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Besuch im Zentrum für erneuerbare Energien MITHRADHAM

Rottenburg/Mithradham (Kerala/Indien). 28. Januar 2009. Als ein Zentrum von zukunftsorientiertem, nachhaltigem Wirken hat Bischof Gebhard Fürst das Zentrum für erneuerbare Energien „Mithradham“ im südindischen Bundesstaat Kerala bezeichnet. Das Zentrum sei nicht nur für die gesamte Region und für Indien, sondern weltweit beispielhaft. Bischof Gebhard Fürst hatte am Donnerstag, 28. Januar, auf seiner Pastoralreise durch Südindien gemeinsam mit seiner fünfköpfigen Begleitung dieses im asiatischen Raum einzigartige Zentrum besucht, mit dem die Diözese Rottenburg-Stuttgart eine lange Projektpartnerschaft verbindet. Bischof Gebhard Fürst ist gemeinsam mit Ernst-Ulrich von Weizsäcker Patron von Mithradham. Noch unter dem damaligen Bischofsvikar Eberhard Mühlbacher war bereits 1996 ein an der Universität Hohenheim entwickelter Tunnel-Solartrockner von der Diözese finanziert worden, noch bevor das Zentrum selbst gebaut worden war. Mit diesem Solartrockner werden Gewürze, besonders Pfeffer, getrocknet, der in Deutschland unter Kriterien des fairen Handels verkauft wird und mit dem 120 Kleinbauernfamilien aus der indischen Ureinwohnerschaft ein sicheres Auskommen ermöglicht wird. Das Zentrum Mithradham selbst – auf deutsch: „Haus der Sonne und der Freundschaft“ – kann 2010 auf sein zehnjähriges Bestehen zurück blicken. Seine Hauptaufgabe ist es, Multiplikatoren aus Indien, aber auch aus afrikanischen Ländern und anderen Staaten der so genannten Dritten Welt im Umgang mit Solartechnik, mit ökologischem Landbau, mit Wasseraufbereitung zu schulen und ihnen sowohl Kenntnisse als auch ein grundsätzliches Bewusstsein für nachhaltiges Handeln zu vermitteln. Indien, so erläuterte der Leiter des Instituts, der emeritierte Physikprofessor und Karmelitenpater George Peter Pittapillil, habe noch einen enormen Entwicklungsprozess mit hohem Energiebedarf, aber auch mit massiver Umweltbelastung vor sich. Ein Zurück in dieser Entwicklung könne es nicht geben. So gehe es um eine intelligente und verantwortungsbewusste Vorwärtsstrategie, die sich konsequent ökologischen Kriterien verpflichtet wisse. In Mithradham selbst will er demonstrieren, wie für eine Größenordnung von 30 Personen Unabhängigkeit in der Ernährung, Selbstversorgung in der Energieerzeugung und konsequenter Einsatz regenerativer Energien möglich sind. Vor allem ist es ihm wichtig, ein Netzwerk möglichst vieler nationaler und internationaler Partner aufzubauen, um dem exemplarischen Charakter des Zentrums größtmögliche Wirkung zu verschaffen. Ein mühevolles Unterfangen – aber nicht ohne Erfolg. Im Jahr 2005 hat Mithradham den Europäischen Solarpreis erhalten, ausgehändigt an die Stuttgarterin Rosemarie Zaiser, die in unermüdlichem Einsatz von Deutschland aus Partner in der Politik, in der Kirche, an Universitäten und Hochschulen, in Nichtregierungsorganisationen und in Wirtschaftsunternehmen aktiviert. Das Mithradham-Zentrum ist auch ein Pilotprojekt im Rahmen der Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das sie nach wie vor mit beträchtlichen Mitteln unterstützt.

Tagesseminar zur Klima-Initiative mit 100 Gästen aus Kerala und Schwäbisch Hall

Eine Zuhörerschaft von rund 100 Personen war teilweise viele hundert Kilometer aus anderen Gegenden Indien angereist, als Bischof Gebhard Fürst in einem Tagesseminar die Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart vorstellte. Auch eine Gruppe von zehn Personen aus dem Raum Schwäbisch Hall war gemeinsam mit dem hohenlohischen Unternehmer Rudolf Bühler zu Gast. Die Bürgerliche Erzeugergemeinschaft Hohenlohe mit ihren über 1.000 Mitgliedern sichert in Deutschland durch die Verwertung der in Kerala erzeugten Gewürze den Lebensunterhalt der Kleinbauern. Bischof Fürst stellte seinen Gästen die Maßnahmenvielfalt der interdisziplinären Klima-Initiative vor – von der ökologischen Weiterentwicklung des Gebäudebestands über die Förderung von Solarenergie, die konsequente Nutzung erneuerbarer Energien oder die Zertifizierung von Tagungsstätten und Bildungseinrichtungen nach den EMAS-Normen der Europäischen Union bis hin zu Schulungsprogrammen im Umweltmanagement und einem Franziskus-Preis für besonders zukunftsweisende Initiativen nachhaltigen Handelns. Auch die Unterstützung von Nachhaltigkeitsprojekten in den überseeischen Partnerkirchen gehöre zu Klima-Initiative seiner Diözese, so Bischof Fürst. Die Diözese investiere in diese Bemühungen erhebliche Mittel. So habe sie etwa einen „Nachhaltigkeitsfonds“ in Höhe von 12,4 Millionen Euro aufgelegt, um in der Diözese wirksame Anreize zu klimaschonenden Investitionen zu schaffen. Die Klima-Initiative sei eine Konsequenz aus dem pastoralen Schwerpunkt „Zum Wohl der Schöpfung handeln“, den der Diözesanrat 2003 beschlossen und später durch weitere Beschlüsse bekräftigt und konkretisiert habe. Nicht alle Beispiele seien für seine Zuhörer in deren konkreter Situation umsetzbar. Doch gehe es ihm um Ermutigung zu eigenen Bemühungen, die dem örtlichen und regionalen Bedarf gerecht werden. Vor allem müsse Nachhaltigkeitserziehung einen vorrangigen Platz in der Schulbildung erhalten, ebenso in der Priesterausbildung, wie der Bischof den zahlreich anwesenden Vertretern indischer Diözesen sagte. Eine solche Bewusstseinsbildung sei heute eine wesentliche Voraussetzung für eine verantwortungsbewusste Seelsorge.

