Presse

Bischöfliche Pressestelle
  • Hausanschrift
  • Bischöfliches Ordinariat
  • Bischöfliche Pressestelle
  • Bischof-von-Keppler-Straße 7
  • 72108 Rottenburg am Neckar
  • Postanschrift
  • Bischöfliches Ordinariat
  • Bischöfliche Pressestelle
  • Postfach 9
  • 72101 Rottenburg am Neckar

Stuttgart. 11. Oktober 2017. In einem Pontifikalamt am kommenden Sonntag (15. Oktober) um 10.00 Uhr nimmt Bischof Gebhard Fürst die Profanierung der Vinzenz-Pallotti-Kirche in Stuttgart-Birkach vor. Nach Verlesen eines Dekrets und anschließender Entfernung der Reliquien aus dem Altar sowie des Allerheiligsten aus dem Tabernakel wird das Ewige Licht gelöscht und damit die Entwidmung der Kirche wirksam. Die 1966 erbaute Pallotti-Kirche soll im Januar abgerissen werden. Der Baubeginn für das geplante Pallotti-Quartier ist für das dritte Quartal 2018 vorgesehen, die Fertigstellung im Sommer 2020.

Im Oktober 2014 hatte der Kirchengemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius in Stuttgart-Hohenheim einen entsprechenden Beschluss zur Zukunft der Kirche St. Vinzenz Pallotti in Stuttgart-Birkach getroffen: gemeinsam mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Siedlungswerk GmbH Wohnungs- und Städtebau, Stuttgart, wird nach Abriss der Kirche auf dem Areal ein Wohnungsbauprojekt realisiert, das sowohl Eigentums- und Mietwohnungen, besonders für Familien, als auch Wohnmöglichkeiten für Asylbewerber und für Flüchtlinge mit dauerhaftem Bleiberecht umfasst. Zum acht Baukörper umfassenden Quartier gehören des weiteren Wohnmöglichkeiten für Studierende sowie der Neubau einer viergruppigen Kindertageseinrichtung.

Bereits 2006 hatte der Stuttgarter Gesamtkirchengemeinderat angesichts des stark rückläufigen Gottesdienstbesuchs und erheblicher Sanierungskosten erstmals für eine Umnutzung der Kirche votiert.

Umwidmung oder gar Abriss einer Kirche seien schmerzliche Entscheidungen, die er nur in begründeten Ausnahmefällen träfe, betont Bischof Gebhard Fürst. Er wisse um die Trauer der Menschen, die von einem Ort Abschied nehmen müssten, der ihnen über Jahrzehnte Heimat war: „Wenn eine Kirche, in der Kinder getauft und Ehen geschlossen wurden, in der die Gemeinde Gottesdienste feierte und Verstorbener gedachte, nicht mehr ist, dann schmerzt das“, so Bischof Fürst mit Blick auf die Pallotti-Kirche. Ihrer Profanierung habe er deshalb erst zustimmen können als klar war, dass es an diesem Ort eine neue Nutzung mit Wohnraum für Benachteiligte und Flüchtlinge sowie eine seelsorgerische Anlaufstelle samt Kapelle geben werde. Auf Entwicklung und Bau des Pallotti-Quartiers blickt Bischof Fürst daher mit Zuversicht. Das integrative Projekt habe alle Chancen, zu einem Modell für gelingendes Miteinander in einer vielgestaltigen Gesellschaft zu werden.

„Auch wenn wir die Vinzenz-Pallotti-Kirche in Birkach aufgeben, bleiben wir als Kirche in dem Stadtteil präsent“, erklärt der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes und verweist auf die Trägerschaft für die Kindertagesstätte. Er sei der Kirchengemeinde, dem Bischof und dem Siedlungswerk sehr dankbar, dass hier ein Musterbeispiel für eine soziale und integrative Entwicklung des kirchlichen Standortes entstehe. Das Pallotti-Areal sei eine von mehreren wichtigen Standortentwicklungen in Stuttgart. „Die Bedürfnisse der Gemeinden haben sich verändert, darauf reagieren wir. Aber immer ist es unser Ziel sicherzustellen, dass die Kirche am Ort präsent bleibt“, so Stadtdekan Hermes.

