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Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Rottenburger Sülchenkirche und einem anschließenden Festakt im Bischofshaus leitete die Diözese Rottenburg-Stuttgart nach längeren Vorarbeiten am Montag, 9. Mai, den Prozess ein, an dessen Ende nach dem Wunsch zahlreicher Katholiken in der schwäbischen Diözese Bischof Sproll als Seliger verehrt werden darf.

In seiner Predigt beim Festgottesdienst im Beisein von Bischof Gebhard Fürst betonte Weihbischof Johannes Kreidler, der als so genannter „Actor“ das Verfahren federführend betreibt, die Hochschätzung Sprolls als Bekennerbischof sei im Gedächtnis vieler in der Diözese lebendig geblieben. Er zähle als mutiger und entschiedener Bischof zu den Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts. Auch in schwerster Bedrängnis habe er sich von seinem Bischofs-Wahlspruch „Fortiter in fide – tapfer im Glauben“ leiten lassen und gegenüber dem nationalsozialistischen Regime und seinem weltanschaulichen Machtanspruch unmissverständlich und klar Stellung bezogen. Entscheidend für seine Ausweisung aus Württemberg im Jahr 1938 sei gewesen, dass er die Teilnahme an der Volksabstimmung zum „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und an der damit verknüpften Reichstagswahl demonstrativ verweigert hatte. Sproll sei im Zuge dieser Ereignisse in eine Größe hineingewachsen, die er selbst nie geahnt hätte, sagte Weihbischof Kreidler. „Bischof Sproll stellt uns mit seiner Entschiedenheit und Klarheit den freiheitlichen und befreienden Charakter des Evangeliums vor Augen“, so Weihbischof Kreidler. Und weiter: „Er setzte Zeichen der Glaubens- und Gewissensstärke. Hin zu stehen, aufrecht zu stehen, menschenverachtender Macht zu wiederstehen, solches Stehvermögen zeugt von der Tapferkeit im Glauben.“

Glaubenszeugen strahlten eine kaum zu erklärende Sicherheit und eine von innen heraus leuchtende Festigkeit aus, gegenüber der das Verzagen nicht mehr das letzte Wort habe, betonte Kreidler. Doch dürfe ein Glaubenszeuge auch Ohnmacht erleben. Das Empfinden von Ohnmacht widerspräche weder von vorneherein dem Mut noch dem Glauben. Auch im ohnmächtigen und einsamen Erleben des Exils sei Sproll ein Glaubenszeuge geblieben.

Einen Impuls an heutige Christen nannte Weihbischof Kreidler das Lebensbeispiel Sprolls. „Zeuge zu sein lässt sich nicht an andere delegieren, jeder und jede ist herausgefordert, unvertretbar, da, wo er, wo sie steht, Zeuge Jesu Christi zu sein. Wie soll Jesus Christus zu den Menschen kommen, wenn wir Christen nicht Widerschein seiner Liebe sind?“

Im Rahmen eines anschließenden Festakts eröffnete Bischof Dr. Gebhard Fürst im Beisein geladener Gäste in einer offiziellen Zeremonie den „Prozess über das Leben, die Tugenden und der Ruf der Heiligkeit von Joannes Baptista Sproll“. Weihbischof Dr. Johannes Kreidler hatte den Bischof zuvor, entsprechend den Vorschriften der römischen Verfahrungsordnung, in einer kurzen Ansprache formell darum gebeten; ebenso hatte der so genannte „Postulator“ in Rom im Seligsprechungsprozess, Rechtsanwalt Dr. Andrea Ambrosi, ein entsprechendes Bittgesuch an den Bischof gerichtet.

Viele Menschen, so Bischof Fürst, sehnten sich nach Vorbildern im Glauben. Ein heute vielleicht für viele erklärungsbedürftiges Verfahren könne gut sein, um die besondere Vorbildhaftigkeit eines Menschen zu verdeutlichen. Schon lange sei Bischof Sproll als „Bekennerbischof“ bezeichnet worden. Neben August Kardinal von Galen sei er der Einzige im deutschen Episkopat gewesen, der den nationalsozialistischen Machthabern öffentlich, eindeutig und entschieden die Stirn geboten habe, betonte Bischof Fürst, „und wie es aussieht, auch der Erste“. Kein anderer Bischof habe so schwerwiegende persönliche Konsequenzen zu ertragen gehabt wie Sproll. Die Dankbarkeit der Diözese sei ihm gerade auch jetzt zur Verfahrenseröffnung immer wieder bestätigt worden, so der Bischof. Viele Menschen sähen Sproll in der Reihe der christlichen Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Er sehe sich verpflichtet, dieser breiten religiösen Ehrerweisung nachzukommen.

