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Rottenburg.19. Dezember 2013. Die allermeisten Katholikinnen und Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wünschen sich eine lebensnähere, barmherzigere und in schwierigen Situationen hilfreichere Kirche. Antworten auf die Umfrage des Papstes zu Ehe und Familie ergaben, dass die Gläubigen ihre Kirche zu einem großen Teil als realitätsfern und abweisend empfinden. Die Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft des Bischöflichen Ordinariats fasste aus 1.400 von 2.000 ausgefüllt eingereichten Fragebögen die Ergebnisse zusammen. Alle eingereichten Bögen wurden samt Auswertung an die Deutsche Bischofskonferenz weitergeleitet. Bischof Gebhard Fürst dankte allen Einsendern und betonte, die Antworten böten wichtige Orientierung für den Weg in die Zukunft einer menschendienlichen Kirche. 

Der Zusammenfassung des Ordinariats zufolge sehen viele Katholiken Probleme, nach der offiziellen katholischen Glaubens- und Sittenlehre zu leben. Vor allem betrifft dies Sexualität, Umgang mit wiederverheirateten Geschieden sowie Ehen zwischen Partnern mit unterschiedlicher Konfession. Die Lehre der Kirche wird hier als weltfremd, unbarmherzig, rückwärtsgewandt und unglaubwürdig beschrieben. 

Die weitaus größte Mehrheit betont das Recht und die Pflicht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen. Sehr viele weisen darauf hin, das Kindeswohl müsse Priorität haben und der Staat habe einzugreifen, wenn Eltern dies nicht gewährleisten können. Eine große Mehrheit spricht sich dafür aus, die sakramental geschlossene Ehe solle die bevorzugte, aber nicht einzige Möglichkeit sein, Partnerschaft zu leben. Treue und Verantwortung seien die Maßstäbe.  

Mehrheitlich wird verlangt, dass die Kirche verbindlich zusammenlebende homosexuelle Paare akzeptieren soll. Dies berühre nicht den Wert der Ehe zwischen Mann und Frau. Die meisten Antwortenden wünschen sich Toleranz gegenüber Homosexuellen, die sich ihre Prägung schließlich nicht selbst ausgesucht hätten. Einige lehnen die Ehe für homosexuelle Paare ab. Nahezu alle betonen, dass Kinder von homosexuellen Paaren kirchlich nicht ausgegrenzt werden dürften. Sie hätten wie alle anderen Kinder ein Recht auf Religion. 

Die überwältigende Mehrheit fordert, dass die Kirche wiederverheiratet Geschiedene verständnisvoll annimmt und die zweite Ehe etwa in einer besonderen Feier segnet. Vielfach fühlten sich von einer gescheiterten Ehe betroffene Paare durch die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe und dem damit begründeten Ausschluss von den Sakramenten bestraft. Dabei belegt die Umfrage, den meisten wiederverheirateten Geschiedenen werde die Kommunion nicht verweigert. Es werde aber auch die Erfahrung gemacht, angeprangert zu sein. Für die meisten Betroffenen ist eine Ehenichtigkeitserklärung keine akzeptable Lösung. 

Beim Thema Familienplanung und Empfängnisverhütung sprechen sich zwar einige Antwortgeber für „natürliche“ Formen der Verhütung aus; die überwiegende Mehrheit weist die Entscheidung in diesen Fragen der Verantwortung der Partner zu. Ein Verbot von Kondomen wird gar als sträflich bezeichnet. Fast alle betonen und bedauern teilweise, dass der Kirche in diesen Themen keine Kompetenz mehr zugetraut wird. Abtreibung generell lehnen die meisten grundsätzlich ab. Eine große Zahl der Antwortgeber differenziert, dass sie bei medizinischer oder psychischer Indikation möglich sein müsse. Ähnlich viele betonen, dass alle möglichen Hilfen angeboten werden müssen, um eine Abtreibung zu verhindern. Sterilisierung sollte offiziell erlaubt sein, die Pille danach nur eingeschränkt angewendet werden. Voreheliche sexuelle Beziehungen, so die Mehrheit, seien ein Faktum. 

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellte den Fragebogen am 29. November ins Netz. Einsendeschluss war 10. Dezember. Weitere Antworten sind bis 31. Januar 2104 willkommen, um die pastorale Arbeit in der Diözese zu stärken. Diese Antworten fließen in eine weitere Auswertung ein, die veröffentlicht wird. Über <www.drs.de > gelangen die Nutzer zu den Fragen.  

Den Fragebogen zur Vorbereitung einer außerordentlichen Bischofssynode im Oktober 2014 hatte Papst Franziskus verbreiten lassen. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) sammelt alle beantworteten Fragebögen und erstellt ihrerseits eine Zusammenfassung. Sie ist Grundlage für die Beratung der Bischöfe im Januar. Die dann verabschiedete Fassung wird laut DBK veröffentlicht. Bis Ende Januar sollen alle Antworten weltweit in Rom vorliegen. 

Uwe Renz

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