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Rottenburg/Stuttgart. 12. Januar 2018. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat die Schließung des Landes-Fonds für Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung kritisiert. Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp wies am Freitag in Stuttgart die Begründung zur Schließung des mit 72.000 Euro ausgestatteten Opferfonds zurück. Das Land hatte argumentiert, Opfer von Menschenhandel könnten nun Mittel nach Sozialgesetzbuch (SGB) beziehen. Stetter-Karp äußerte sich vor dem von Papst Franziskus ausgerufenen Welttag der Migranten und Flüchtlinge (Sonntag).

Leistungen nach SGB stünden nicht allen betroffenen Frauen offen, kritisierte Stetter-Karp. So seien Frauen, die nur vorübergehend in Baden-Württemberg bleiben, von einer zwischen wenigen Tagen bis maximal drei Wochen dauernden Versorgungslücke betroffen. Auch kurzfristig untergebrachte Frauen, die noch keine regulären Leistungen zum Lebensunterhalt beziehen, seien von SGB Leistungen ausgenommen. Die Ordinariatsrätin betonte, sichere Unterbringung und Grundversorgung der Opfer sei Voraussetzung, um die Frauen vernehmen und die Menschenhändler verfolgen zu können.

Die Ordinariatsrätin betonte, der im Dezember 2017 geschlossene Opferfonds sei als Überbrückung weiterhin nötig. Der Fonds war für betroffene Frauen/Menschen aus EU-Ost-Erweiterungsstaaten für schnelle Hilfe ins Leben gerufen worden. Die Diözese hatte 2009 einen flankierenden Opferfonds für Frauen aus außereuropäischen Staaten gegründet. Seit dessen Gründung wurden über 97.000 Euro an Individualhilfe bewilligt. Der Bedarf sei in den letzten Jahren zunehmend gestiegen, allein 2017 waren es Stetter-Karp zufolge über 18.000 Euro. Die Zielgruppen beider Fonds seien unterschiedlich. Das Sozialministerium habe bislang zugesagt, eine Ausweitung der Zielgruppe auf außereuropäische Staaten zu prüfen. Die Schließung des Landes-Fonds sei weder den Trägern der Beratungsstellen noch der Diözese kommuniziert worden. Es könne nicht sein, dass nur noch die Diözese Hilfe für diesen Bereich zur Verfügung stelle und das Land die seine einstelle, so die Ordinariatsrätin.

Für Rückfragen der Medien: Hauptabteilung Caritas, ha-vi(at)bo.drs.de

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