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Rottenburg - Die Diözese Rottenburg-Stuttgart tritt mit allen Kräften dafür ein, die Erderwärmung bis ins Jahr 2100 auf mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu verhindern. Nur so könne es der Menschheit noch möglich sein, einer nicht mehr kontrollierbaren Erderwärmung zu entkommen, stellte Bischof Dr. Gebhard Fürst am Montag, 3. Juni, anlässlich der Vorstellung der neuen Nachhaltigkeitsleitlinien der Diözese sowie der rund um das Rottenburger Bischofshaus abgeschlossenen Aktivitäten zum Klima- und Artenschutz fest.

Im Zuge der Flachdachsanierung des Hauses wurde dort ein zusätzliches Photovoltaikelement zur Erzeugung von Verbrauchsstrom und zum Betrieb einer Stromtankstelle für das neue E-Auto der „Stabsstelle Mediale Kommunikation“ im Bischofshaus installiert. Aktuell können rund 57 Prozent des Energieverbrauchs im gesamten Gebäude mit dem durch die Sonne erzeugten Strom abgedeckt werden. Zudem erhielt das Dach auf 170 Quadratmetern eine „Wiese der Nachhaltigkeit“ für den Insektenschutz. Dem Artenschutz dienen auch zwei neue Bienenstöcke vor dem Bischofshaus, die von Schülern des St. Meinrad-Gymnasiums in Rottenburg bemalt worden waren und in denen fortan bischöflicher Honig hergestellt wird. Dieses Maßnahmenbündel habe Vorbildfunktion für das gesamte Gebiet der württembergischen Diözese, betonte Fürst.

„Wir Christen müssen die Schöpfung Gottes als Geschenk annehmen und dürfen sie nicht zerstören“, sagte der Bischof und würdigte in dem Zusammenhang das Engagement von Schülern für den Klimaschutz bei den „Fridays for Future“ in Rottenburg, ganz Deutschland und weltweit. „Ich gratuliere der Jugend, dass sie Druck auf die Politik macht“, sagte er. Wolle man die Schöpfung bewahren, müsse es zusätzlich zum Klima- indes auch um den Artenschutz gehen. Der Zweite Schöpfungsbericht auf den ersten Seiten der Bibel sei die Grundmotivation aller Christen zur Bewahrung der Schöpfung. „Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, um ihn zu bebauen, zu pflegen und nicht, um ihn zu zerstören“, sagte Fürst.

Bis ins Jahr 2050 beabsichtige die Diözese, die vollständige Klimaneutralität in ihrem Zuständigkeitsbereich zu verwirklichen. Das bedeutet eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 85 Prozent, verglichen zum Jahr 2015. Im aktuellen Doppelhaushalt haben Diözesanleitung und Diözesanrat für die Umsetzung des bereits 2015 verabschiedeten Klimaschutzkonzepts, auf welchem die Nachhaltigkeitsleitlinien aufbauen, 15 Millionen Euro bis ins Jahr 2020 bewilligt. Seit Jahresbeginn kann dieses Geld abgerufen werden. 12 Millionen Euro aus diesem Haushaltsansatz sind für bauliche Maßnahmen bei energetischen Sanierungen und Neubauten reserviert. Die verbleibenden 3 Millionen Euro stehen für sonstige Maßnahmen bereit. Erst kürzlich wurden 1,4 Millionen Euro aus diesem Topf im Rahmen eines Sofortprogramms freigegeben. Sie sind für Heizungsoptimierungen und für den Heizungspumpen-Tausch bestimmt. Im Lauf des Jahres sollen weitere Projekte folgen. Für die Umsetzung zuständig sind zwei Klimaschutz-Manager, die seit diesem Jahr im Amt sind. Ihre Aufgabenpalette reicht von baulichen Fachfragen bis hin zur Schulung von „Kümmerern“ auf dem Gebiet der Diözese, deren Aufgabe das CO2-Controlling ist.

Bischof Fürst verwies auch darauf, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart sowohl in Württemberg als auch im Rahmen ihrer weltkirchlichen Arbeit seit langem erfolgreich für die Bewahrung der Schöpfung aktiv ist. Jüngstes Beispiel in dem Zusammenhang: Anfang Juli wird in Tettnang die Kirchengemeinde St. Gallus vom Umweltministerium des Landes für ein von ihr aufgebautes Nahwärmenetz auf Holzpellets-Basis ausgezeichnet.

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