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Auf und nieder - immer wieder

Wie das originale Turmkreuz von St. Oswald in Otterswang als Hofkreuz im Flecken Fünfhäuser landete und wieder auf die Turmspitze zurückkehrte.

Otterswang
Der barocke Kirchturm mit Kreuz auf der Spitze vor blauem Himmel.

Das 1974 auf die Kirchturmspitze von St. Oswald zurückgekehrte originale Kreuz - Foto: Monika Bodenmüller

Es gibt wohl nicht viele schmiedeeiserne Kreuze am höchsten Punkt eines barocken Kirchturms, die sich das bunte Treiben eines kleinen landwirtschaftlich geprägten Fleckens quasi auf Augenhöhe anschauen konnten. Das christliche Symbol auf der von 1777 bis 1779 erbauten Kirche St. Oswald in Otterswang zwischen Bad Schussenried und Aulendorf hat diesen „Abstieg“ mitgemacht und als Hofkreuz im nahegelegenen Weiler Fünfhäuser womöglich mehr Verehrung erfahren als in 44 Meter Höhe. Bernhard Bliestle recherchierte die außergewöhnliche Geschichte des Kreuzes bei Familie Steinle, in deren Hof es als Wegzeichen lange stand, im Heimatbuch der Gemeinde Otterswang und im Aulendorfer Kirchenanzeiger von 1972. Hier ist sein Ergebnis.

Beim Kreuz, das heute im Hof des Anwesens „St. Monika“ der Familie Steinle in Fünfhäuser steht, handelt es sich um eine originalgetreue Nachbildung des Turmkreuzes der Otterswanger Kirche. Warum aber wurde im Jahr 1975 an diesem Ort ein Hofkreuz in dieser außergewöhnlichen Form errichtet? Die Geschichte hat ihren Anfang im Jahre 1822. Damals war das Kreuz auf dem Otterswanger Kirchturm nicht mehr standfest, es begann zu wanken. Ein kleineres und leichteres Kreuz diente fortan als Ersatz. Das schöne schmiedeeiserne Turmkreuz aber fand eine neue Heimat. Der damalige Hofbesitzer von „St. Monika“, Oswald Forstenhäusler, hat es nach Fünfhäuser geholt und an einer markanten Weggabelung aufgestellt.

Wo gehört das Kreuz nun hin?

Über 150 Jahre war es dort - weithin sichtbar - ein Zeichen des Glaubens der Vorfahren, bis Anfang der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts der Gedanke aufkam: Das Kreuz gehört wieder auf den Turm der Otterswanger Kirche. Das Ersatz-Turmkreuz passe nicht so recht zu der schwungvollen Haube des Baumeisters Jakob Emele. Der damalige Otterswanger Pfarrer Dr. Otto Beck setzte sich sehr für die Rückholung des Kreuzes ein. Im Zuge der Außenrenovation der Kirche baute man das Doppelkreuz im Jahr 1974 in Fünfhäuser ab und gab es dem Kirchturm zurück. Nach über 150 Jahren gehörte das Kreuz aber ganz selbstverständlich zum dortigen Hof. So stieß die gewünschte Rückversetzung auch auf Widerstand.

Letztendlich fand vor allem die Besitzerfamilie einen Weg, um das Kreuz dem Kirchturm zurückzugeben und gleichzeitig in Fünfhäuser zu behalten. Die Brüder Michael und Hans Steinle - letzterer war Schlosser - übernahmen Formen und Maße des Originals und fertigten im Jahr 1975 ein neues Kreuz. Es grüßt seither am gewohnten Platz im Flecken die Vorübergehenden und Vorbeifahrenden. So ist das Otterswanger Kirchturmkreuz seit 50 Jahren zweimal vorhanden - als unverwechselbares Wahrzeichen des barocken Kirchturmes von St. Oswald und als Hofkreuz in Fünfhäuser, wo es sich bequem aus der Nähe betrachten lässt.

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