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Anteilnahme und Trauer gebühre den Tausenden Opfern, die das Unglück unmittelbar oder in der Folgezeit mit dem Leben bezahlten, aber auch deren Angehörigen und den Menschen, die bis heute unter schweren Gesundheitsschäden zu leiden hätten. Zehntausende hätten ihre Heimat verloren, und weite Teile des Landes seien auf unabsehbare Zeit unbewohnbar.

Es sei beschämend, dass es erst ein Vierteljahrhundert später, angesichts der Katastrophe von Fukushima, zu einem breiten und ernsthaften Umdenken in der Atompolitik komme, obwohl es nie einen Zweifel daran hätte geben können, dass die heutige Generation den Nachkommen allein mit der Problematik der Endlagerung des Atommülls eine unzumutbare Hypothek hinterlasse, so Bischof Fürst. Der Begriff des „Restrisikos“, das in Japan erneut zur entsetzlichen Realität geworden sei, habe die Gefahren der Nukleartechnik nach Tschernobyl über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg wieder als zu vernachlässigende und beherrschbare Nebensache erscheinen lassen.

Der Jahrestag von Tschernobyl müsse auch Anlass zu einer Selbstbesinnung auf die Denk- und Handlungsweisen der Menschen sein, so der Bischof weiter. Im Gefolge der Religionskritik der Aufklärung habe die Moderne die Religion entzaubert. An ihre Stelle seien eine Selbstverabsolutierung des Menschen und seiner Möglichkeiten sowie innerweltliche Ersatzreligionen getreten. Zu diesen gehöre auch der Glaube an die grenzenlose Verfügbarkeit und Beherrschbarkeit der Naturgesetze durch den Menschen, die selbst vor den Lebensgrundlagen des Menschen nicht Halt machten. Jetzt erlebe man die Entzauberung einer ausschließlich naturwissenschaftlich-technischen Rationalität, die sich gegen den Menschen selbst und seine natürliche Umwelt richte und zerstörerische Kräfte entfalte. Eine Ethik des Maßhaltens, des Bewusstseins der eigenen Endlichkeit und Geschöpflichkeit und der Ehrfurcht vor dem Leben sei das Gebot der Stunde. Sie bedeute keine fortschrittsfeindliche Moral, sondern eine Besinnung auf das, was dem Leben und den Menschen diene, sagte Bischof Fürst.

Der Bischof betonte, jetzt müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um in einem breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens so rasch wie möglich den Umstieg auf erneuerbare Energien zu schaffen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart versuche diesen Weg zusammen mit ihren Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen im Rahmen einer seit einigen Jahren bestehenden interdisziplinären Klima-Initiative konsequent zu gehen. Das Gedenken der Opfer von Tschernobyl und ebenso derjenigen von Fukushima sei für sie Anstoß, diese Bemühingen in Zukunft noch zu verstärken.

Dr. Thomas Broch

 

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