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40 Jahre gelebte Ökumene

Am 20. Januar 1980 startet ein Pionierprojekt der Ökumene: Die Diözese und die Evangelische Landeskirche eröffnen das erste ökumenische Zentrum.

Stuttgart

Bild: Pfr. Dr. Thomas Wallner, Pfarrvikar

Bischof Dr. Georg Moser weiht damals den katholischen Teil des ökumenischen Zentrums mit der Kirche Sankt Augustinus. Bis heute folgen ihm rund 20 weitere Zentren in Württemberg nach.

Als die beiden Architekten Wolf-Dieter Breucha und Hanspeter Klein das Zentrum planen, betreten sie Neuland. Vorbilder, an denen sie sich orientieren können, gibt es nicht. Vielmehr gilt es, gemeinsam mit den Gläubigen, die das Gebäude künftig nutzen sollen, neue Vorstellungen zu entwickeln und diese in Form und Konstruktion umzusetzen.

Die Planungen entstehen in einem damals ebenfalls sehr neuen Umfeld: Neugereut ist der jüngste Stadtteil von Stuttgart-Mühlhausen. Hier werden zwischen 1969 und 1977 vor allem Mehrfamilien-, Reihen- und Hochhäuser gebaut.

Getrennter Kirchenraum, gemeinsame Gemeinderäume

Im ökumenischen Zentrum in Neugereut – kurz ÖKU genannt – haben beide Konfessionen ihren Kirchenraum, während die Gläubigen die Gemeinderäume gemeinsam nutzen.

So treffen sie sich beispielsweise zum „Filmabend im ÖKU“ oder beim Seniorennachmittag. Mädchen und Jungen entdecken biblische Geschichten beim „Kinder-Mutmach-Tag“, organisiert vom ökumenischen Vorbereitungsteam, und auch zur Pfingstnacht gibt es zum Beispiel ein ökumenisches Angebot.

Hoffnungszeichen sein

Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen und ihr Leben einer größeren Sache widmen, seien Hoffnungszeichen. Krämer erinnerte an Dietrich Bonhoeffer, Eugen Bolz, Bischof Joannes Baptista Sproll und Mutter Teresa - „Beispiele von Menschen, die sich für das Gute stark gemacht haben". Solche Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Würde eines jeden geachtet und seine Rechte respektiert werden, vor allem derer, die am Rand der Gesellschaft leben, brauche es auch heute, und ein solcher Mensch „kann jeder von uns sein". Als einige der vielfältigen Möglichkeiten, sich zu engagieren, zählte Krämer die Sternsinger und Freiwilligendieste, etwa in Tansania, auf, aber auch den Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung. Neben dem ehrenamtlichen Engagement stehe aber auch die Überlegung, „ob das nicht eine Perspektive für mein ganzes Leben sein kann, ob ich nicht einen Beruf wähle, in dem ich wirklich anderen Menschen helfen und mit dazu beitragen kann, dass in unserer Welt sich das Gute etwas mehr durchsetzt". Auch die vielfältigen Berufe der Kirche böten dazu gute Möglichkeiten.

Dabei dürfe jeder und jede darauf vertrauen, „dass mehr als jeder Energydrink die Beziehung zu Gott, die Nachfolge Jesu Christi das ist, was uns wirklich Kraft und Energie gibt", sagte der Bischof. „Das Schöne ist, dass jeder, der Jesus nachfolgt, eben auch spürt, dass Er uns begleitet auf diesem Weg; dass Er uns den Rücken stärkt." 

Ein weiter Horizont

Sich gegenseitig den Rücken zu stärken und Energie zu tanken für den Alltag - darum ging es beim Jugendtag auch in den vielfältigen Workshops im Bildungsforum, mit denen Schwestern und Engagierte aus verschiedenen Bereichen des vinzentinischen Netzwerks Einblicke in ihre Arbeit gaben und zum Dialog einluden. Themen wie Gefängnisseelsorge und Hospizarbeit, Best-practice-Beispiele auf dem Weg zu einer besseren Welt wie die „Tafel" zählten ebenso dazu wie Angebote in den Bereichen Gesundheit, Ängste & Sorgen, Glauben, Gebet und Beichte sowie Bildung - und wie immer kreative Angebote in der Alten Scheune wie Freundschaftsbänder oder Rosenkränze knüpfen, Nagelbilder herstellen oder an einer langen Wimpelkette für Gerechtigkeit und Frieden mitzuwirken. Zum ohnehin weiten Horizont des Jugendtages zählte der Besuch einer Basketball-Mannschaft von Mädchen aus Kampala (Uganda). Das „Mambas Basketball-Programm" von Noah Felk zielt darauf ab, benachteiligte Kinder in dem afrikanischen Land durch Teamsport und Bildungsprogramme zu stärken. - Noch ein Beispiel, wo Menschen nicht müde werden, Gutes zu tun.

Ein Bau, der das Miteinander ermöglicht und gefördert hat

Beide Kirchen stehen im ÖKU sichtbar und im wahrsten Sinne des Wortes auf dem gleichen Fundament und sind unter einem Dach. Die räumliche Nachbarschaft macht die geistige Annäherung sichtbar. Ein Bau der mehr Miteinander ermöglich und gefördert hat.

„Beide Kirchen geben gemeinsam Zeugnis für Christus in einem säkularen Umfeld, sie tun gemeinsam Dienst an den Menschen im Stadtteil Neugereut, sie tun gemeinsam Dienst am Glauben, sie sind so gemeinsam Licht für die Welt“, sagt Pfarrer Ludwig-Frank Mattes, der Leiter der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna, zu der das ÖKU gehört.

In diesem Jahr steht dort nicht nur die Weiterentwicklung der bisherigen Arbeit an, sondern es ist auch ein Umbau geplant.

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