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Rottenburg/Stuttgart. Durch Handauflegung und Gebet hat Domkapitular Gerhard Schneider am Samstagmittag (13. Juli) die Bischofsweihe in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard empfangen. Im Auftrag von Papst Franziskus vollzogen Diözesanbischof Gebhard Fürst, der Freiburger Erzbischof Stephan Burger und der Mainzer Weihbischof Udo Bentz die Weihe. Zur Feier des Festgottesdienstes in der Konkathedrale der Diözese waren rund 450 geladene Gäste sowie etwa 300 Gläubige aus der ganzen Diözese gekommen. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von muttersprachlichen Gemeinden aus Stuttgart; darunter war auch die Subdiakonin der chaldäisch-katholischen Gemeinde, Younia Hilbert.

Gerhard Schneider ist einer von drei Weihbischöfen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zum vierten Mal in der Geschichte der Diözese wurde in der Domkirche St. Eberhard ein Bischof geweiht; die letzte Weihe in Stuttgart empfing 1976 Franz-Josef Kuhnle.

In der traditionellen Einführung vor Beginn des eigentlichen Weihegottesdiensts gab es erstmals, neben der Vorstellung des Weihekandidaten, Raum für ein aktuelles Wort zur Situation der katholischen Kirche. Die Seelsorgerin für alle hauptberuflich in der Seelsorge der Diözese Tätigen, Annette Gawaz, brachte „die Sehnsucht so vieler gläubiger Frauen und auch Männer“ zum Ausdruck: „Sie träumen von einer partnerschaftlichen Teilhabe aller am Leben und Dienst der Kirche und können es nur schwer ertragen, dass in diesen Fragen keine Bewegung geschieht“, sagte die Pastoralreferentin. Es schmerze zu wissen, wie viele engagierte Menschen nicht mehr wollen, nicht mehr können und manche innerlich und viele äußerlich abdankten. Angesichts von Not und Leid durch sexuellen und geistlichen Missbrauch sei die feierlichen Weihe eines neuen Amtsträgers schwer vermittelbar. Auch die prognostizierten Austrittszahlen der Kirchenmitglieder werfe die Frage auf, ob es einen weiteren Weihbischof brauche. „Wir müssen uns nicht im Sinne eines Entweder-Oder entscheiden“, so die Antwort von Annette Gawaz. „Es geht beides zusammen: Spannungsschmerz spüren und dennoch feiern. Mitfühlen mit all denen, die in und an der Kirche leiden und dennoch nicht in Lähmung erstarren. Schuld zugeben und dennoch von Hoffnung sprechen“, resümierte sie. Man dürfe all das Ungelöste und Unerlöste in der Kirche nicht einfach „wegweihräuchern“. Man müsse es mit hineinnehmen, die Hoffnung dazulegen und Gott zutrauen, dass er daraus etwas machen könne.

Nach dem Weihegottesdienst suchten Diözesanbischof Gebhard Fürst ebenso wie der neue Weihbischof Gerhard Schneider das Gespräch mit Frauen der Aktionsgruppe „Maria 2.0“. Diese machten vor der Domkirche St. Eberhard mit Transparenten und einer Installation auf das Thema „Gleichberechtigung für Frauen in der Katholischen Kirche“ aufmerksam. Weihbischof Gerhard Schneider bestätigte im Gespräch mit Teilnehmerinnen, dass er die Anliegen der Frauen sehe. Er versprach, diese mit in sein Amt hinein zu nehmen und das ihm Mögliche zu tun.

Im Mittelpunkt der Predigt von Bischof Gebhard Fürst stand das Wirken im Geiste Gottes. „Wir erleben unsichere und verwirrende Zeiten“, sagte der Rottenburger Bischof. Bischöfliches Wirken könne dabei nicht allein aus eigener Kraft gelingen. Er wies auf den nur bei einer Bischofsweihe vollzogenen Ritus hin, bei dem das Evangeliar geöffnet über das Haupt des neuen Bischofs gehalten wird. „Die Schrift gewordene Botschaft Gottes an uns Menschen sei für Dich Quelle der Kraft und heilige Energie von oben für Dein tägliches Tun, richtete der Bischof seine Worte an den neuen Weihbischof. In der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Begabungen der Getauften und Gefirmten offenbare sich der eine Geist Gottes. Dabei gelte, so der Bischof, das Wort aus dem Korintherbrief: „Die Offenbarung des Geistes wird geschenkt, damit sie anderen nützt“. Dem neuen Weihbischof wünschte Bischof Fürst mit Gottes Hilfe ein guter Hirte zu sein, der den Menschen diene und darin dem Gottesgeist dienstbar sei.

