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Rottenburg/Stuttgart. 18. Juni 2014. Für außergewöhnliche Verdienste um Kirche und Gesellschaft hat Papst Franziskus fünf Männer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausgezeichnet. Bischof Gebhard Fürst überreichte am Dienstagabend in Stuttgart ein Mal den Gregoriusorden im Range eines Komturs, drei Mal den Silvesterorden im Range eines Ritters und ein Mal das Ehrenzeichen „benemerenti“. 

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und langjährige Bundesvorsitzende der Lebenshilfe für geistig behinderte Menschen, Robert Antretter (75), nahm die Komturwürde des Gregoriusordens entgegen. Ritter des Silvesterordens dürfen sich nennen der Biberacher Historiker und Heimatforscher Kurt Diemer (72), der Rottweiler Archivar Historiker und Kommunalpolitiker Winfried Hecht (73), sowie der Rottenburger Bildungs- und Ausbildungsfachmann Rolf Seeger (74). Der Stuttgarter Kirchenmusiker und Chorleiter Friedemann Keck (68) erhielt das päpstliche Ehrenzeichen „benemerenti“. 

Der in München geborene Robert Antretter gehörte dem Deutschen Bundestag fünf Wahlperioden bis 1998 an. Er erwarb sich einen herausragenden Ruf als Berater der Deutschen Bischofskonferenz unter anderem in Fragen der Bio- und Medizinethik. Über drei Jahrzehnte war der in Backnang wohnende Antretter Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) an. Entschieden setzt er sich bis heute für den Schutz des ungeborenen Lebens ein. 1995 stimmte er als einziger SPD-Bundestagsabgeordneter gegen das Schwangeren- und Familienhilfegesetz. Bischof Gebhard Fürst berief den katholischen Politiker 2002 in die Kommission sexueller Missbrauch der Diözese Rottenburg-Stuttgart als deren Vorsitzenden. Bis 2011 nahm Antretter diese Aufgabe wahr. 

Bischof Fürst würdigte den Geehrten als Persönlichkeit von hoher Kompetenz, Redlichkeit und Geradlinigkeit. Antretter, der bereits 1995 den päpstlichen Gregoriusorden im Range eines Ritters erhielt, habe die Kommission sexueller Missbrauch mit differenzierendem Augenmaß und unbeirrbarer Konsequenz geleitet. In Gesprächen mit vielen Betroffenen habe er sensibles Einfühlungsvermögen gezeigt und dabei auch die Personwürde der Beschuldigten im Blick gehabt. „Der Name Robert Antretter ist in diesem äußerst schwierigen Feld zu einem anderen Wort für Vertrauenswürdigkeit geworden“, sagte Bischof Fürst und überreichte ihm die Komturwürde des Gregoriusordens, die höchste päpstliche Auszeichnung für katholische Laien. 

Dr. Kurt Diemer, der die Ritterwürde des Silvesterordens erhielt, gilt als exzellenter Kenner der Geschichte der Konfessionalisierung in seiner Heimatstadt Biberach. In unzähligen Beiträgen hat der promovierte Historiker sich sich über Jahrzehnte einen Namen gemacht als Kenner der Heimatgeschichte in und um Biberach. Dazu zählen eine neue Chronik der Pfarrer Biberachs und das 2011 erschienene Werk über den Landkreis „Bildstock und Biotech, Kirchen und Krane“. Darin, so Bischof Fürst, zeige Diemer, wie der oberschwäbische Landkreis durch Kirche, Kirchengeschichte und Frömmigkeit geprägt sei. 

Der Historiker war Stadtarchivar von Biberach und später Oberkreisarchivrat des Landkreises. Seit fast 35 Jahren leitet er die Heimatkundlichen Blätter für den Landkreis Biberach. In der Diözese Rottenburg engagiert sich Diemer vielfältig und mit hoher Verantwortung  in Gremien, wie auch im Dekanat und in der Kirchengemeinde. Von 1975 bis 1997 gehörte er dem Diözesanrat an, als Delegierter engagierte er sich bereits auf der Diözesansynode 1985/86. Zehn Jahre später wurde ihm für sein ehrenamtliches Engagement die Martinusmedaille der Diözese zuerkannt, nun vom Papst die Ritterwürde des Silvesterordens. 

