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Rottenburg/Stuttgart. 27. Februar 2016. Das Oberhaupt der chaldäischen Christen, Patriarch Louis Raphael I. Sako, hat Bischof Gebhard Fürst für solidarische Hilfe gegenüber seinen Gläubigen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und im Irak gedankt. Diese Unterstützung trage dazu bei, dass die aus ihrer Heimat vor Krieg und Unterdrückung geflüchteten Christen in der Fremde Aufnahme und Sicherheit finden, sagte der seit 2013 amtierende Patriarch der mit Rom unierten chaldäisch-katholischen Kirche am Samstag in Stuttgart. Am Vortag hatte das Kirchenoberhaupt mit Sitz in Bagdad  Bischof Gebhard Fürst in Rottenburg besucht.

Sako, der erstmals als Patriarch seine Glaubensgeschwister in Deutschland besuchte, drückte Zuversicht auf friedliche Zukunft seiner Kirche im Irak aus: „Ich habe Hoffnung für die Christen dort“. Vor dem ersten Irakkrieg lebten an Euphrat und Tigris rund eine Million Christen; heute sind es Sako zufolge noch 400.000. Als Voraussetzung für eine friedliche und sichere Zukunft der Menschen im Irak nannte der Patriarch die Schaffung eines säkularen Staates, der alle Religionen und Weltanschauungen gleichberechtigt respektiert. Für diesen Prozess brauche es Unterstützung durch die westliche Politik, die dafür eine Moderatorenrolle übernehmen müsste.

Der Patriarch betonte, er rechne nicht mit einer nennenswerten Zahl von aus dem Irak geflüchteten Christen. Diese Gläubigen könnten den Christen im säkularisierten Westen spirituelle Impulse geben. Dies könne allerdings nur gelingen, wenn die irakischen Christen ihre Glaubensidentität und –tradition bewahren. Gleichzeitig stünden sie vor der Herausforderung, sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren. „Dafür bringen Christen gute Voraussetzungen mit.“

Im Stuttgarter Stadtteil Rohracker haben die chaldäischen Christen n der Pauluskirche, die ihnen von der Diözese Rottenburg-Stuttgart überlassen wurde, eine neue geistliche und soziale Heimat gefunden. Dort treffen sich seit  Ende 2014 jeden Sonntag bis zu 500 Gläubige zum Gottesdienst in ihrem orientalischen Ritus. Dort tauschen sie sich aus und bekommen von Experten der Diözese und deren Caritasverbandes professionelle Beratung.  Nach Fertigstellung des in die Pauluskirche  integrierten Gemeindezentrums im Sommer werden nach Angaben des Bischöflichen Chaldäerbeauftragten Klaus Barwig Beratungs- und Bildungsangebote ausgebaut und spezialisiert. Als Erfolg bewertet Barwig, dass inzwischen chaldäische Jugendliche sich neben Studium oder Ausbildung ehrenamtlioch in der Flüchtlingsarbeit engagieren.

Mit Blick auf die nach Europa geflüchteten arabischen Christen mahnte der studierte Islamwissenschaftler Sako die Achtung vor den Menschen- und Freiheitsrechten an. Eine besondere Herausforderung sehe er dabei durch die hohe Zahl zugewanderter Muslime. Es komme zentral darauf an, dass sie sich mit ihrem mitgebrachten Verständnis von Religion und Staat der hiesigen Verfassungswirklichkeit anpassen.

Um den Christen im Irak ein Bleiben zu erleichtern, gab die Diözese Rottenburg-Stuttgart seit 2003 rund 900.000 Euro für Hilfen in Flüchtlingscamps. Zudem unterstützt sie die Errichtung von Kindergärten und Schulen sowie einer Universität speziell für Flüchtlinge in Erbil, Hauptstadt der teilautonomen irakischen Kurdenprovinz.

Patriarch Sako appellierte dringend an den Westen, sich konsequent und glaubwürdig für den Frieden im Irak einzusetzen. „Wer Waffen exportiert, produziert Krieg und damit Flüchtlinge.“ Die internationalen Kräfte in West und Ost wie auch im Nahen und Mittleren Osten müssten wirklich im Interesse des Friedens und der Freiheit handeln, und nicht nach jeweiligen Eigeninteressen.

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