Für viele Ellwangerinnen und Ellwanger und weit darüber hinaus steht diese Verbundenheit schon in der Geburtsurkunde. Denn das „Annaheim“, die lange Zeit von den Schwestern geführte und betreute Geburtsstation, die später zur Frauenklinik erweitert wurde, ist der wohl bekannteste Wirkungsort der Ordensgemeinschaft. Der Dienst an und in der Familie in einer durch die Folgen des Ersten Weltkrieges von Not geprägten Zeit steht am Anfang und ist sozusagen das Charisma der Anna-Schwestern.
Pfarrer Anton Eberhard war als Wallfahrtspriester auf dem Schönenberg bei Ellwangen mit den Sorgen und Nöten, mit denen sich die Menschen dort an die Gottesmutter wandten, gut vertraut. Zur Unterstützung und Versorgung der Pilger hatte er bereits die Vinzentinerinnen und die Redemptoristen für den Schönenberg gewonnen und suchte nun neue Wege, auch der mangelnden Fürsorge zu begegnen, unter denen besonders die Kinder und die werdenden Mütter litten. 1921 rief er den Verein der St. Anna-Schwestern ins Leben. Die ersten Schwestern wirkten in der häuslichen Familienpflege, zu der auch die Wöchnerinnen- und Säuglingspflege gehörte. Bald erweiterten sich diese Dienste auf Entbindungsheime in Ellwangen und in Stuttgart.
Mit der Zahl der Filialen in allen Teilen der Diözese wuchsen auch die Einsatzgebiete: Bald übernahmen die Anna-Schwestern auch Aufgaben in Kindergärten, in der ambulanten Krankenpflege und im hauswirtschaftlichen Bereich von Studienheimen. „Unser Hebammendienst am Beginn menschlichen Lebens und unser Familien- und Krankendienst hat sich immer mehr zur Pflege und Fürsorge des betagten und sterbenden Menschen verlagert und ist zugleich ein ‚Hebammendienst‘ am Übergang des Lebens in die Ewigkeit geworden“, sagt Generaloberin Schwester Veronika Mätzler. Hospiz, Seniorenheim und Tagespflege sowie spirituelle Angebote bilden heute die Schwerpunkte des Wirkens der Anna-Schwestern.
„Heute gibt es viel geistige Not, vielen Menschen droht die Vereinsamung“, erklärt Schwester Veronika. Das „Haus der Stille“ und das „Haus Lebensspur“ sind Orte, die allen Frauen offenstehen, die auf der Suche nach vertiefter Selbst- und Gotteserfahrung sind. „Im Hier und Heute“ zu leben, vom Geist des Evangeliums getragen „und Gott in unserer Mitte“ bleibe Auftrag und Alltag der Anna-Schwestern - ein Auftrag und Alltag, der so vielfältig ist wie das Leben.