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Rottenburg/Stuttgart. 22. September 2014. Bischof Gebhard Fürst hat der kurdischen Erzdiözese Erbil finanzielle Unterstützung beim Bau von winterfesten Unterkünften zugesagt.  Er entsprach damit der Bitte des Erzbischofs von Erbil, Baschar Warda, der in der vergangenen Woche eine Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart empfangen hatte.

In der nordirakischen Region um Erbil leben derzeit etwa 400.000 bis 500.000 Vertriebene im eigenen Land. Der Bischof der chaldäischen Erzdiözese hat rund um sein Bischofshaus in Zelten etwa 2.500 Menschen aufgenommen, die vor dem IS-Terror auf der Flucht sind. Ebenso viele betreut er in einem Rohbau gegenüber des Bischofssitzes, darunter zahlreiche Kinder und alte Menschen. Bis zum Wintereinbruch im November sollen 250.000 Menschen in einfachen Häusern in dieser Region Unterkunft finden. „Es muss unbedingt gelingen, den Großteil der Flüchtlinge im Nordirak winterfest unterzubringen und sie mit entsprechender Kleidung auszustatten, sonst droht die nächste humanitäre Katastrophe“, sagte der diözesane Flüchtlingsbeauftragte und Mitglied der Reisedelegation, Thomas Broch. Grund für die international nur schleppend angelaufene Hilfe sei laut Broch, dass man weder im Land selbst noch auf internationaler Ebene ausreichend auf solch eine Situation vorbereitet gewesen sei. Erzbischof Warda selbst sei zum Koordinator in der Region geworden, so Broch. „Mit zwei Handys am Ohr und hochgekrempelten Ärmeln ist er unermüdlich und effizient dabei, Strukturen zu schaffen und Hilfe zu koordinieren“.

Noch im Juni dieses Jahres äußerte Warda sich im Gespräch mit Bischof Gebhard Fürst in Rottenburg eindeutig gegen militärische Intervention ausländischer Kräfte. Dies sei heute nicht mehr der Fall, bestätigte Thomas Broch, im Gegenteil: Die Truppen der IS seien 50 Kilometer vor Erbil gestanden und ohne die Hilfe der US-Luftwaffe wäre auch Erbil in deren Hände gefallen, erklärte der Erzbischof gegenüber der Delegation aus Deutschland.

Der Referent der Akademie der Diözese und Experte für verfolgte Minderheiten, Klaus Barwig, lenkte das Augenmerk nach Rückkehr von der fünftägigen Reise in den Nordirak auf die Problematik der Gruppe der schätzungsweise rund 400.000 jesidischen Vertriebenen, die sich zum größten Teil in der Region Dohuk aufhält: „Ihnen geht es am schlechtesten von allen; sie verfügen über keinerlei Strukturen und sind vollkommen auf sich allein gestellt“, sagte Barwig.

Die kurzfristige Hilfe für die Binnen-Flüchtlinge im Nordirak müsse vor allem humanitärer Art sein und sehr schnell erfolgen, waren Thomas Broch und Klaus Barwig sich einig. Mittelfristig müsse man auf die Schaffung von Strukturen setzen, damit ein Bleiben und Weiterleben in der Region möglich sei. „Dazu müssen Kooperationen im Bereich der Bildung aufgebaut und ein dauerhafter Dialog zur Versöhnung in die Wege geleitet werden“.

Bischof Fürst hatte als erster deutscher Bischof auf direktem Wege die Erzdiözese Erbil bereits Anfang August mit 100.000 Euro Soforthilfe unterstützt und die Taten der IS-Terrorgruppe als „Barbarei unvorstellbaren Ausmaßes“ bezeichnet. Erzbischof Warda nimmt in dieser Woche an der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda teil und informiert die deutschen Bischöfe dort über die Lage im Nordirak.

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