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Stuttgart. 5. Oktober 2017. Mit dem Franziskuspreis der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat Bischof Gebhard Fürst Projekte und Initiativen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Bewahrung der Schöpfung sowie nachhaltige Entwicklung einsetzen. Den mit 6.000 Euro dotierten Hauptpreis überreichte er am Mittwochabend (4. Oktober) im Stuttgarter Haus der Katholischen Kirche der Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller für das Projekt „Grünfinder“. Den mit 2.000 Euro ausgestatteten zweiten Preis erhielt der Verein „Behindertenschule am Himalaya e.V.“, der in der Seelsorgeeinheit Künzelsau angesiedelt ist. Anerkennungspreise in Höhe von je 1.000 Euro gingen an die Katholische Betriebsseelsorge Ostwürttemberg mit dem Projekt „SubKULTan“ sowie an die „Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e.V.“

Bischof Fürst sprach allen Initiativen, die sich um den Franziskuspreis beworben hatten, seine Anerkennung aus und bescheinigte ihnen „gelebte Schöpfungsverantwortung im alltäglichen Handeln“. Den heiligen Franziskus bezeichnete er an dessen Namenstag als „Vorbild in einer Haltung der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfergott und der Liebe zum gesamten Schöpfungswerk“. Jede und jeder stehe vor der Aufgabe, diese Haltung in den Alltag zu übertragen. Es seien schwierige Entscheidungen zu fällen und es entstünden Zielkonflikte, die kein einfaches Ja oder Nein erlaubten. „Mit kleinen Gesten entscheiden wir etwa als Konsumenten über die Produktionsverhältnisse auf dem globalen Markt und als Reisende sind wir Teil des globalen Rohstoffverbrauchs“, gab der Bischof zu bedenken. Wie jede Institution stehe auch und gerade die Kirche jeden Tag vor ökologischen Herausforderungen. „Es gilt abzuwägen und die Folgen unserer Entscheidungen für die heutigen und kommenden Generationen sowie die gesamte Schöpfung zu bedenken, um dann entschlossen zu handeln“, so Bischof Gebhard Fürst weiter.

Im Namen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Schirmherr des diesjährigen Franziskuspreises, dankte der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, Andre Baumann, der Diözese für deren Engagement im Klima- und Umweltschutz. Sie unterstütze so die Klimaschutzpolitik des Landes Baden-Württemberg aktiv. Die bereits zu beobachtenden Folgen des Klimawandels müssten wachrütteln und handeln lassen, schrieb Kretschmann in seinem Grußwort.

In seiner Laudatio für die Preisträger bezeichnete Baumann die 20 eingereichten Projekte und Initiativen als „exemplarischen Querschnitt durch die Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in der Diözese“. Er zeigte sich beeindruckt davon, wie mit Kreativität, fachlicher Kompetenz und Gestaltungskraft Ideen für Nachhaltigkeitsprojekte entwickelt würden, die zur Bewahrung der Schöpfung, zum Chancenausgleich sowie zur Unterstützung sozial Benachteiligter einen wertvollen Beitrag leisten könnten.

In besonderer Weise gelingt dies laut Baumann dem diesjährigen Träger des Hauptpreises, der Kinderstiftung Ulm/Donau-Iller. Das Projekt „Grünfinder“ habe die Jury vor allem durch seinen ganzheitlichen naturpädagogischen Ansatz, die Sozialraumorientierung und die Professionalität besonders beeindruckt. „Sie ist davon überzeugt, dass mit dem Grünfinder-Projekt die angestrebte Sensibilisierung der jungen Generation für den Umwelt-und Naturschutz erreicht werden kann“, erläuterte der Umwelt-Staatssekretär. Das Projekt verfolge das Ziel, Schülerinnen und Schülern, in der Regel an Grundschulen, mit Hilfe von erfahrenen Fachkräften das lebendige Erleben und Lernen in der Natur mit Kopf, Herz und Hand im näheren schulischen Umfeld zu ermöglichen.

