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Etwa 100 Frauen und ebenso viele Kinder finden jährlich bei den Scalabrini-Missonarinnen Unterschlupf. Die meisten stammen aus der Demokratischen Republik Kongo. Sie bekommen Hilfe und Schutz für Körper und Seele. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt die Einrichtung seit vielen Jahren. Thomas Broch berichtet von vor Ort.

Das französische "Bienvenu" für "Willkommen" verstehen die kongolesischen Ankömmlinge. "Shelter" bedeutet auf Englisch "Zuflucht", was Rashida (Name geändert) aus dem Südsudan in der Einrichtung gefunden hat. Die 21-Jährige ist die Tochter einer der vielen Frauen eines hochrangigen Militärs, der sie als vierzehnjähriges Mädchen an einen schwarzen US-Amerikaner verkaufte und mit diesem gegen ihren Willen verheiraten will. Das ist für sie unvorstellbar, sie möchte unbedingt einen Schulabschluss machen.

Es folgen Schläge, Misshandlungen, Vergewaltigungen und ein Suizidversuch. Das Baby, das sie zur Welt bringt, wird ihr weggenommen und zu Verwandten gegeben. Sie hat nie wieder etwas von ihm gehört. Es gelingt Rashida schließlich, nach Südafrika zu entkommen. Der Vater versucht seinen politischen Einfluss geltend zu machen, um sie in den Südsudan zurückzuholen. Das würde ihren sicheren Tod bedeuten. Nur wenn es gelingt, bei der Regierung einen legalen Aufenthaltsstatus für sie zu erlangen, ist sie sicher.

Rashidas Schicksal steht beispielhaft für das der Frauen, die im Bienvenu Shelter leben oder auch außerhalb mitversorgt werden. Wenn Geflüchtete den Weg dorthin finden oder von der Polizei aufgelesen und gebracht werden, schauen die Verantwortlichen, welche Hilfe nötig ist. Die Frauen sind durchweg geprägt von den Strapazen der Flucht, von Gewalt, Verlust nächster Angehöriger oder Zukunftsangst. Viele müssen zuerst einmal zur Ruhe kommen. Die Babys werden in der  Krippe betreut, die Kleinkinder im Kindergarten, die schulpflichtigen Kinder erhalten Unterricht im Haus.

Eigentlich soll die Regelzeit des Aufenthalts im Shelter drei Monate betragen, zumeist sind es sechs oder acht Monate. Viele bleiben ein Jahr oder länger, was den Start in die Selbständigkeit erschwert. Und viele Frauen müssen auch draußen weiterhin unterstützt werden, weil sie es sonst nicht schaffen, in stabilen Verhältnissen zu überleben. Die Bürokratie, um für die Schutzsuchenden legale Papiere zu bekommen, ist korrupt. So ist der anwaltschaftliche Kampf für die Rechte der ihnen anvertrauten Frauen und Kinder eine der Aufgaben der Schwestern und ihrer Mitarbeitenden. Ihr Dienst ist eine Frage der Glaubwürdigkeit als Christen.

Thomas Broch / Markus Waggershauser

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