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Stuttgart. 11. Oktober 2014. Es war ein langer Weg bis hierher: Am 10. Oktober 2014 hat der Kirchengemeinderat der  katholischen Kirchengemeinde St. Antonius in Stuttgart-Hohenheim einen weitreichenden Beschluss zur Zukunft der Kirche St. Vinzenz Palotti in Stuttgart-Birkach getroffen.

Gemeinsam mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Siedlungswerk GmbH Wohnungs- und Städtebau, Stuttgart, wird auf dem Areal ein Wohnungsbauprojekt realisiert, das sowohl Eigentums- und Mietwohnungen, besonders für Familien, als auch Wohnmöglichkeiten für Asylbewerber und für Flüchtlinge mit dauerhaftem Bleiberecht umfasst. Ebenso sollen Wohnmöglichkeiten für Studierende geschaffen werden, die bisher neben der Hohenheimer St.-Antonius-Kirche untergebracht waren.

So sieht das Programm für das Quartier nach einer ersten Machbarkeitsstudie aus: Nach dem Abriss der Kirche und der bislang vorhandenen Gebäude sollen insgesamt 66 Eigentumswohnungen entstehen, drei Wohnungen für Studierende, rund fünf Wohnungen für etwa 40 Asylbewerber und vier Wohnungen für ca. 30 Flüchtlinge mit Bleiberecht. Mit dem Neubau der Kindertagesstätte,  die ihr Angebot von einer Gruppe zu einer künftig viergruppigen Kita vergrößern wird, wird nicht nur ein wichtiges Anliegen der Kirchengemeinde erfüllt, sondern auch ein Angebot geschaffen, welches der wachsenden Bewohnerzahl gerecht wird. Für die Kirchengemeinde und die Bewohner des Quartiers ist ein Gemeinschaftsraum vorgesehen, für die Flüchtlingssozialarbeit ein Büro. Das Quartier erfüllt die Vorgaben des „Stuttgarter Innenentwicklungsmodells“ (SIM) für die Umwidmung sogenannter Gemeinbedarfsflächen in Wohnbebauung. Darüber hinaus sind Kirche und Siedlungswerk mit der Stadt Stuttgart übereingekommen, auf einem weiteren Grundstück in Stuttgart-Steckfeld einen Wohn- und Pflegeverbund mit etwa 50 Pflegeplätzen zu erstellen.

Bereits 2006 hatte der Stuttgarter Gesamtkirchengemeinderat angesichts des stark rückläufigen Gottesdienstbesuchs und erheblicher Sanierungskosten für eine Umnutzung votiert, wobei eine Realisierung dieses Vorhabens lange Zeit nicht in Sicht war. Vor rund einem Jahr nun gab Bischof Gebhard Fürst den Anstoß zu dem jetzt beschlossenen Bauvorhaben, nachdem die Diözese mit ihrem Diözesanrat die Verantwortung für Flüchtlinge zu einem Schwerpunkt ihrer Seelsorge und Caritas erklärt hatte. Immer wieder betont der Bischof, dass Umwidmung oder gar Abriss einer Kirche eine schmerzliche Entscheidung sind, die er nur in begründeten Ausnahmefällen trifft. „Aber hier“, so erklärte Thomas Broch, der Bischöfliche Flüchtlingsbeauftragte, „wird ein Projekt realisiert, bei dem Kirchengemeinde, Stadtdekanat und die Stadt Stuttgart der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für Flüchtlinge gerecht werden“. Das Projekt mache die Vielgestaltigkeit der Gesellschaft deutlich und habe alle Chancen, zu einem Modell für gelingendes Miteinander im Gemeinwesen zu werden, so Broch. Mit dem Siedlungswerk hat die kirchliche Seite einen Partner, zu dessen Markenzeichen zukunftsorientierte, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen integrierende Quartierentwicklungen gehören. Diözese und Kirchengemeinde danken den Vertretern der Stadt Stuttgart für die fairen und zielführenden Verhandlungen insbesondere zugunsten der integrativen Unterbringung von Flüchtlingen.

