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Rottenburg. 3. November 2017. Nach fünf Jahren Sanierung, archäologischen Grabungen und Forschungen wird am Samstag (4. November) die Rottenburger Sülchenkirche wiedereröffnet. Im Zuge der Arbeiten hat sich immer deutlicher herausgestellt, dass Sülchen ein landesweit einzigartiger Erinnerungsort von unschätzbarer Bedeutung für die gesamte Diözese Rottenburg-Stuttgart ist. Die Archäologen der Landesdenkmalpflege förderten christlich geprägte Funde zu Tage, die aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts stammen und damit eine 1.500jährige christliche Bestattungstradition an einem bedeutenden Herrschaftssitz belegen.

Bischof Gebhard Fürst betonte, die kostbaren archäologischen Funde bedeuteten in Verbindung mit der Grablege der bisher neun verstorbenen Rottenburger Bischöfe ein „herausragendes und beeindruckendes Denkmal der Kontinuität von Christentum, Kirche und Feier ihrer Liturgie an diesem Ort“. Es gilt zudem als erwiesen, dass der heilige Meinrad, Begründer der Benediktinerabtei Einsiedeln, als Spross eines Adelsgeschlechts in Sülchen geboren wurde. Der Abt von Einsiedeln sagte seine Teilnahme bei der Wiedereröffnung der Sülchenkirche am Samstag zu. Er hatte eine Reliquie des heiligen Meinrads gestiftet. Auch der heilige Martin, Patron der Franken, der Domgemeinde und der württembergischen Diözese, wurde früh in Sülchen verehrt. Von dort wurde sein Patrozinium auf die Rottenburger Pfarrkirche, den heutigen Dom St. Martin, übertragen.

Berührt zeigte sich Bischof Fürst von einem christlich geprägten bronzenen Radkreuz aus einem Mädchengrab aus der Zeit um 600. Ein solches Kreuz trägt er als Replika in seinem Brustkreuz, dem sogenannten Pektorale. Er wünsche sich, sagte der Bischof, dass Sülchen in den nächsten Monaten und Jahren ein Besuchermagnet werde. Dieser Ort lade dazu ein, „Halt zu machen, in die Tiefe zu gehen und sich seines Glaubens zu vergewissern“.

Herausragende Funde aus dem frühen Mittelalter wie auch aus der Barockzeit, die von Archäologen des Landesdenkmalamtes unter der Leitung von Beate Schmid und Ernst Rümmele geborgen wurden, können Besucher in Sülchen betrachten. Eigens wurde dafür eine Außenstelle des Diözesanmuseums eingerichtet. Bis in die Frühzeit von Sülchen zurückreichende Fundamentreste sind in der Unterkirche zu sehen. Die Särge der verstorbenen Rottenburger Bischöfe haben in einem mit Stampflehm gestalteten Raum, der in seiner Einfachheit Ruhe und Würde ausstrahlt, ihren neuen Ort gefunden. Die Wände bieten Platz für insgesamt 28 Grabnischen.

Museumsleiterin Melanie Prange betonte, dass der Zutritt zu den Vitrinen wegen der Kostbarkeit der Artefakte nur mit Führungen möglich ist (Anmeldung per Email museum(at)bo.drs.de). Die didaktisch ansprechende Präsentation der Fundstücke zusammen mit animierten Zeichnungen sowie Mauer- und Steinresten der Sülchener Vorgängerbauten führe die Faszination des Ortes vor Augen. Auch die Ausdehnung des frühmittelalterlichen Gräberfelds, über dem die Kirche im 7. Jahrhundert entstand, sowie die Verortung der herausragenden Bestattungen würden so nachvollziehbar. Die Präsentation mache auch die Alltagswelt der damaligen Menschen lebendig.

Dompfarrer Kiebler zeigte sich erfreut, dass die Sülchenkirche nach der rund 5,8 Millionen Euro kostenden Sanierung und Umgestaltung aus dem Schatten ins Licht trete. Obwohl sie eine beeindruckende Geschichte habe, sei sie bisher meist nur als Friedhofskirche wahrgenommen worden. Nach Sanierung und Bergung archäologischer Funde von unschätzbarem Wert werde die Domgemeinde St. Martin ihre Friedhofskirche neu würdigen. Künftig werde in Sülchen mindestens einmal in der Woche ein regulärer Gottesdienst angeboten. Ein Gewinn ist dem Dompfarrer zufolge, dass wichtige Kunstwerke wie die „Auferweckung des Lazarus“, die russische Marienikone „Maria Wegweiserin“ oder ein großes Triumphkreuz aus dem 19. Jahrhundert wieder ihren Platz in der Sülchenkirche gefunden haben.

Wichtige Hinweise und Einladung zur Berichterstattung:
Am Samstag (4. November) weiht Bischof Fürst um 10:00 Uhr die Sülchenkirche neu. Am Nachmittag um 14:30 Uhr wird in der Unterkirche die museale Präsentation eröffnet. Von 15:30 Uhr bis 18:00 Uhr führen Mitarbeiter des Diözesanmuseum Gruppen von maximal 20 Personen durch die Ausstellung. Wegen der beengten Platzverhältnisse wird vor der Sülchenkirche ein Zelt aufgestellt, das Raum für 200 Personen bietet. In dem Zelt können sich Wartende aufhalten und schon anhand von Videos einen Eindruck von Sülchen bekommen.

Damit möglichst viele Interessierte die sanierte und wiedereröffnete Kirche sehen können, gibt es am Sonntag (5. November) einen Tag der Offenen Tür von 14:00 bis 17:00 Uhr, an dem das Diözesanmuseum ebenfalls Führungen anbietet.

Angebot: 4 Fotos von Sülchen (vor der Wiedereröffnung) können heruntergeladen werden unter http://www.drs.de/service/presse/downloads.html

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