Joannes Baptista Sprolls Wahlspruch „Fortiter in fide – tapfer im Glauben“ bedeute, dass hier ein Mensch in Verantwortung gegenüber Gott mutig aufgestanden sei, „um sich gegen die Götzen des Verderbens zum Gott des Lebens zu bekennen“, so Bischof Fürst weiter. Dieser Aufstand für das Leben im Namen Gottes und im Namen von Menschenwürde und Menschenrechten sei bis heute aktuell. Gewissensentscheidungen seien aber oft auch einsame Entscheidungen. Es liege auch „ein Schatten des Verkanntwerdens und der Einsamkeit“ über Sprolls Leben und Amtszeit, in der er keineswegs nur Unterstützung erfahren habe. Diese Einsamkeit, die Sproll nicht erst im Exil erleiden musste, könne die Kehrweise radikaler Gewissensentscheidung sein, aber auch „ein Spiegel der Ignoranz oder sogar der Böswilligkeit der Umwelt“. Gerade deshalb sei Sproll ein besonderes Vorbild darin, „Aufrichtigkeit und Anstand zu bewahren – in einer Zeit, in der eine abgrundtiefe Unmoral propagandistisch zur Moral erklärt worden war“, betonte der Bischof.

Es sei verwunderlich, dass der Name Sproll und das Zeugnis dieses mutigen Mannes außerhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart bis heute kaum im Bewusstsein sei, geschweige denn, dass er bereits zu Lebzeiten die verdiente Würdigung erfahren hätte wie etwa der Münsteraner Bischof von Galen durch die Verleihung der Kardinalswürde. „Ob Sproll, dessen manchmal querköpfige Direktheit aus vielerlei Erinnerungen und überlieferten Dicta bekannt ist, dies gewollt hätte, ist eine an der Frage – verdient hätte er es“, unterstrich Bischof Fürst. Die Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens sei geleitet „von der nachhaltigen Bedeutung dieses Großen im Glauben“.

Zur Sicherstellung eines sorgfältigen Verfahrens „ohne Ansehen der Person“, wie es die Verfahrensordnung vorschreibt, berief Bischof Fürst im Rahmen des Festakts die Mitglieder des so genannten „Kirchengerichts“ und einer Historikerkommission, die vom Justitiar der Diözese vereidigt wurden.

Dem Kirchengericht gehören folgende Mitglieder an: Der Kirchenrechtler und Pfarrer Thomas Weißhaar ist Stellvertreter und Bevollmächtigter des Bischofs in dem Prozess. Die Aufgabe des „Promotor Iustitiae“, also einer kritischen juristischen Prüfinstanz, wird dem Leiter des so genannten Offizialats, des Diözesangerichts der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Prälat Reinhold Melber übertragen. Als Notar fungiert Klaus Bihlmaier, als stellvertretende Notarinnen Monika Hentschel und Sylvia Söll, alle im Offizialat in Rottenburg tätig. Beisitzer ist der Bischöfliche Sekretär, Holger Winterholer.

In die Historikerkommission, die das Verfahren aus wissenschaftlicher Perspektive zu begleiten und auch kritisch zu prüfen hat, berief Bischof Fürst die beiden Kirchenhistoriker Professor Dr. Hubert Wolf, Münster, und Professor Dr. Andreas Holzem, Tübingen. Beratend wird Pfarrer Dr. Franz Xaver Schmid, Munderkingen, hinzugezogen, der im Jahr 2009 eine kenntnisreiche und detaillierte Darstellung von Leben und Wirken Sprolls veröffentlicht hat.

Eröffnet wird der Festakt mit einem Vortrag des Würzburger Kirchenhistorikers Professor Dr. Dominik Burkard zu dem Thema „Fortiter in fide – fortiter in ‚flagranti cura’ ?“

Dr. Thomas Broch

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