Die Kirchengemeinde hat sich nach den Worten von Christiane Reim, der Zweiten Vorsitzender des Kirchengemeinderats, sehr lange und intensiv mit der Zukunft der St.-Vinzenz-Palotti-Kirche beschäftigt. „Dass nun an diesem Standort Projekte realisiert werden können, die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen eine Heimat bieten und damit auch Präsenz von Kirche vor Ort ermöglichen, macht es vielen in der Kirchengemeinde leichter, den Abriss der Kirche zu akzeptieren“, betonte Christiane Reim.

Der Stuttgarter Stadtdekan, Monsignore Dr. Christian Hermes, begrüßte die Entscheidung der Kirchengemeinde, des Bischofs und des Siedlungswerkes: „Es ist sehr wichtig, dass, wenn wir Kirche und Gemeindezentrum nicht mehr halten können, eine Nutzung gefunden wird, die dem Auftrag des Evangeliums und der Kirche entspricht. Dazu, finde ich, sind wir verpflichtet. Gerade in der Zeit explodierender Wohnungspreise wollen wir mit diesem Projekt Menschen einen Ort schaffen, die aus unterschiedlichen Gründen auf dem Wohnungsmarkt nicht mithalten können oder keinen Platz in dieser reichen Stadt haben: Flüchtlinge, Studierende, Familien, Kinder. Das Projekt zeigt auch, dass bei guter und kluger Zusammenarbeit der verschiedenen Partner etwas richtig Gutes entstehen kann.“

Für das Siedlungswerk ist nach der Überzeugung seines Geschäftsführers Norbert Tobisch „die integrative Flüchtlingshilfe innerhalb eines Wohnprojekts die konsequente Weiterentwicklung des seit Jahren bewährten Ansatzes der sozial gemischten Quartiere“. So werde das Motto konkretisiert: „Wohnen da, wo andere wohnen.“

Stefan Spatz, stellvertretender Leiter des Sozialamts der Landeshauptstadt und Leiter der Lenkungsgruppe Flüchtlinge, unterstreicht „dass dieses vorbildliche integrative Projekt genau das richtige Zeichen in der heutigen nicht ganz einfachen Zeit setzt“. Er sei sich sicher, betont Spatz, „dass alle neuen Bewohnerinnen und Bewohner ein gedeihliches Miteinander haben werden. Dies wollen wir auch gemeinsam unterstützen.“ Ausdrückliche Zustimmung des designierten Sozialamtsleiters finden die Planungen zu einem Wohn-Pflegeverbund in Steckfeld. „Natürlich freue ich mich auch über die dringend notwendigen neuen Pflegeplätze in Plieningen, wenn wir diese dann gemeinsam mit dem Gesamtkonzept auf den Weg bringen können“, so Spatz.

Im Frühjahr 2015 wird für die vorgesehene neue Bebauung in Birkach ein Architektenwettbewerb durchgeführt. Nach den weiteren erforderlichen baurechtlichen Schritten wird mit dem Baubeginn im Herbst 2016 gerechnet. Ende 2018 soll das neue Quartier fertig gestellt sein.

Hinweis:
Als Ansprechpartner für unmittelbare Rückfragen steht der Flüchtlingsbeauftragte der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Thomas Broch, bis zum kommenden Montag, 16.00 Uhr, unter der Telefonnummer 0163 60 22 356 zur Verfügung.

Noch in diesem Herbst – voraussichtlich am Donnerstag, 20. November 2014 – wird  es eine Informationsveranstaltung geben, bei der alle Beteiligten und Interessierten die Gelegenheit erhalten sollen, über das Vorhaben ins Gespräch zu kommen. Eine Einladung dazu wird Sie als Medienvertreter rechtzeitig vorab erreichen.

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