Dr. Winfried Hecht wurde zwar in Stuttgart geboren, wuchs aber in Rottweil auf und ist mit der ältesten Stadt von Baden-Württemberg eng verbunden. Der promovierte Historiker und Experte für byzantinische Geschichte war in Rottweil von 1968 bis 2011 Stadtarchivar und Museumsleiter. Bereits 1971 wurde der SPD-Politiker in den Kreistag gewählt, dem er bis heute angehört, lange Jahre als Sprecher seiner Fraktion. Seine Schwerpunktthemen waren und sind Sozial-, Kultur- und Bildungspolitik. 

Bischof Fürst würdigte ihn als „Brückenbauer und Netzwerker durch und durch“. Diemer verbinde Kirchlichkeit, politischen Einsatz und historisches Wissen und fördere damit das Gemeinwohl. So hätten durch dessen Initiative beispielsweise viele Objekte der Denkmalpflege erneuert werden können. Dazu zählen die Glocke des Alten Gymnasiums, das Spitaltürmle oder die Lorenzkapelle. In seiner zuletzt erschienenen Publikation „Himmlische Hilf“ habe Diemer großes Interesse an der Kirchengeschichte der Region Rottweil bewiesen, indem er unzählige Votivbilder vom Oberen Neckar und der Oberen Donau dokumentiert und beschrieben habe. Bereits 2006 erhielt Hecht das Bundesverdienstkreuz, nun ehrte ihn der Papst mit der Ritterwürde des Silvesterordens.

Rolf Seeger hat über Jahrzehnte seine Fähigkeit bewiesen, heranwachsende Menschen zu begleiten und ihnen Impulse für ihren Berufsweg zu geben. Der in Kisslegg geborene Bäckermeister kam nach der Aufgabe der elterlichen Bäckerei 1970 nach Stuttgart, wo ihm die Leitung des Cannstatter Kolpinghauses übertragen wurde. Das Gesellenhaus mit 176 Betten sollte „ein Stück Zuhause fernab der Heimat sein“, wie Bischof Fürst betonte. 

Seegers Talent im Umgang mit jungen Menschen wurde auch in Rottenburg wahrgenommen. Die Diözesanleitung berief ihn zum Leiter des Referats Kirchliche Dienste, eine Beratungsstelle für kirchliche Berufe mit dem Schwerpunkt Berufungspastoral. Seeger baute ein breit angelegtes Netzwerk auf und leistete dabei Pionierarbeit auf einem damals neuen Terrain. In den ersten beiden Jahrzehnten von Seegers Arbeit kamen jährlich bis zu 800 junge Menschen, die sich für einen kirchlichen Beruf interessierten. Er beriet zudem die Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Heute ist Seeger unter anderem Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung und Stiftungsrat der Jugendstiftung „just“. Vielfältig engagiert sich der nun mit der Ritterwürde des Silvesterordens Geehrte auch in der Rottenburger Domgemeinde St. Martin. 

Friedemann Keck leitete von 1990 bis 2013 den ökumenisch ausgerichteten Jugendchor collegium iuvenum in Stuttgart (cis). Der in Bodelshausen bei Rottenburg geborene evangelische Kirchenmusiker hatte den cis-Chor bereits zwei Jahre nach dessen Gründung übernommen und zu einem der renommiertesten Knabenchöre Deutschlands mit inzwischen 200 Sängern entwickelt. Vor einem Jahr gab Keck die Leitung des Chors an Michael Čulo ab. 

Der cis-Chor ist an der Domsingschule in Stuttgart beheimatet und gestaltet alle zwei Monate eine Sonntagsmesse in der Konkathedrale St. Eberhard. Der Chor, der sich ausschließlich aus Spenden finanziert, singt in Kirchen, Konzertsälen und unternimmt regelmäßig Konzertreisen im In- und Ausland. Keck, der für seine Arbeit nur eine Aufwandsentschädigung erhielt, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. Seit 2002 hat der Kantor, Musikdozent und Dirigent den Titel eines Hochschulmusikdirektors. Er habe den cis-Chor „musikalisch, pädagogisch und spirituell auf einem außergewöhnlich hohen Niveau geleitet“, bescheinigte Bischof Fürst dem mit dem Ehrenzeichen benemerenti geehrten Musiker. 

Uwe Renz

Interview mit Robert Antretter

Video über Rolf Seeger

Kirchliche Ehrungen unter "Auszeichnungen und Wettbewerbe"

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