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In einem Pilotprojekt hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart zum ersten Mal sogenannte „Migrationslotsen“ ausgebildet. Ehrenamtliche aus den Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprachen (GKaM) sollen künftig als Lotsen für ihre eigenen Landsleute Brücken bauen zwischen den Kulturen; die Zahl der Katholiken in diesen Gemeinden steigt seit Jahren.

Am kommenden Samstag, 28. Januar, sendet der Dekan des Dekanats Esslingen-Nürtingen, Paul Magino, die ersten elf ausgebildeten Migrationslotsen in Wendlingen aus.

Es vergehe keine Woche, in der er nicht um Rat und Unterstützung gebeten werde, oft direkt aus dem Ausland, sagt  der beauftragte Pastoralreferent für die italienisch-katholischen Gemeinden in Waiblingen, Kirchheim und Nürtingen, Thomas Raiser.  Neben Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten kämen vermehrt Migranten aus Europa nach Deutschland, die hier für sich und ihre Familie Heimat suchten, sagt Raiser. „Eine erste Anlaufstelle für diese Migranten sind häufig die muttersprachlichen katholischen Gemeinden, so Raiser, der seit über zwölf Jahren in dieser Funktion agiert und selbst italienisch spricht.

Die Statistik der Diözese belegt dies: Der Anteil der Katholiken anderer Muttersprache in der Diözese Rottenburg-Stuttgart lag Ende 2015 bei 14,39 Prozent (Katholikenzahl gesamt: 1.857.581; in GKaM: 267.351). Im Jahr 2006 betrug der Anteil noch 10,93 Prozent (1.964.593; GKaM: 214.772). Die größte Gruppe unter ihnen ist die italienische Gemeinde (2015: 89.512, vgl. 2006: 85.452), gefolgt von der kroatischen (57.332; 44.796), polnischen (36.016; 14.102) und portugiesischen (17.017; 15.712) Gemeinde. Einen starken Anstieg ihrer Mitgliedszahlen verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren auch die ungarische Gemeinde (9.376; 2.144).

Die neuen Migrationslotsen stammen alle aus Familien mit Migrationshintergrund. Um die bereits bisher geleistete ehrenamtliche Unterstützung innerhalb der muttersprachlichen Gemeinden zu festigen und fachliche Begleitung sicherzustellen, wurden die Migrationslotsen in einer 20-stündigen Ausbildung auf ihren Einsatz vorbereitet. Zu den Inhalten zählten unter anderem die Module „Wahrnehmung und Kommunikation“, „Struktur der helfenden Beziehung“, „Soziale Hilfenetze und soziale Leistungen“ sowie „Interkulturelle Kompetenz“.

Der Kurs wurde konzipiert und durchgeführt von Verantwortlichen der muttersprachlichen Seelsorge in der Diözese  in Kooperation mit den Caritas-Zentren Fils-Neckar-Alb und Ludwigsburg-Waiblingen-Enz.

Die ausgebildeten Migrationslotsen kommen aus sechs italienischen Gemeinden (Fellbach, Waiblingen, Esslingen, Göppingen, Schorndorf, Ludwigsburg) sowie aus je einer kroatischen (Waiblingen) und einer griechischen (Waiblingen) Gemeinde.

Die Ausbildung von weiteren Migrationslotsen in der Diözese ist geplant.

Manuela Pfann

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