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Der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart hat bei einem Studientag in Rottenburg-Ergenzingen beraten, wie die Kirchengemeinden in Zukunft geleitet werden sollen. Die Delegierten waren sich mit der Diözesanleitung einig, dass das Rottenburger Modell – die gemeinsame Leitung durch Priester und gewählte Laien – fortgeführt und weiterentwickelt werden soll.

Bischof Gebhard Fürst wies darauf hin, „dass die demokratische Legitimierung unserer Kirchengemeinderäte gerade in der heutigen Zeit und in unserem Kulturkreis einen entscheidenden Unterschied macht“. Allerdings zeigt die Auswertung von Gemeindevisitationen, dass das bewährte Modell an seine Grenzen kommt, nicht zuletzt weil es von der Leitung einer Kirchengemeinde durch einen Pfarrer ausgeht. Inzwischen leitet ein Pfarrer aber eine Seelsorgeeinheit, die aus mehreren Gemeinden besteht. Außerdem zeigt sich, dass häufig Verwaltungsthemen die Beratungen bestimmen und pastorale Themen ins Hintertreffen geraten.

Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn forderte, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass Priester in Leitungsfunktionen weniger werden. „Eine virtuelle Leitung ist nicht nur keine, sie schadet sogar, weil sie etwas vorgibt, was der Realität nicht standhält“, mahnte Warmbrunn. Die Diözesanratsmitglieder forderten, die kirchlichen Grunddienste müssten gesichert werden und dies sei etwa bei der Eucharistie nur durch Priester möglich. „Wenn Grunddienste nicht mehr ausgefüllt werden, sterben Gemeinden“, appellierte ein Mitglied des Diözesanrats. Bischof Fürst erläuterte seine ablehnende Haltung zur Weihe von viri probati. Er wolle einer Kirche vorbauen, in der es mehr Funktionäre als Gläubige gebe. „Den Gegenwind aus der Gesellschaft werden wir nur mit lebendigen Kirchengemeinden und neben den Hauptamtlichen mit engagierten getauften und gefirmten Christen bestehen.“

Der Pastoral- und der Satzungsausschuss des Diözesanrats und die Diözesanleitung werden in den kommenden Monaten an konkreten Vorschlägen des Diözesanrats weiterarbeiten, die Gläubige in offeneren Formen beteiligen und Verantwortung und Aufgaben breiter verteilen sollen.

Cäcilia Branz

Der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart ist das oberste gewählte Priester- und Laiengremium der Diözese. Als Pastoralrat berät er den Bischof in Angelegenheiten des kirchlichen Lebens. Als Katholikenrat vertritt er die Katholik/innen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Als Kirchensteuervertretung entscheidet er über Höhe und Verwendung der Kirchensteuer und beschließt den Haushalt der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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