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Ludwigsburg. In die Jahre gekommene Gebäudeteile aus den Siebzigern, eine aus den Nähten platzende Psychiatrie, zu wenig Personal auf vielen Stationen, Burnout bei Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern – auf der anderen Seite trotz aller Probleme eine hochwertige medizinische Versorgung, die allerdings immer schwieriger aufrechtzuerhalten ist. Beim Betriebsbesuch im Klinikum Ludwigsburg am heutigen Donnerstag gemeinsam mit Dr. Joachim Drumm, Leiter der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft der Diözese, hat sich Bischof Gebhard Fürst ein Bild von der Lage und vom Pflegenotstand verschafft, der nicht nur die 1.000-Betten-Klinik der Maximalversorgung in der Barockstadt betrifft. Trotz vieler offener Stellen, für die sich derzeit keine Bewerberinnen und Bewerber finden, leiste das Klinikum eine „tolle Arbeit“. Vor allem die Pflegekräfte seien in einem Beruf tätig, „der vielleicht mehr als andere der Menschlichkeit in unserer Gesellschaft dient“.

Das Ludwigsburger Krankenhaus gehört gemeinsam mit acht weiteren in Bietigheim-Bissingen,  Marbach, Markgröningen, Vaihingen/Enz, Mühlacker, Neuenbürg sowie Bretten und Bruchsal zum Verbund der RKH Kliniken mit insgesamt 7.700 Mitarbeitenden und 2.522 Planbetten. Allein in Ludwigsburg, dem größten Standort, werden pro Jahr rund 60.000 Patienten als Notfälle versorgt, das Klinikum verfügt über ein überregionales Traumazentrum und eine Schlaganfalleinheit sowie ein Zentrum für interdisziplinäre Notfallmedizin. Die interdisziplinäre Onkologie behandelt jährlich etwa 2.500 stationäre Tumorpatienten, in der Geburtshilfe kommen 2.300 Babies zur Welt, die Psychiatrie kümmert sich um etwa 1.800 Patienten.

Als derzeit größte Herausforderung bezeichnete Regionaldirektor Matthias Ziegler im Gespräch mit dem Bischof „qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten und mit ihm unseren Versorgungsauftrag mit hohen medizinischen Standards zu erfüllen“. Pflegedirektorin Silvia Hooks berichtete von derzeit 17 im Pflegebereich nicht besetzten Personalstellen und 25 weiteren, die nur über Zeitarbeitsfirmen abgedeckt werden könnten. Betriebsrätin Nadja Schmidt weiß von „sehr, sehr vielen Überstunden auf den Normalstationen“ und stark zunehmenden Überlastungsanzeigen von Mitarbeitenden. Ab Herbst soll deshalb eine Gruppe von Krankenschwestern von den Philippinen die Personalnot wenigstens etwas lindern. Ähnlich sieht es in der Pflegeschule aus, wo es 40 offene Ausbildungsplätze gibt.

Ein vielversprechender Weg in die Zukunft könnte die in Ludwigsburg relativ neue Ausbildung in Teilzeit sein – die vor allem für Mütter mit nicht mehr ganz so kleinen Kindern eine gute Perspektive für den Wiedereinstieg ins Berufsleben bietet, oftmals nach einer ganz anderen Vorgeschichte. Tatiana Dukhno zum Beispiel war in ihrer Heimat Russland als Juristin tätig und hat sich nach der Familienphase in Deutschland völlig neu orientiert: „Ich wollte etwas Sinnvolles machen, mit Nähe zu den Menschen – das macht mir große Freude, auch wenn es oft anstrengend ist.“  Kurskollegin Natalia Rydz hat schon beim ersten Einsatz auf der Palliativ-Station gemerkt: „Das ist mein Ding!“ Und Sonja Susteric, gleichfalls stresserprobte Mama und Familienmanagerin, möchte auf keinen Fall in ihren früheren kaufmännischen Beruf zurück. Als Vorteil empfinden sie und die anderen Frauen aus dem zweiten Ausbildungsjahr, dass sie schon vom Alter her an einer anderen Stelle ihres Lebens stehen, als eine 17-Jährige nach der mittleren Reife.

Die katholische Klinikseelsorge mit Pfarrer Matthias Burr und den beiden Pastoralreferenten Regina Horch-Bögershausen und Edmund Zwaygardt kümmert sich gemeinsam mit zwei evangelischen Pfarrerinnen um das Heil der Patienten auf allen Stationen. Im „Raum der Stille“ im Foyer des Klinikums haben die beiden christlichen Kirchen gemeinsam mit der muslimischen Gemeinde eine Rückzugsinsel geschaffen, in der Patienten und Besucher zu Gott beten können, zu Allah oder einfach nur meditieren.

Besonders fordernd, so Pfarrer Burr, ist die Begleitung von  schwer krebskranken Patienten im Bereich der Palliativmedizin: „Wenn jemand gestorben ist, beschriften wir stets einen kleinen Stein mit seinem Namen und dem Sterbedatum und sprechen regelmäßig über ihn oder sie und halten so die Erinnerung wach – das ist ein gutes Ritual.“ Die Palliativstation 11A verfügt nur über neun Betten, der Personalschlüssel ist naturgemäß ein anderer als auf Normalstation. Dennoch bleibt auch für Oberarzt Dr. Matthias Ulmer stets zu wenig Zeit zum so wichtigen Gespräch mit den Patienten: „Ich habe drei Minuten für jeden bei der Visite – und zehn, um jemanden zu erklären, wie der weitere Weg aussieht, wenn die Chemotherapie nicht angeschlagen hat…“ Letztlich, so der Mediziner, müsse die Gesellschaft sich fragen lassen, was ihr eine gute Pflege wert ist. Das gehe nur mit stark veränderten Rahmenbedingungen, für welche die Politik endlich sorgen müsse.

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