Presse

Bischöfliche Pressestelle
  • Hausanschrift
  • Stabsstelle Mediale Kommunikation
  • Bischöfliche Pressestelle
  • Bischof-von-Keppler-Straße 7
  • 72108 Rottenburg am Neckar
  • Postanschrift
  • Stabsstelle Mediale Kommunikation
  • Bischöfliche Pressestelle
  • Postfach 9
  • 72101 Rottenburg am Neckar

Rottenburg/Weingarten. 20. Dezember 2013. Nach Umbaumaßnahmen im Kloster Weingarten werden noch im ersten Quartal 2014 Räumlichkeiten für 30 bis 40 Flüchtlinge zur Verfügung stehen. Dies teilte die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Freitag in Weingarten mit. Gleichzeitig stellte sie ein Gesamtkonzept zur künftigen Nutzung der Klosteranlage auf dem Martinsberg vor.

Insgesamt 17 Zimmer mit einer Größe zwischen 15 und 25 Quadratmetern stehen künftig für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung; je nach Belegung kann damit 30 bis 40 Personen Unterkunft gewährt werden. Diese Zimmer befinden sich im sogenannte „Lazarettbau", der derzeit noch von der Akademie der Diözese als Gästehaus genutzt wird. Für deren Vorbereitung sowie für die Einrichtung eines Aufenthaltsraums mit Küche rechnet die Diözese Rottenburg-Stuttgart entsprechend eines Kostenvoranschlags mit einer Summe von rund 100.000 Euro. Finanziert werden soll dies aus einem Fonds für Flüchtlingshilfe, den der Diözesanrat vor Kurzem eingerichtet hat.

Bischof Gebhard Fürst äußerte sich dankbar darüber, dass bereits gut zwei Monate nach seinem Angebot, das in großen Teilen leerstehende Kloster zur Flüchtlingsaufnahme zur Verfügung zu stellen, ein entsprechendes Konzept am Dienstag dieser Woche von der Diözesanleitung verabschiedet wurde. Für Bischof Fürst stehe außer jeder Diskussion, dass die Kirche hier angesichts des weltweiten Elends eine besondere Verantwortung habe: „Gerade diesem, dem Heiligen Martinus geweihte Ort, kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Ebenso wie Martin von Tours, der Schutzpatron der Flüchtlinge, in dieser Frage die Martinsdiözese Rottenburg-Stuttgart insgesamt in eine besondere Verantwortung nimmt", sagte Fürst.

Entgegen dem ursprünglichen Vorhaben, Wohnmöglichkeiten für die Flüchtlinge im ersten Obergeschoss des sogenannten „Konventsbau" vorzubereiten - dort hatten bis im Jahr 2010 Benediktinermönche gelebt - habe man sich seitens der Diözesanleitung auf Grund eines Bündels von bautechnischen, rechtlichen und nicht zuletzt humanitären Argumenten dafür entschieden, die Räumlichkeiten im Gästehaus der Akademie der Diözese zu nutzen, erläuterte Thomas Broch, der Bischöfliche Beauftragte für Flüchtlingsfragen der Diözese. Mit an der Spitze der Argumente stehe dabei die Zeitperspektive, da in diesem Gebäudeteil nur vergleichsweise geringe bauliche Veränderungen vorgenommen werden müssten. Die Tätigkeit der Akademie der Diözese werde dadurch nicht eingeschränkt, betonte Broch, derzeit prüfe man alternative Übernachtsmöglichkeiten für die Gäste der Akademie.

Sowohl der Landkreis Ravensburg wie auch die Stadt Weingarten hätten die Initiative des Bischofs von Anfang an positiv begleitet, sagte Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald am Freitag vor Ort. „Jeder dritte Bürger unserer Stadt hat seine familiären Wurzeln nicht in Deutschland und mit aktuell über 180 untergebrachten Flüchtlingen haben wir bereits jetzt große Erfahrung". Um das Betreuungsangebot für alle Asylbewerber in Weingarten zu verbessern und um das ehrenamtliche Potential aus der Bürgerschaft noch mehr als bisher zu erschließen, gehe man jetzt gemeinsam mit den beiden Kirchen einen weiteren Schritt: „Stadt und Kirchen laden am 29. Januar erstmalig zu einem Vernetzungstreffen ein", sagte Ewald.

„Mit dem Plan unseres Bischofs, Flüchtlinge in der Klosteranlage unterzubringen, ging ein Ruck durch unsere ganze Stadt und die Kirchengemeinde", sagte Ekkehard Schmid, Pfarrer der Gemeinde St. Martin in Weingarten und Dekan des Dekanats Allgäu-Oberschwaben. Er sei gespannt auf seine neuen Nachbarn und sehe die Ankunft der Flüchtlinge als große Herausforderung für die Kirchengemeinde. „Die Flüchtlinge lehren uns, den Mantel noch weiter zu öffnen und zu teilen", so Schmid.

Doch nicht nur mit Einzug der Flüchtlinge würde die Klosteranlage neu belebt, mit dem Kloster als Ort der „Pilgerseelsorge und Gastfreundschaft", erfahre der Martinsberg eine nachhaltige Bereicherung, so der Dekan, der an der Erarbeitung des Gesamtkonzepts zur künftigen Nutzung der Klosteranlage Weingarten beteiligt war.

Dieses Konzept sieht unter anderem die Einrichtung eines Cafes im sogenannten „Torbau" vor, getragen von der St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee; Pläne dazu liegen bereits vor. Des Weiteren ist geplant, die Geschäftsstelle des Dekanats auf dem Martinsberg anzusiedeln und personell aufzustocken. In Zusammenarbeit mit der Akademie der Diözese sind unter dem Begriff „Kulturstation Martinsberg" Ausstellungen, Konzerte und Bildungsveranstaltungen vorstellbar. Für spirituelle Angebote stehen Pilgern wie für Einheimischen künftig auch der Kreuzgang und die Nikolauskappelle zur Verfügung. Das Ziel, im einstigen Konvent der Benediktiner wieder Ordensleben anzusiedeln, wird weiterhin verfolgt.

Bischof Gebhard Fürst hatte anlässlich eines internationalen Kongresses in Weingarten über die Figur des Heiligen Martin von Tours Mitte Oktober die Aufnahme von Flüchtlingen im Klostergebäude angeregt. Das Benediktinerkloster wurde im Jahr 1056 gegründet. Nach der Wiederbesiedelung der Abtei im Jahr 1922 verließen im Herbst 2010 die letzten Mönche das Kloster. Zusätzlich zu den Besuchern am Blutfreitag (Europas größter Reiterprozession am Tag nach Christi Himmelfahrt zur Verehrung der Heilig-Blut-Reliquie mit jährlich rund 3.000 Reitern und 30.000 Besuchern), besuchen jedes Jahr etwa 100.000 Pilger den Martinsberg mit Basilika.

Manuela Pfann

Archiv