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Die Ausgaben für Militär und die für humanitäre Hilfe stehen in keinem Verhältnis, beklagte Friedensforscherin Christiane Fröhlich bei der Jahrestagung der katholischen Organisationen und Verbände der Diözese (ako). 90 Prozent der Flüchtlinge weltweit leben in Entwicklungsländern. Hier muss Hilfe ansetzen, betonte sie.

Fröhlich kritisierte in Stuttgart, dass nur die fünf Prozent der vertriebenen Syrer wahrgenommen werden, die im Westen angekommen sind. „Die wenigsten Flüchtlinge wollen nach Europa“, ergänzte die Forscherin an der Universität Hamburg, sondern in ihren Heimatländern ein sicheres Leben führen. Ein Großteil von ihnen kann sich die Überfahrt auch gar nicht leisten.

Pfarrer Norbert Arntz vom Institut für Theologie und Politik in Münster plädierte bei der Tagung "Warum Menschen fliehen" dafür, die Gegenwart aus dem Blickwinkel der Opfer zu sehen. Mit Papst Franziskus verwies er darauf, dass "die Welt" Unsummen zur Rettung von Banken ausgibt, "aber bei solch einem Bankrott der Menschlichkeit nicht einmal den tausendsten Teil zur Verfügung hat, um diese Geschwister zu retten." Arntz betonte, dass die Zukunft der Menschheit aber nicht nur in der Hand der Verantwortungsträger liegt, sondern in der Hand jeder und jedes Einzelnen.

Hier sind die Verbände bereits engagiert in der Unterstützung der Landwirtschaft, im Kampf gegen Landraub oder in Kampagnen gegen Kinderarbeit und Rüstungsexporte. ako-Vorsitzender Peter Niedergesäss hält neben konkreten Hilfsprojekten auch politische Maßnahmen für notwendig, um strukturelle Änderungen herbeizuführen. Der für die Verbände zuständige Ordinariatsrat Joachim Drumm ermutigte dazu, in diesem Engagement weiterzumachen. Denn auch stetige "Tropfen auf den heißen Stein" verändern die Welt.

Sarah Kubin-Scharnowski / Markus Waggershauser

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