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An der Seite der Arbeiterschaft

Dorthin gehen, wo man Kirche nicht vermutet – in die Welt der Arbeit –, das ist Aufgabe der Betriebsseelsorger. In Ulm war kürzlich „Schichtwechsel“.

Ulm (Donau)

Susanne Hirschberger tritt die Nachfolge von Michael Brugger in der Leitung der Betriebsseelsorge Ulm an.

Der Eine geht, die Andere kommt: Nach gut vier Jahren hat Michael Brugger seinen Dienst als Betriebsseelsorger beendet. Mit Susanne Hirschberger, die bereits seit Mitte Januar mit „an Bord“ ist, hat die Betriebsseelsorge Ulm jetzt eine neue Leiterin. Der öffentliche „Schichtwechsel“ am 12. März im Haus der Gewerkschaften in Ulm war nicht nur eine Feier, sondern warf auch interessante Blitzlichter auf aktuelle Herausforderungen in der Arbeitswelt.

Betriebsseelsorge als „Kirche am Ort der Arbeit“ sucht nicht nur Kontakt in Betriebe und Einrichtungen im Umfeld der jeweiligen Arbeitsstelle, um die Situation arbeitender Menschen kennenzulernen und sie zum Christsein in der Arbeitswelt zu ermutigen. In verschiedenen Arbeitsfeldern macht sie sich auch zum Anwalt und Begleiter von Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz Ungerechtigkeit erfahren, deren Arbeit zur Belastung wird oder gar krank macht.

Fachleute und Betroffene berichten

Ein Kaleidoskop dieses Wirkens bot das moderierte Gespräch mit Fachleuten und Betroffenen im Rahmen dieses „Schichtwechsels“. Engagierte aus der Suchtberatung, der betrieblichen Suchtkrankenhilfe, aus Mobbing-Selbsthilfegruppen und Initiativen wie dem Ulmer Bündnis für die Pflege berichteten über ihre Arbeit. Etwa, wie wichtig die Unterstützung für Mobbing-Betroffene ist, zumal in einer Zeit, in der dieses Thema kaum mehr auf dem gesellschaftlichen Radar zu sein scheint.

Verstanden werden, aufgefangen sein in einer Gruppe, so wurde deutlich, sind ganz wichtige Erfahrungen für Menschen in Bedrängnis. Ebenso wichtig ist der Einsatz für gute und würdige Pflege sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in diesem Bereich. Die Betriebsseelsorge engagiert sich deshalb in dem lokalen Bündnis, um auf breiter Basis die Situation im Pflegebereich in die städtische Öffentlichkeit zu tragen.

Dank für "Arbeit am Detail"

Betriebsseelsorger zu sein, bedeute einzutauchen in die Welt der arbeitenden Menschen, sagte Wolfgang Herrmann, Leiter des Fachbereichs Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dazu brauche es „die Arbeit am Detail“, in der Begegnung, im Gespräch, dem gemeinsamen Arbeiten an individuellen Lösungen. „Wir wollen danke sagen für Deine Detailarbeit“, sagte Herrmann an Michael Brugger gerichtet und unterstrich die hohe Wertschätzung und Achtung, die dieser sich in seinem gut vierjährigen Wirken in Ulm und der Region erworben habe. Dank und Anerkennung für die gemeinsame Wegstrecke im Dekanat Ehingen-Ulm formulierte auch Dekan Ulrich Kloos.

„Ich kann dir nicht sagen / Wohin es jetzt geht / Und woher der Wind weht / Ich bin kein Wetterprophet“, sangen der Aalener Betriebsseelsorger-Kollege Dr. Rolf Siedler und ein befreundeter Musiker. Der melancholische Song von Stefan Stoppok galt nicht speziell für Michael Brugger – er wechselt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstuhl für Theologische Ethik/Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Tübingen –, spiegelte aber sehr wohl die allgemeine Stimmung und „Großwetterlage“ in Zeiten von Corona wider.

Die weibliche Sicht auf die Dinge

Die neue Ulmer Betriebsseelsorgerin Susanne Hirschberger bringt vielfältige Erfahrungen aus der Welt der Arbeit in ihre neue Funktion. Die gelernte Informationselektronikerin engagierte sich bei der Christlichen Arbeiterjugend, leitete ein Wohnheim für auszubildende Mädchen aus der ganzen Welt in Stuttgart, war in der Familienphase in Kommune, Kirche und Initiativen aktiv und arbeitete vor ihrem Wechsel nach Ulm als Referentin bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung in Memmingen, wo sie besonders die Berufsgruppe der sozialen Berufe und Pflegeberufe begleitete.

Neben diesem Schwerpunkt will Susanne Hirschberger im sehr männlich geprägten Team der Betriebsseelsorge Rottenburg-Stuttgart die Vielfalt bereichern und es sich zur Aufgabe machen, die weibliche „Sicht auf die Dinge, unsere Chancen und Grenzen stetig einzubringen in gesellschaftliche Entwicklungen und Forderungen“. Auch bei Themen wie Globalisierung, Digitalisierung, Sucht, Migration und Mobbing wolle sie „mit euch und Ihnen, Seite an Seite für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden eintreten, als Kirche an der Seite der Arbeiterschaft stehen“.

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