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Anlass dazu waren Medienveröffentlichungen über das ehemalige Kinderheim St. Josef in Gutenzell-Hürbel (Kr. Biberach), bis zu seiner Schließung im Jahr 1982 in Trägerschaft der Franziskanerinnen von Bonlanden.

Drei ehemalige Heimkinder hatten den Schwestern im Herbst 2011 in Zeitungs-, Hörfunk- und Fernsehbeiträgen sowie im Internet physische und psychische Misshandlungen sowie Medikamentenmissbrauch durch Psychopharmaka vorgeworfen. Viele Säuglinge und Kleinkinder, so die Vorwürfe weiter, seien nach rätselhaften Todesfällen auf einem Kinderfriedhof anonym und unter unwürdigen Umständen „verscharrt“ worden.
Diese Vorwürfe, so Markus Grübel in einer Pressekonferenz am 19. April in Biberach, seien so schwerwiegend, dass eine sorgfältige Überprüfung durch Historiker und medizinische Sachverständige im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart selbstverständlich gewesen sei. Es sei jetzt wichtig, den Behauptungen belastbare Fakten öffentlich gegenüber zu stellen.

Als Ergebnis der öffentlich überprüfbaren umfangreichen Aktenlage sowohl bei den Bonlandener Franziskanerinnen als auch in kommunalen und anderen öffentlich zugänglichen Archiven ergebe sich allerdings ein anderes Bild von den Verhältnissen in dem Kinderheim in Hürbel, als es in den Medienberichten gezeichnet werde, betonte Grübel. Von den 4.200 Kindern im Heim seien zwischen der Eröffnung 1908 und der Schließung im Jahr 1980 303 verstorben, davon mit 260 Kindern zwischen 1908 und 1924 der größte Teil. Masern- und Keuchhustenepidemien, eine Spanische-Grippe-Epidemie sowie die Not der Kriegszeit seien die Ursachen dafür gewesen. Die Sterberate im Heim entspreche in dieser Zeit auch der allgemeinen Kindersterblichkeit im Deutschen Reich. Auf dem eigenen Kinderfriedhof des Heims, der 1918 zeitgleich mit einer Erweiterung des Hürbeler Gemeindefriedhofs errichtet worden war, wurden bis zu seiner Schließung 1955 101 Kinder bestattet. Die Todesfälle im Hürbeler Kinderheim seien keineswegs mysteriös, so Grübel; vielmehr seien ausnahmslos alle mit den Todesursachen dokumentiert, ebenso wie die Bestattungen auf dem Kinderfriedhof des Heims oder andernorts.

Dem Vorwurf, die Kinder seien nachts durch Psychopharmaka ruhig gestellt worden, setzte Grübel entgegen, alle Medikationen seien nachweislich durch Fachärzte auf  Grund individueller Diagnosen  erfolgt. Heute sähen Medizin, Psychiatrie und Psychologie vielleicht manches anders, räumte Grübel ein, damals habe es jedoch dem ärztlichen Standard entsprochen.

Es sei schwer, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen zu bewerten, kommentierte Grübel den Vorwurf unangemessen harter Erziehungsmethoden in dem Kinderheim. Es bestreite heute niemand, dass in der Vergangenheit in der Heimerziehung oftmals völlig inakzeptable Zustände geherrscht hätten. Bischof Fürst habe im Frühjahr 2011 die ehemaligen Heimkinder öffentlich um Vergebung für das gebeten, was sie zum Teil erleiden mussten. In Hürbel konzentrierten sich derartiger Erinnerungen im Wesentlichen auf eine Schwester, die auch unter den Mitschwestern als sehr streng gegolten habe. Allerdings gebe es auch Aussagen anderer ehemaliger Heimkinder, die gerade auf diese Schwester nichts kommen ließen, so Grübel. Wieder andere hätten im persönlichen Gespräch die Schilderungen der Vorgänge in Hürbel in den Medien als „maßlos übertrieben“ bezeichnet. Die vielfältig vorliegenden Berichte in Chroniken, Tagebüchern und persönlichen Erinnerungsdokumenten von ehemaligen Heimkindern rechtfertigten es in keiner Weise, dieses Heim als „katholisches Konzentrationslager“ zu bezeichnen, wie es in den genannten Vorwürfen geschehen sei.

 

 

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