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Auf Augenhöhe mit den Arbeitenden

Werner Langenbacher gab der Betriebsseelsorge Ravensburg/Friedrichshafen fast 30 Jahre ein menschenfreundliches Gesicht.

Ravensburg
Porträtfoto

Der bisherige Betriebsseelsorger von Ravensburg/Friedrichshafen Werner Langenbacher - Foto: DRS/Waggershauser

Die Betriebsseelsorge Ravensburg/Friedrichshafen besteht seit 40 Jahren. Knapp drei Viertel davon hat Werner Langenbacher als deren Leiter geprägt. Dass der Pastoralreferent seinen Beruf als Bindeglied zwischen Kirche und Arbeitswelt mit seiner menschlichen Art und seiner ganzen Persönlichkeit ausfüllte, bescheinigten ihm Weggefährten bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Im Blick auf die großen Fußstapfen ermutigten die Sprecherinnen und Sprecher der Grußworte am vergangenen Freitag beim "Schichtwechsel" den neuen Betriebsseelsorger Philipp Groll, seinen eigenen Stil zu finden.

Zuletzt in der Öffentlichkeit stand Langenbacher, als er georgische Erntehelfer auf einem Obsthof am Bodensee unterstützte. Diese waren nach dem Urteil des Arbeitsgerichts Ravensburg unzumutbar untergebracht und erhielten nicht den ihnen zustehenden Lohn. Der Landwirt ging in Berufung. "Daher ist jetzt am 8. Dezember die Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht", berichtet Langenbacher. Er hatte die Erntehelfer ermutigt, ihr Recht einzuklagen. Und er begleitete sie auf dem Weg dahin. Der Theologe nahm aber auch mit dem Bauernverband Kontakt auf und fragte, wie sie ihre Leute denn in Zukunft unterbringen und bezahlen wollen. "Nicht nur skandalisieren, sondern schauen, dass es auch Veränderungen gibt", formuliert er sein Motto.

Kampf um bessere Arbeitsbedingungen

Nicht nur die Erntehelfer brachten ihn in die Schlagzeilen. Werner Langenbacher ging im Schulterschluss mit kirchlichen Arbeitnehmerverbänden, Gewerkschaften und anderen Partnern immer wieder auf die Straße, um auf Unrecht und auf Strukturen hinzuweisen, die Menschen krank machen und in Armut stürzen. Ging es in den vergangenen Jahrzehnten um Massenentlassungen in Betrieben und den Schutz des freien Sonntags, steht für Langenbacher heute die Frage der Transformation im Raum. Wie muss sich die Arbeitswelt verändern, damit Menschen bei dem zunehmenden Druck am Arbeitsplatz, der häufig zu Burn Out führt, wieder gut und auch ökologisch verantwortbar leben können.

 

Vieles, was der Betriebsseelsorger in den letzten 29 Jahren bewirkte, kam nicht in den Medien. "Manchmal sind die Leute wie in einem Tunnel und wissen nicht, was sie machen sollen", erzählt der 65-Jährige über diejenigen, die er persönlich begleitete. Er habe beispielsweise eine Frau dazu ermutigt, die Probleme im Team einfach mal offen anzusprechen. Der Teamleiter habe dann für eine Besserung gesorgt. In einem anderen Fall sei bei einer Verwaltungangestellten nach einem Chefwechsel keine Lösung der Konfliktsituation möglich gewesen. Hier habe er einen Auflösungsvertrag erwirkt, erklärt Langenbacher. So musste die Mitarbeiterin nicht kündigen und fand wieder eine neue Stelle.

Betriebsräte vernetzt

Stellvertretend für die vielen, denen Werner Langenbacher als Betriebsseelsorger neue Perspektiven eröffnen konnte, kamen bei der Verabschiedung Personal- und Betriebsratsvorsitzende aus der städtischen Verwaltung, aus einer Elektronikfirma und aus dem Klinikbereich zu Wort. Sehr persönlich berichteten die Vertreterinnen und Vertreter von der großen Wertschätzung, die ihnen "Werner" gleich bei der ersten Begegnung entgegenbrachte, aber auch vom Austausch am Betriebsrats-Stammtisch und von Vorträgen am Puls der Zeit. Besucherinnen und Besucher des Arbeitslosentreffs, Mitarbeitende und die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) legten ihre positiven Erfahrungen dazu.

Bereits 2009 erhielt der Betriebsseelsorger für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz. Aufgewachsen im Schwarzwald arbeitete Langenbacher nach seinem Theologiestudium zunächst in der Rottenburger Domgemeinde St. Martin, bevor er von 1988 bis 1993 als Pastoralreferent in die Kirchengemeinde zum Guten Hirten in Friedrichshafen tätig war. Noch heute wohnt der zweifache Vater mit seiner Frau im Bodenseekreis. Sein Heimatpfarrer und stellvertretender Dekan des Dekanats Friedrichshafen verabschiedete ihn aus seinem Beruf mit den Worten: "Du bist ein Segen für uns."

Betriebsseelsorge als Befreiungsbewegung

Paul Schobel, der die Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart einst auf den Weg brachte, nannte sie in seinem Impulsvortrag eine Befreiungsbewegung. Er erinnerte an die alttestamentliche Bibelgeschichte von Mose am brennenden Dornbusch. "Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen", habe Gott zu Mose gesagt. Und er gab ihm den Auftrag, das Volk Gottes zu befreien. "Du hast 29 Jahre dein Volk durch die Wüste geführt", sagte Schobel an die Adresse Langenbachers. Dass Philipp Groll auch seinen Weg an der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer finden möge, wünschten ihm Reinhold Hübschle, stellvertretender Dekan in Allgäu-Oberschwaben, und der Leiter der diözesanen Betriebsseelsorge Matthias Schneider, der den Abend moderierte.

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