Persönlich und im Namen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gratulierte Landesbischof Frank Otfried July und wünschte dem Neugeweihten reichen Segen und Gottes Geleit. „Wir müssen gemeinsam unterwegs sein“, appellierte July mit Bezug auf Papst Franziskus. „Gerade in den Veränderungen und Transformationen unserer Gesellschaft in Deutschland dürfen wir uns nicht zurückziehen und die Fragen an die Kirchen und in den Kirchen in einer beschönigenden Weise in einer inneren Wagenburgmentalität beantworten“, sagte er. Christus führe in die Weite, auf einen Pilgerweg des Vertrauens. Aus der Gelassenheit des Glaubens heraus sei es möglich und notwendig, sich der brennenden und drängenden Fragen anzunehmen: Fragen der Gesellschaft, aber auch Fragen in der Ökumene - in Respekt, Freundschaft und Gebet.

Als Stellvertreter für die Landesregierung gratulierte der Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Volker Schebesta MdL. „Wir freuen uns mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dass das Episkopat verstärkt und Bischof Gebhard Fürst durch einen dritten Weihbischof unterstützt wird“. Dem neuen Weihbischof wünschte er für dessen „wichtige Aufgabe in der Berufungspastoral“ viel Erfolg. „Wir sind den Kirchen für den Halt, den sie den Gläubigen geben, für die Betonung der christlichen Werte in unserer Gesellschaft und für das soziale Engagement aus dem Glauben heraus dankbar“, betonte Schebesta. In einer Zeit der gesellschaftlichen Veränderung kämen große Herausforderungen auch auf die Kirche zu, sagte er. Der Staatssekretär wünschte sich vom neuen Weihbischof und der Kirche, dass diese immer wieder neu gute Antworten auf die Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität fänden.

Als Vertreter der Stadt Stuttgart freute sich Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann über die Bischofsweihe in der Landeshauptstadt: „St. Eberhard ist ein wunderbarer Ausgangspunkt, um im Alltag der Gemeinden und im täglichen Leben der Stuttgarterinnen und Stuttgarter präsent zu sein“. Er erinnerte an König Friedrich I., der das Baugrundstück in der zentralen Innenstadtlage im Jahr 1807 der katholischen Gemeinde schenkte. Im Namen von Oberbürgermeister Fritz Kuhn gratulierte er Gerhard Schneider zur Bischofsweihe und bezeichnete es als große gemeinsame Herausforderung von Stadt, Land und Kirchen, Menschen unterschiedlichster Herkunft und Biografien und mit vielfältigsten Lebensentwürfen, Zielen und Hoffnungen zu integrieren.

Im Namen der Mitglieder des Diözesan- und Priesterrats der Diözese überbrachte der Sprecher des Priesterrates, Dekan Paul Magino, Glück- und Segenswünsche und sicherte dem neuen Weihbischof Unterstützung und Wegbegleitung zu. Er bescheinigte dem Neugeweihten, dass dessen Aufgabengebiete, die Liturgie mit der Kunst und der Kirchenmusik und gleichermaßen die Berufungspastoral,  für die Zukunft der Ortskirche eine herausragende Bedeutung hätten. „Es muss uns in dieser für unsere Kirche und unsere Gesellschaft schwierigen Zeit besonders herausfordern, in gewinnender und auch überzeugender Weise von unserem Glauben Zeugnis abzulegen“, sagte Magino. Menschen müssten dort erreicht werden, wo sie ein Gefühl für Gottes Gegenwart und für die Freude am Glauben gewinnen könnten, so der Dekan des Dekanats Esslingen-Nürtingen. „Die Kunst und die Musik helfen uns dabei in ihrer vielfältigen Gestalt; hörbar, sichtbar, spürbar, erlebbar“. Mit Blick auf das Thema Berufungen bat Magino Weihbischof Schneider darum, weiterhin ganz besonders achtsam, wertschätzend und einfühlsam wahrzunehmen, was Menschen bewegt, wenn sie ihre je eigene Berufung im gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen in der Kirche leben wollten. „Bleib in Kontakt mit den Menschen im echten Dialog, im Geben und Nehmen“, forderte Magino Schneider auf.

