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75 Jahre Akademie: Ein kirchlicher Ort für Demokratie

Zahlreiche Gäste und langjährige Wegbegleiter:innen kamen, um auf die Geschichte der Akademie zurückzublicken und den Blick nach vorne zu richten.

Stuttgart

Licht- und Musikinstallation des Lichtkünstlers Laurenz Theinert während des Jubiläums der Akademie. Foto: DRS/ Nelly Swiebocki-Kisling

Sommerliche Stimmung, lebendige Gespräche und ein gemeinsamer Blick nach vorn: Mit zahlreichen Gästen aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft hat die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart ihr 75-jähriges Bestehen im Tagungszentrum in Hohenheim gefeiert. Dabei wurde deutlich, was die Akademie seit ihrer Gründung 1951 auszeichnet: Sie ist ein Ort des Dialogs – und für viele weit mehr als ein Tagungshaus. 

An Tagen wie diesem… 

Akademiedirektor Prof. Dr. Johannes Frühbauer blickte in seiner Begrüßung dankbar auf die Geschichte der Einrichtung zurück. „An Tagen wie diesem besteht Anlass, in Dankbarkeit aber auch Stolz auf 75 Jahre Akademie zurückzublicken“, sagte er. Zugleich richtete er den Blick nach vorn: Die Akademie müsse auch künftig Themen aufgreifen, die gesellschaftlich relevant sind und junge Menschen ansprechen. 

Wichtige Orte für den Dialog 

Bischof Dr. Klaus Krämer erinnerte daran, dass die Akademie in Hohenheim die erste katholische Akademie Deutschlands war. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg habe sie einen wichtigen Beitrag zum demokratischen Wiederaufbau geleistet. Bis heute sei sie „ein Ort des Diskurses“, an dem Menschen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander ins Gespräch kommen. Gerade angesichts gesellschaftlicher Umbrüche, globaler Krisen und technologischer Entwicklungen brauche es solche Räume mehr denn je. „Wir brauchen solche Orte, wir brauchen diesen Ort für den Dialog und die Gastfreundschaft“, betonte der Bischof. 

Demokratie lebt vom Gespräch 

Den Festvortrag hielt Ministerpräsident a. D. Winfried Kretschmann, Mitglied im Kuratorium der Akademie. Nach einem humorvollen Einstieg über den Unterschied zwischen einem Ministerpräsidenten außer Dienst und einem emeritierten Bischof, der immer Bischof bleibe: „Das ist der Unterschied zwischen Demokratie und Kirche“ – wurde er grundsätzlich. 
„Demokratie ist Streit“, sagte Kretschmann. Weil Menschen unterschiedlich seien, entstünden zwangsläufig Konflikte. Entscheidend sei jedoch, wie diese ausgetragen würden. „Zivilisierter Streit hält die Gesellschaft zusammen.“ Demokratie lebe davon, dass Menschen einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven respektieren und Kompromisse suchen. „Kern der Demokratie heißt: Wir streiten uns, einigen uns, aber in Frieden.“ Dafür brauche es funktionierende öffentliche Räume. Die Akademie sei ein solcher Ort. „Vielleicht bietet die Akademie einen guten Ansatz für ein zeitgemäßes Christsein auf Augenhöhe“, sagte Kretschmann und schloss mit einem Satz, der vielfach nachhallte: „Bräuchte die Demokratie einen kirchlichen Ort, dann wäre es die Akademie.“ 

