplinäre Fachtagung nahm erstmals die sozialen Aspekte des Trauerprozesses stärker in den Blick.

Bei der Tagung „Trauern, um leben zu können“ beleuchteten Referentinnen verschiedener Disziplinen in Stuttgart-Hohenheim den Umgang mit Verlust in der Gesellschaft. Die Soziologin Tanja Brinkmann bedauerte, dass in ihrem Fachbereich im Gegensatz zur Psychologie hierzulande kaum zum Thema Trauer geforscht werde. Bei Fortbildungen in Betrieben spreche sie etwa den Rollenkonflikt zwischen mitfühlender Nähe und professioneller Distanz im beruflichen Umfeld an.

Ideale Rahmenbedingungen für einen sanften Trauerprozess gebe es nicht, betonte Trauerexpertin Ruthmarijke Smeding. Die Betroffenen haben viel auszuhalten, wenn ihre Lebenskonzepte zerreißen. Sie entwickelten aber auch eine ungeahnte Kreativität, wie Angelika Daiker vom Stuttgarter Hospiz St. Martin berichtete. In verschiedenen Workshops tauschten sich Seelsorgerinnen und Seelsorger in Gemeinde, Klinik, Schule und Notfalldiensten sowie Bestatterinnen, Ärzte, Personalverantwortliche und Mitarbeiter in Hospizen darüber aus, wie sie Trauernde bei ihrer Verlustbewältigung im sozialen Umfeld konkret unterstützen können.

Claudia Guggemos / Markus Waggershauser

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