Der Pfarrer der Seelsorgeeinheit „Stuttgart Johannes XXIII“, Stefan Karbach, weist auf die Planungen der Franziskanerinnen von Sießen hin, im neuen Pallotti-Quartier einen kleinen Konvent zu eröffnen. „Hier soll ein ganz neuer, pastoraler Ort entstehen“, so Karbach. Durch die Art der Gestaltung des Pallotti-Quartiers übernehme die katholische Kirche gesellschaftliche Verantwortung: „Die unterschiedlichsten Menschen, die sich auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt schwer tun, haben eine Chance, in dem neuen Quartier eine Wohnung zu finden.“

Die Vinzenz-Pallotti-Kirche in Stuttgart-Birkach ist eine Filial-Kirche der Gemeinde St. Antonius von Padua in Stuttgart-Hohenheim. Die letzte Eucharistiefeier vor der Profanierung wurde in der Pallotti-Kirche im Januar 2014 gefeiert. Das Gemeindeleben konzentriert sich mittlerweile auf den Standort Stuttgart-Hohenheim. Damit die Erinnerungen an die Pallotti-Kirche lebendig bleiben, wird ein Teil der Kirchenfenster in den neuen Quartiersraum im zukünftigen Pallotti-Areal eingebaut. Altar, Vinzenz-Pallotti-Statue, Kirchenbänke und anderes Kircheninventar übernehmen zwei katholische Gemeinden in Polen, deren Vertreter am Profanierungsgottesdienst teilnehmen. Die Orgel aus der Pallotti-Kirche soll in der neuen Kirche St. Peter in Stuttgart-Bad Cannstatt weiter Verwendung finden.


Hintergrund zum Thema Profanierungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart:
Profanierungen von Kirchen sind in der Diözese Rottenburg-Stuttgart selten. Es bedarf eines durch die Deutsche Bischofskonferenz festgelegten Vorgehens. Wird der Antrag auf Profanierung einer Kirche an den Bischof gerichtet, überweist er ihn an das Diözesane Beratergremium zur Umnutzung sakraler Räume und heiliger Orte zur Beratung. Dessen Votum wird im Priesterrat beraten. Lehnt der Priesterrat eine Profanierung ab, ist das Verfahren beendet. Findet sie dort Zustimmung, nimmt die Sitzung des Bischöflichen Ordinariats eine Einschätzung vor. Auf der Basis der Beschlüsse der drei Gremien trifft der Bischof eine Entscheidung.

Insgesamt gibt es in der Diözese rund 2.400 Kirchen und Kapellen. Seit der Einsetzung einer diözesanen Kommission zur Umnutzung sakraler Räume 2005 wurde über die Profanierung von 15 Kirchen beraten – fast alles Filialkirchen innerhalb einer größeren Einheit. In acht Fällen sprachen sich alle zuständigen Gremien (Beratungsgremium, Priesterrat und Diözesanleitung) für eine Profanierung aus. Bisher wurden aber nur drei Kirchen abgerissen (Berglen-Oppelsbohm im Dekanat Rems-Murr, St. Agatha in Lonsee-Urspring und St. Peter in Stuttgart-Bad Cannstatt, wo an gleicher Stelle ein geistlich-diakonisches Zentrum samt Kirchenbau entstehen wird). Eine weitere Kirche wird in Bad Friedrichshall aufgegeben. Die Kapelle im Gemeindezentrum St. Michael in Nagold-Kernen ist profaniert, anstelle des Gemeindezentrums in Nagold entsteht ein Hospiz in der Trägerschaft der Stiftung St. Elisabeth, das über eine Kapelle verfügen wird. Ein Termin für die Profanierung und das bischöfliche Dekret fehlt aktuell noch für die Kirche in Stuttgart-Mönchfeld. In Stuttgart-Birkach (Profanierung am 15. Oktober), Nagold und Oppelsbohm bleibt eine kirchlich caritative Nutzung.

Archiv