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Rottenburg. 26. Februar 2017. Mit einem eindringlichen Appell zu mehr internationaler Hilfe für Afrika ist Bischof Gebhard Fürst am Wochenende von einer elftägigen Pastoralreise durch Ghana zurückgekehrt. Er besuchte  mit einer Begleitgruppe acht Diözesen und deren Bischöfe in dem westafrikanischen Land, in denen die Diözese Rottenburg-Stuttgart seit Jahrzehnten Hilfe für Bildung, Seelsorge und Wirtschaftsentwicklung leistet. Allein seit 2006 sind 120 Projekte in Höhe von insgesamt einer Million Euro gefördert worden. Nach wie vor leidet das vor 60 Jahren unabhängig gewordene ehemalige britische Kolonialland unter den Folgen von Gold- und Holz-Raubbau, Abhängigkeit von ausländischen Konzernen, Umweltzerstörung und Mülllasten aus dem In- und Ausland.

An der katholischen Universität von Sunyani hielt Bischof Fürst einen Vortrag über die Bewahrung der Schöpfung und die Verantwortung der Kirche. Christen müssten schöpfungsfreundlich handeln mit dem biblisch begründeten Auftrag, die Welt als Geschenk Gottes zu bewahren und sie den Menschen zum Leben zu erhalten. Unter Berufung auch auf das Schreiben von Papst Franziskus „Laudato si“ betonte Bischof Fürst, Umweltzerstörung habe immer schwere soziale Verwerfungen zur Folge und führe zu Konflikten, Kriegen und Flüchtlingsströmen.

Bischof Fürst erinnerte an die Vorgabe in seiner Diözese, Flüchtlingen zu helfen und gleichzeitig Fluchtursachen zu vermeiden. Von der württembergischen Diözese unterstützte Projekte müssten diesem Ziel dienen. In Sunyani besuchte der Bischof das von Peter Oppung-Kumi 2012 initiierte Projekt „Pax Garments“. Father Peter hatte zwölf Jahre in der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Priester gearbeitet, unter anderem in Mulfingen und in Mössingen, und in Tübingen seine Doktorarbeit abgeschlossen. Mit Nähmaschinen, die er von seinen Gemeinden geschenkt bekam, gründete er eine Kooperative, in der heute 23 Frauen und Männer arbeiten. Sie bekommen für die Produktion von Schuluniformen, liturgischen Gewändern und anderen Textilien mehr als den Durchschnittslohn. Mit 30.000 Euro hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Projekt unter anderem für den Bau einer Produktionshalle unterstützt. Heute wirft Pax Garments Gewinn ab und erlaubt weitere Investitionen. „Wir sind dankbar für jede Hilfe, wir müssen die Dinge aber auch selbst in die Hand nehmen“, sagte Peter Oppong-Kumi.

Auf seiner Pastoralreise besuchte Bischof Fürst weitere geförderte Projekte, etwa eine an eine katholische Klinik angegliederte Apotheke „Medimis“. In der von Missionsärztlichen Schwestern geführten Einrichtung können Patienten unter anderem Antibiotika aus Europa und den USA  erhalten. Da in Ghana Antibiotika rezeptfrei zu bekommen sind, haben viele Menschen Resistenzen gegen die einheimischen Medikamente entwickelt. Auch Schulen und Schulzentren besuchte Bischof Fürst, wo Tausende von Jungen und Mädchen eine fundierte Ausbildung bekommen. In der weiterführenden Schule St. Joseph der Diözese Kanongo-Mampong etwa unterrichten 80 Lehrer 700 Schülerinnen und Schüler; in einem Konvikt bereiten sich 70 Jungen auf den Priesterberuf vor. Die älteren Schüler können wählen zwischen den Bildungsgängen Wirtschaftswissenschaften und Naturwissenschaften.

In Ghana sind laut Statistik drei von fünf Einwohnern unter 35 Jahre alt. Die Bischöfe im Land wissen, dass die von der Kirche geförderte Bildung ins Erwerbsleben führen muss, wenn die jungen Leute eine Perspektive haben sollen. Viele junge Leute schlagen sich mit Billigjobs durch oder verkaufen Waren an der Straße. Doch gegen die Wirtschaftsmacht von internationalen Multi-Konzernen und finanzstarken Industrieländern anzukommen, das sei wie ein Kampf „zwischen Ziege und Elefant“, wie Accras Erzbischof Charles Palmer-Buckle im Gespräch mit Bischof Fürst sagte. Er warb um Hilfe für Afrika und mahnte gleichzeitig Achtung an vor den Werten und Traditionen des Kontinents. „Wir brauchen Botschafter, die solidarisch afrikanische Werte respektieren und verteidigen.“ Die Diözese Rottenburg-Stuttgart steht mit 80 Diözesen weltweit in Verbindung. Jährlich gehen bei ihrer Hauptabteilung Weltkirche 1.200 Anträge ein, von denen die Hälfte positiv beschieden werden kann.

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