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Heilbronn. 3. Juni 2017. Einem Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts und gleichzeitig gläubigen Christen waren der katholische Bischof Gebhard Fürst und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July gemeinsam auf der Spur. Sie diskutierten am Freitagabend in der Heilbronner Sparkasse über den aus der Käthchenstadt stammenden evangelischen Naturforscher Robert Mayer, der vor 175 Jahren den Energieerhaltungssatz fand. Dabei allerdings beließ er es nicht, sondern leitete aus dieser Erkenntnis („Nichts wird zu nichts“) auch religiös-theologische Folgerungen ab, etwa ein Weiterleben der Seele nach dem Tod.. Für diese naturwissenschaftliche Herleitung wurde er damals sowohl von Zunftkollegen belächelt wie auch von Theologen. Auf Initiative des Heilbronner Stadtarchivs tauschten sich nun in Mayers Heimatstadt die beiden Bischöfe über theologische Schlüsse aus, die aus Mayers Erkenntnis gezogen werden könnten. Der Chef des Stadtarchivs, Christhard Schrenk, moderierte.

Beide Bischöfe erwiesen Robert Mayer Respekt für seinen Mut, im Diskurs der Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts den christlichen Glauben zu integrieren, „die gegenseitige Nichtachtung zwischen Naturwissenschaft und Theologie zu überwinden“, wie Bischof July sagte. Indes wies er darauf hin, dass der Begriff der Seele dem griechischen Denken entstamme; dem antiken hebräischen Menschen sei dieser Begriff fremd gewesen und damit in der Regel auch der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod. Bischof Fürst unterstrich, der Mensch sei „in seiner Personalität Einheit von Leib, Geist und Seele“, eine Aufspaltung im Sinne griechisch-platonischen Denkens entspreche nicht ursprünglich jüdisch-christlicher Tradition. Der christliche Glaube sei getragen von der Gewissheit, dass der Mensch nach dem Tod weiterlebt, aber verwandelt. „Mit dieser Haltung geht man anderes mit Menschen um, auch mit Sterbenden und mit Toten.“

Beide Bischöfe zeigten sich skeptisch gegenüber Versuchen, religiöse und theologische Fragestellungen mit naturwissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten. Naturwissenschaft und Theologie hätten jeweils unterschiedliche Erkenntnisweisen. „Gott ist keine Maschine oder ein Uhrwerk“, unterstrich Bischof July. Und die Bibel sei kein Werk voller Protokollsätze, sondern spiegele menschliche Lebens- und Glaubenserfahrungen. Bischof Fürst pflichtete ihm bei, Glaube sei kein System, sondern beziehe sich auf existenzielle Fragen des Menschseins, welche die Naturwissenschaft mit deren Methoden nicht beantworten könne.

Bischof July zeigte sich überzeugt, die Kirche könne dazu einladen, Naturwissenschaft, Religion und Theologie miteinander ins Gespräch zu bringen. Kirche und Religion bräuchten naturwissenschaftliche Erkenntnisse. „Eine moralische Norm kann nicht naturwissenschaftliche Erkenntnis überspringen“, sagte Bischof Fürst und wies auf die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens hin, das auch nach naturwissenschaftlichen Kriterien mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle definiert sei.

Fürst und July stellten einmütig fest, die Fortschrittsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts sei einer Grundskepsis gewichen. „Die Reflexion der Wissenschaft mit ethischen Kriterien ist enorm wichtig“, so July. Fürst konkretisierte: Wenn sogenannte Fakenews den Eindruck verbreiteten, den Klimawandel gäbe es gar nicht und damit der Schluss gezogen werde, man könne ungebremst klimaschädliche Emissionen ausstoßen, dann sei die Schöpfung Gottes durch gezielte Lügen in Gefahr. „Dagegen haben wir als Kirche den Auftrag, die Wissenschaft zu stärken.“ In diesem Sinne, so zeigten sich beide Bischöfe einig, könne der von Robert Mayer gewünschte „ewige Bund“ von Naturwissenschaft und Religion hilfreich sein.

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