Es sei ihm wichtig, dass Klimaschutz und umweltbewusstes Handeln eine unumgängliche Frage der Vernunft sei – mit allem, was dazu an wissenschaftlichem, logistischem und wirtschaftlichem Sachverstand gehöre. Der Weltklima-Gipfel in Kopenhagen hätte dazu führen sollen, dass man mit etwas weniger Sorgen in die Zukunft blicken könne, betonte Bischof Fürst. Nun sei das Ergebnis so, dass die Probleme noch größer als befürchtet seien. Für Christen, so der Bischof, erhielten die vernünftigen und für jedermann nachvollziehbaren Erkenntnisse und Argumente noch einmal eine besondere Verbindlichkeit und Radikalisierung, als nach dem biblischen Glauben der Mensch gegenüber Gott dafür verantwortlich sei, dass er schonend und bewahrend mit der ihm anvertrauten Schöpfung umgehe. „Wir sind nicht Shareholder, sondern Treuhänder der Schöpfung“, sagte Bischof Fürst. Umweltverantwortung bedeute Dank an den Schöpfer. Umweltzerstörung sei nicht nur gedankenlos, sondern gottlos.

Kirche auf der Seite der Armen

Vor dem Treffen in Mithradham hatte Bischof Gebhard Fürst und die kleine Reisegruppe aus der Diözese bereits ein intensives Programm absolviert. In der Erzdiözese Mumbai (Bombay) zum Beispiel hatten sie vor Ort erlebt, wie die katholische Kirche die Menschen in Fischerdörfern in ihrem Kampf dagegen unterstützt, dass sie aus ihrer seit Generationen bewohnten Heimat vertrieben werden, damit ein Vergnügungspark erweitert werden kann. Sie waren mit Ordensschwestern in die Slums von Mumbai gegangen, wo diese sich um eine Schulbildung für die Kinder der Ärmsten bemühen und wo sie Ehrenamtliche befähigen, gegen Behördenwillkür und Ausbeutung für die Rechte und die Würde derer einzutreten, die zu den Vergessenen der indischen Gesellschaft gehören. Diese stellen von den rund 1,1 Milliarden der indischen Bevölkerung fast die Hälfte.

Bedrückende und ermutigende Erfahrungen in der Tsunami-Region

Besonders bedrückend war für die Gäste aus Schwaben auch die Fahrt zu den Gebieten an der indischen Südwestküste, die vor fünf Jahren vom Tsunami heimgesucht worden waren. Noch jetzt begegneten sie überall den Verwüstungen, die diese unvorstellbare Katastrophe hinterlassen hatte. Sie erfuhren allerdings auch Ermutigendes. An der Stelle der zerstörten Kommune Colachel, wo allein über 400 Menschen starben, war mit Unterstützung der örtlichen Caritas, der Caritas Indien und den Social Relief Services, der amerikanischen Caritasorganisation, ein neues Dorf für 330 Familien entstanden. Caritas international in Freiburg hatte die Koordinierung der Caritasaktivitäten in Südindien übernommen. Allein in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hatten die Gläubigen rund eine Million Euro für die Katastrophenopfer gespendet. Neben dem Aufbau der Häuser wurde besonders auf die Förderung neuer sozialer Strukturen Wert gelegt. So konnten Bischof Fürst und seine Begleiter etwa die Sitzung eines Kinderparlaments erleben. Unter der Leitung von Vijaj, dem 16-jährigen Präsidenten, und Abisha, der 13-jährigen Sekretärin, befassen sich gewählte Kinder und Jugendliche mit Alltagsfragen, die besonders sie betreffen: dass die Wasserqualität so schlecht ist, dass die Kleinkinder krank werden; dass nachts die Straßen beleuchtet werden müssen, weil Kinder schon verunglückt oder von Hunden angefallen worden sind; dass die Straßen sauber gehalten und der Müll nicht einfach weggeworfen wird, um die Ungezieferplage einzudämmen. Sie hatten dem  Bürgermeister  Petitionen überreicht – und waren stets erfolgreich. Auch Schulschwänzer knöpfen sie sich vor. Das Argument habe immer gewirkt, so erzählen sie, dass andere Kinder froh wären, sie bekämen überhaupt die Chance, zur Schule zu gehen. Einübung in Verantwortung und Führungskompetenz bedeutet die Tätigkeit in diesem Kinderparlament, aber auch eine Möglichkeit, die Traumata der schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten, mit denen sie so besser umzugehen lernen, die sie aber wohl nie vergessen werden.

Einzelberichte, Bilder und Videos zur Pastoralreise von Bischof Gebhard Fürst in Indien s. unter www.drs.de

Dr. Thomas Broch

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