Zum Inhalt springen

Aus früherem Friedhof wird ein Friedenshof

Mit farbenfrohen gemalten Friedensbotschaften gestalten Schüler:innen den Platz hinter der Ravensburger Jodokskirche.

Ravensburg
Diözese Rottenburg-Stuttgart / Markus Waggershauser

Der Neuntklässler Oskar Dittrich erklärt im Beisein von Bürgermeister Simon Blümcke (l.), Gemeindereferentin Christine Mauch und Pfarrer Harald Kiebler (verdeckt) das Gemälde zum Thema "Ins Wasser fällt ein Stein" im Ravensburger Friedenshof - Foto: DRS/Waggershauser

Dass im Schatten der Jodokskirche Menschen aus der Ravensburger Unterstadt beigesetzt wurden, ist schon lange her. Der ummauerte und inzwischen gepflasterte Kirchhof im Norden des gotischen Gotteshauses war zuletzt ein verlassener Ort, wie ihn Pfarrer Harald Kiebler nannte. Am vergangenen Freitag erwachte er neu als Friedenshof. "Ursprünglich hatte ich an einen Friedensgarten gedacht", erklärte Initiator Klaus Dorbath. Seine Frau habe ihn dann in Anlehnung an die ursprüngliche Bestimmung auf den jetzigen Namen gebracht. Zusammen mit dem Friedenshof eröffnete Bürgermeister Simon Blümcke auch die Kunstnacht, die viele Besucher:innen in die Ravensburger Altstadt lockte.

"Viele kreative Köpfe waren hier beteiligt", freute sich Dorbath. Vor fünf Jahren schuf der inzwischen pensionierte Religionslehrer mit 28 Schüler:innen der beruflichen Edith-Stein-Schule die Friedens-Werte-Uhr. Lange Zeit stand sie - auch während der Friedensgebete für die Ukraine - am Hauptportal der Kirche. Um das internationale Friedenssymbol tragen zwölf ehemalige runde Verkehrszeichen auf der Rückseite das Wort "Friede" in verschiedenen Sprachen und vorne Werte wie Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität. Die Uhr fand nun eine langfristige Bleibe am östlichen Zugang zum Friedenshof.

Diözese unterstützt das Projekt

Die Nischen der Kirchhofmauer und zwei Sitzbänke in Fischform tauchten nun Schüler:innen, die in diesem Schuljahr die 9. Klasse des Welfen-Gymnasiums besuchen, in bunte Farben. Die Lehrkräfte der Fairtrade-Schule mit Kunstprofil konnte Dorbath schnell begeistern, sie starteten zusammen mit den Jugendlichen im Mai. "Ihr habt ziemlich freie Hand, ich besorge das Geld und das Material", versprach Dorbath. Unter anderem machte auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart 5.000 Euro dafür locker. Das Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Ravensburg-Mitte und der Kirchengemeinderat hätten sein Projekt ebenfalls mitgetragen, lobte der Initiator.

Sie wollten Frieden ohne die klassischen Symbole darstellen, erklärte Oskar Dittrich. Und der Schüler zeigte ein Detail, wo eine Straßentaube auf eine Rakete kackt. "Ins Wasser fällt ein Stein", stellte er das Thema eines weiteren Bildes vor, an dem er mitwirkte. "Das ist von dem Lied inspiriert", fügte der junge Künstler hinzu. Wegen der Ferien seien die Gemälde und die Bänke erst auf den letzten Drücker fertig geworden, verrät Dorbath. Die größte Sorge sei für ihn das Denkmalamt gewesen, gab der Pensionär zu. Alles sei zwar sehr solide gebaut, aber ohne Dübel angebracht und restlos rückbaubar. Daher sei das dann doch kein Problem gewesen.

Jodokskirche beteiligt sich an der Kunstnacht

Neben der "Agenda Eine Welt" bekam Dorbath von verschiedenen Firmen im Metall- und Holzbereich tatkräftige Unterstützung. Auch bei der Stadt Ravensburg bedankte er sich. Der Betriebshof habe das Gelände grundlegend gereinigt. Und schließlich habe das Kulturamt die Eröffnung im Rahmen der Kunstnacht ermöglicht. Gemeindereferentin Christine Mauch, die mit einem Team die offenen Angebote in St. Jodok verantwortet, lud nach einem Hoffnungstext zum Frieden ein, auch die Kunstinstallation zusammen mit dem Kapuziner Kreativzentrum im benachbarten Gotteshaus zu besuchen, wovon die Anwesenden regen Gebrauch machten.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

TVB-Maltatal

Micky Maus eine Kirchenmaus?

Stuttgart

Mit großen runden Ohren und einer spitzen Mäuseschnauze ist sie an der Außenfassade einer Kirche im österreichischen Maltatal in Kärnten gemalt.

Aktuelles

aus der Region

Markus Waggershauser

Im Storchengang durchs kalte Wasser

Jordanbad

Wassertreten im Kneippbecken ist gut für die Gesundheit und erfrischt im Biberacher Jordanbad und anderswo Körper und Seele - nicht nur im Sommer.

Sr. Anna-Barbara Regnat

Generalleitung aus drei Kontinenten

Sießen

Im Kloster Sießen hat das Generalkapitel der Franziskanerinnen die Leitung für die gesamte Ordensgemeinschaft in allen drei Provinzen neu gewählt.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

DRS / Annika Werner

Landwirt sein, aus Liebe zur Familie und zur Natur

Rottweil

Der Hof der Sauters ist seit 300 Jahren im Familienbesitz. Damit er weiterbestehen kann, führt ihn der 33-jährige Samuel auf mehreren Standbeinen.

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. Die Reise zeigt, wie langjährige Partnerschaft Zukunft schafft.

Constanze Stark

Eine Kirche mit außergewöhnlicher Geschichte

Hechingen

Eine alte Legende erzählt, dass Engel die Wallfahrtskirche über Nacht an ihren heutigen Ort getragen haben. Doch was steckt dahinter?

Markus Waggershauser

Friedensglocken verbinden Deutsche und Tschechen

Aichtal

Gegenbesuch von Pilgern aus Grötzingen und Lustnau in Pìst‘ stärkt die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Gemeinden der beiden Länder.

Gregor Moser

Gut gerüstet dank Theologiestudium

Tübingen

Michael Heisters spricht über die Chancen, die ein Studium der Theologie in der Diözese Rottenburg bietet. Sein Berufswunsch lautet: Pastoralreferent.