Mit Blick auf sein Verständnis des Bischofsamts und seinen Wahlspruch „Die Freude am Herrn ist unsere Stärke“, sagte Gerhard Schneider als neugeweihte Bischof abschließend: „Ich kann mir meinen Dienst nur ganz dicht verwoben mit allen anderen Ämtern, Diensten und Berufungen in der Kirche vorstellen. Nur wenn diese sich schätzen, ergänzen und bereichern, können sie sich voll entfalten. Nur so kann unsere Stärke im Glauben entstehen. Nur so kann ich meinen Dienst verstehen.“

Gerhard Schneider wurde am 16. April von Papst Franziskus zum neuen Weihbischof für die Diözese-Rottenburg-Stuttgart ernannt. Er ist damit neben Thomas Maria Renz und Matthäus Karrer der dritte Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Der Wahlspruch von Gerhard Schneider lautet: „Gaudium domini fortitudo nostra - Die Freude am Herrn ist unsere Stärke“ (nach Nehemia 8, 10).

Gerhard Schneider (50) stammt aus Ulm und studierte nach dem Abitur zunächst Betriebswirtschaftslehre. Bis 1995 arbeitete er bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. Sein anschließendes Studium der Theologie absolvierte er in Tübingen und Rom, zum Priester geweiht wurde er 2002 in Weingarten. Nach der Vikarszeit in der Seelsorgeeinheit Unteres Brenztal im Dekanat Heidenheim bestellte Bischof Fürst ihn 2004 zum Repetenten am Wilhelmsstift in Tübingen. Dort wirkte er bis 2009 in der Priesterausbildung mit und wurde in dieser Zeit zum Doktor der Theologie promoviert. Ein Jahr später übernahm Schneider die Leitung des Propädeutischen Seminars Ambrosianum, ab 2010 die der diözesanen Berufungspastoral und 2012 die des Päpstlichen Werks für geistliche Berufe in der Diözese. Am 1. August 2017 wurde Gerhard Schneider Ordinariatsrat im Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg und übernahm dort die Leitung der Bereiche Liturgie, Kunst und Kirchenmusik. Seither pendelte er zwischen Tübingen und Rottenburg, denn er blieb weiter Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche in Tübingen. Auch als Weihbischof behält er seine bisherigen Aufgaben bei.

Hintergrund Domkirche und Konkathedrale St. Eberhard

Zum 150 jährigen Bestehens der Diözese Rottenburg im Jahr 1978 beantragte der damalige Bischof Georg Moser in Rom, den Namen der Diözese um den Namen der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu ergänzen und die älteste Stuttgarter Pfarrkirche zur Bischofskirche zu erheben. Dieser Bitte wurde entsprochen und die Pfarrkirche St. Eberhard wurde in den Rang einer Konkathedrale erhoben. Dem Bistum wurde das Recht eingeräumt, den Namen Diözese Rottenburg-Stuttgart zu führen; der jeweilige Bischof hat das Recht, sich als Bischof von Rottenburg-Stuttgart zu bezeichnen und nach Belieben in der Stadt Stuttgart zu residieren.

Die Bischofsweihe von Gerhard Schneider ist die vierte in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart. Vor ihm wurden am 14. November 1970 Anton Herre (Weihbischof von 1970 bis 1985) und Georg Moser (Weihbischof von 1970 bis 1975 später Bischof von 1975 bis 1988) durch Bischof Leiprecht geweiht. Am 27. November 1976 empfing Franz-Josef Kuhnle (Weihbischof von 1976 bis 1990) die Bischofsweihe durch Bischof Georg Moser.

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