Ein Schutzraum für Begegnung 

Wie prägend die Akademie für viele Menschen geworden ist, zeigte die Gesprächsrunde „Wegmarken und Wirkung“, die Dr. Daniel Meier von der Stabsstelle Kommunikation der Akademie moderierte. Derya Sahan, Abteilungsleiterin der Fachstelle Extremismusdistanzierungund Rundfunkrätin beim SWR, blickte auf mehr als 20 Jahre Zusammenarbeit mit der Akademie zurück. „Ich hatte in all der Zeit die Akademie als Partnerin an meiner Seite“, sagte sie. „Ich habe in der Akademie einen Schutzraum gefunden.“ Hier sei es möglich gewesen, unterschiedliche Perspektiven wertschätzend und auf Augenhöhe einzubringen. Die Akademie sei mit ihren Themen immer ihrer Zeit voraus gewesen. „Christliche Werte werden hier in der Akademie gelebt.“ 

Katrin Lehmann, Vorsitzende Richterin am Hessischen Verwaltungsgerichtshof a.D., sprach vom besonderen „Geist von Hohenheim“. Klaus Barwig, ehemaliger Leiter des Fachbereiches Migration und Menschenrechte an der Akademie, bezeichnete die Akademie als „Ort der Demokratie“, Lena Bareiß, Projektreferentin für Mittelamerika und Mexiko bei Peace Brigades International, brachte die Bedeutung des Hauses auf eine kurze Formel: „Diesen Ort braucht es mehr denn je!“ 

Vielfalt als Programm 

Zwischen den Programmpunkten luden Dialogforen dazu ein, aktuelle Themen der Akademiearbeit kennenzulernen. Diskutiert wurde über Migration und Islam, queeres Leben in den Kirchen, die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, ethische Fragen in Medizin und Technologie sowie die Zukunft der Pflege. Die Themenvielfalt spiegelte wider, wofür die Akademie seit 75 Jahren steht: Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen. 

Mit Rückenwind in die Zukunft 

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf die kommenden Jahre. In einer zweiten Gesprächsrunde mit Kurator Thomas Löffler, Barbara Janz-Spaeth vom Akademieverein, und den Akademiedirektoren Dr. Karsten Kreutzer aus Freiburg, Dr. Gernot Meier aus Karlsruhe, Dr. Dietmar Merz aus Bad Boll sowie Prof Dr. Johannes Frühbauer wurde der Blick in die Zukunft der Akademie geführt. 
Bei der Verleihung des Kunstpreises unterstrich Dr. Ilonka Czerny die Bedeutung der kulturellen Arbeit: „Kunst bringt nochmal eine eigene Sprache in den Dialog.“ Im Gespräch sagte sie: „Ich wünsche mir, dass die Akademie noch lange bestehen bleibt und ein Forum bieten kann, um Menschen zusammenzuführen und fachliche Dialoge in Gang zu setzen. Und ich wünsche mir, dass dafür auch die finanziellen Mittel immer zur Verfügung stehen.“ 

Dialog und Gastfreundschaft auch in Zukunft 

Viele Gäste verband der Wunsch, dass die Akademie ihre Rolle als Ort der Begegnung und Verständigung auch künftig ausfüllen solle. Mathieu Coquelin wünscht sich, „dass die Akademie ihrem Motto ‚Dialog und Gastfreundschaft‘ immer treu bleibt“. Maren Janetzko hofft auf „viel Rückendeckung“ und darauf, dass es weiterhin gelingt, „die richtigen Themen zu erkennen und die Vielfalt der Menschen zusammenzubringen“. 

Ein lebendiger Ort 

Drei Künstler nahmen die musikalische Umrahmung des Festaktes vor: Der Stuttgarter Lichtkünstler Laurenz Theinert mit seinem Visual Piano, der den Saal mit seiner grafischen Lichtkunst verzauberte. Inspiriert von den visuellen Grafiken spielten der Geiger Martin Schnabel und der gleichnamige Pianist Martin Schnabel aus Stuttgart, die sich in den Pausen auch musizierend unter die Gäste mischten. 

Als der Abend bei Musik, Gesprächen und sommerlicher Atmosphäre ausklang, blieb vor allem ein Eindruck: Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist auch nach 75 Jahren ein Ort, an dem Demokratie, Dialog und Gastfreundschaft lebendig gelebt werden.

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