Beim Eine-Welt-Projekt „Behindertenzentrum Ashadeep“(Indien) des Vereins „Behindertenschule am Himalaya e.V.“ beeindrucke die Umsetzung vieler Nachhaltigkeitsdimensionen in einem Projekt, erläuterte Baumann. Unterstützt werde die Einrichtung durch den Bau eines Kuhstalls für 40 Milchkühe zur Ernährungssicherung sowie durch den Aufbau einer klima-und umweltfreundlichen Energieversorgung mit Hilfe einer Biogas-und einer Photovoltaikanlage. Eine weitere wichtige Säule des Projekts sei die Einbindung behinderter Kinder und Jugendlicher in den landwirtschaftlichen Betrieb. Dadurch würden Erfahrungen im Umgang mit Tieren und Pflanzen gesammelt, das Übernehmen von Verantwortung gelernt und das Selbstbewusstsein der behinderten Bewohner der Einrichtung gestärkt, ergänzte der Staatssekretär.

Das Projekt „SubKULTan“ der Katholische Betriebsseelsorge Ostwürttemberg lobte Staatssekretär Baumann für die Einbindung sozialer, kultureller und ökologischer Aspekte in einen lokalen Kontext. Im Rahmen des selbstorganisierten Projekts erhielten Langzeitarbeitslose eine Perspektive, da sie ihr Schicksal wieder in die eigene Hand nehmen könnten. Mit seinen künstlerischen und kulturellen Elementen sowie dem liebevoll und kreativ gestalteten Gartenprojekt in der Innenstadt von Aalen leiste das Projekt einen wertvollen Beitrag zu einer ökologischen Stadtentwicklung, so Baumann weiter.

Beim Verein „Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e.V.“ überzeuge laut Jury das ethisch richtungsweisende Konzept für die seit 25 Jahren durchgeführten Sammlungen von Textilien in Baden-Württemberg. Die Aktion Hoffnung sei heute der größte gemeinnützige Sammler von gebrauchten Textilien im Land, sagte Baumann. Sie agiere dabei nach den strengen Kriterien des Dachverbandes „FairWertung“. Mit den Erlösen würden Projekte in der Eine-Welt-Arbeit sowie zur Bewusstseinsbildung im Inland finanziert, ergänzte der Staatssekretär.

Im Rahmen der Preisübergabe zeichnete Bischof Gebhard Fürst den langjährigen Vorsitzenden des Diözesanausschusses „Nachhaltige Entwicklung“ und Mitglied im Diözesanrat, Dieter Schmid (Freiberg/Neckar), mit der Franziskusmedaille aus. In dieser ehrenamtlichen Funktion habe er wertvolle Impulse zur Entwicklung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Diözese gegeben und sich mit großem persönlichen Einsatz als Anwalt für die bedrohte Schöpfung eingesetzt, würdigte Bischof Fürst. Schmid sei seit Beginn der Klimainitiative im Jahr 2007 Mitglied des Strategieentwicklungsteams Klimainitiative, sowie aktives Mitglied im Photovoltaik-Anwendernetzwerk der Diözese.
Die Franziskusmedaille wird engagierten Persönlichkeiten aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart verliehen, die sich innerhalb und außerhalb der Kirche für die Bewahrung der Schöpfung, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzen, Anstöße gegeben und Entwicklungen in Gang setzen.

Im Juli 2007 wurde die diözesanweite Klimainitiative durch Bischof Gebhard Fürst ins Leben gerufen. Sie hat zum Ziel, schöpfungsgerechtes Handeln zu befördern, auszubauen, zu systematisieren und ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Zentrale Zielbereiche der Klima-Initiative sind: ökologische Bestandsentwicklung und nachhaltiges Bauen für über 5.000 Immobilien, nachhaltiger Umgang mit Energie, Verhaltensmotivation, Bewusstseinsbildung, Nachhaltigkeitserziehung und Multiplikatorenschulung sowie weltkirchliche Solidarität.

Als Teil der Klimainitiative wird der Franziskuspreis seit 2008 vergeben; satzungsgemäßes Ziel des Wettbewerbs ist die Förderung von schöpfungsgerechtem Handeln. Der Tag der Preisverleihung ist um den Namenstag des Heiligen Franziskus (4. Oktober). In diesem Jahr bewarben sich zwanzig Projekte um den Franziskuspreis; in einem mehrstufigen Bewertungsverfahren wählte die Jury unter Vorsitz des Baden-Württembergischen Ministers für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Franz Untersteller, vier Preisträger aus.

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