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Rottenburg/Stuttgart. 20. Juni 2015. Die Bischöfe in Baden-Württemberg haben zu barmherziger Hilfe und Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. „Die Menschen, die an den Grenzzäunen verbluten oder im Meer ertrinken, sind unsere Toten“, sagte der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst am Weltflüchtlingstag in der Stuttgarter Stiftskirche am Samstag in einem ökumenischen Gottesdienst mit dem evangelischen Landesbischof von Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh.

Längst sei das Mittelmeer zum traurigen Ort für zerstörte Hoffnungen geworden, stellte Bischof Fürst in seiner Predigt fest; das Mittelmeer fülle sich mit Toten wie ein Massengrab. Als Gottes Geschöpfe müssten die Menschen Verantwortung für einander tragen und sich gegenseitig geschwisterlich helfen. Mehr als 60 Millionen Menschen weltweit hätten im vergangenen Jahr in Todesangst ihr Land verlassen müssen oder irrten als Binnenflüchtlinge umher. Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sei die Zahl der Flüchtlinge so hoch gewesen wie derzeit.

Armut gehöre zu den wichtigsten Ursachen für die globalen Fluchtbewegungen, sagte der Rottenburg-Stuttgarter Bischof. „Unser Lebensstil, unsere Privilegien und unsere Politik haben einen Anteil daran“, betonte der Bischof mit Bezug auf die Enzyklika des Papstes, Laudato si, in welcher Franziskus den engen Zusammenhang zwischen weltweiter Armut, Umweltzerstörung, Gewalt und Unterdrückung aufzeigt. Der Blick auf die Schwachen und Ausgestoßenen entscheide letztlich darüber, ob humanes Leben gelinge oder scheitere. Bischof Fürst erinnerte an die Schicksale von Flüchtlingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland kamen. „Die Erinnerung an die letzten Kriegstage und danach muss uns heute Maßstab der Nächstenliebe sein.“ Es gelte, bereitwillig und barmherzig diejenigen anzunehmen, die heute auf der Flucht sind.

Auch der badische evangelische Landesbischof Cornelius-Bundschuh bezog sich auf das Schicksal der nach dem Zweiten Weltkrieg geflohenen oder vertriebenen Menschen. Die Erinnerungen dieser heute alten Menschen an harte Jahre würden im Kontakt mit heutigen Flüchtlingen wach. „Flucht und Vertreibung prägen sich tief ein; Brüche und Traumata lassen manche auch nach siebzig Jahren nicht los“, sagte Cornelius-Bundschuh. Viele Christinnen und Christen engagierten sich derzeit für Flüchtlinge, ließen sich hinein nehmen in deren Leid und versuchten zu trösten. Diese Fürsorge hat dem Landesbischof zufolge ihren tragenden Grund in der Bibel, wo die Erfahrung der Fremdheit vielfach belegt sei und sich im Satz „Ihr seid Fremdlinge gewesen“ bündele. Wer selbst oder wessen Vorfahren einmal Fremdling gewesen sei, werde Fremdlinge heute willkommen heißen.

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