Presse

Bischöfliche Pressestelle
  • Hausanschrift
  • Bischöfliches Ordinariat
  • Bischöfliche Pressestelle
  • Bischof-von-Keppler-Straße 7
  • 72108 Rottenburg am Neckar
  • Postanschrift
  • Bischöfliches Ordinariat
  • Bischöfliche Pressestelle
  • Postfach 9
  • 72101 Rottenburg am Neckar

Rottenburg. 31. Januar 2017. Weit über eine halbe Million Bücher. Ob der schieren Fülle des Bestands der Rottenburger Diözesanbibliothek mit ihren 570.000 Exemplaren mögen Bücherfreunde vor Ehrfurcht erstarren und Lesemuffel lediglich Staub zwischen Buchdeckeln wittern. Doch weit gefehlt: Rund um den Bücherhort mit 100jähriger Tradition spielt sich pralles Leben ab. Da fragen Profis und Amateure nach alter wie auch neuer theologischer, philosophischer, pädagogischer oder historischer Literatur, die sie von Bibliotheksleiter Georg Ott-Stelzner und seinem Team in der Karmelitergasse bekommen. Kostbarkeiten von historischem Rang dagegen bleiben im Haus und der Lektüre im Lesesaal mit zwölf Plätzen vorbehalten.

Tatsächlich hält die Bibliothek ihren Bestand an Büchern und 2.500 Zeitschriften aktuell; ständig kommen zu den gelagerten Werken, darunter ein Band aus dem frühen 13. Jahrhundert, neue hinzu. Eine Herkulesarbeit, die enorme Menge zu bewältigen und den Überblick nicht zu verlieren. Anfragen kommen von Nutzern, die direkt die Bücherei aufsuchen und von solchen, die anrufen oder online Kontakt aufnehmen. Der Rottenburger Bücherfundus gehört dem Deutschen Leihverkehr an, so dass Ausleihen auch auf diesem Weg bis weit über die Bischofsstadt hinaus möglich sind. Pro Jahr verlassen rund 8.500 Titel, teils auf elektronischem Weg, das Haus. Was nicht verliehen wird, sind Andachtsbildchen zu verschiedenen Anlässen und Themen, die auch heute noch etwa aus geerbten Gebetbüchern fallen. 80.000 solcher Bildchen verwahrt die Bibliothek.

Zum angestammten Repertoire, das bis auf die Bestände der früheren 28 Landkapitelsbibliotheken zurückgeht, kommen neben Neuerwerbungen regelmäßig Zugänge aus Nachlässen. Das Angebot übersteigt den Bedarf deutlich, wie Bibliothekschef Ott-Stelzner sagt. Oft blutet ihm das Herz, wenn er ein Erbe nicht annehmen kann, weil er die Werke bereits in mehrfacher Ausführung im Bestand hat. Was er allerdings dankbar annimmt, sind Bücher, in denen der bisherige Besitzer oder gar Eigentümer aus noch früherer Zeit „Arbeitsspuren“ hinterlassen haben, wie die Fachleute sagen, also persönliche Anmerkungen, Gedanken, Hinweise. Unzähliger solcher Spuren fanden sich so vor einigen Jahren im Nachlass eines Priesters der Diözese, 10.000 Bände. „Diese Bücher haben wir fast alle angenommen.“

Bisweilen geht es den Buchexperten besonders ans Herz, wenn sie einen über viele Jahre gewachsenen Bestand übertragen bekommen. Ein Prälat im Ruhestand, der sich vor vielen Jahren aus Altersgründen von seinen bibliophilen Kostbarkeiten trennen und sie der Diözesanbibliothek vermachen wollte, weinte vor seinen Bücherregalen vor lauter Trennungsschmerz bitterlich. „Da wird der Bibliothekar zum Seelsorger und Trauerbegleiter“, erinnert sich Ott-Stelzner.

Eine anrührende Geschichte mit Ursprung im Zweiten Weltkrieg erlebten die Bibliotheksleute unlängst. Ein französischer Soldat hatte am Ende des Krieges in Oberschwaben zwei Bücher gestohlen und sie mit  nach Hause genommen. In Madagaskar zwickte ihn auf seine alten Tage das Gewissen und er schickte die beiden Exemplare nach Deutschland, wo sie schließlich über Riedlingen in die Diözesanbibliothek nach Rottenburg gelangten. Einem aufmerksamen pensionierten Prälaten waren die weitgereisten Titel im Riedlinger Bibliotheksfundus aufgefallen. Von wegen Staub zwischen Buchdeckeln…

Am 7. Februar feiert die württembergische Diözese das 100jährige Bestehen ihrer zentralen Bibliothek, die ihre Entstehung den Reform- und Bildungsbemühungen des Konstanzer Generalvikars Wessenberg verdankt. Bischof Gebhard Fürst nimmt am Festakt im Bischöflichen Ordinariat teil.

Archiv