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Befreit und schwingend vor Gott

Mit Tanz, Psalmen, Liedern, Impulsen und Stille haben Vinzentinerinnen aus Untermarchtal ein abendliches Gebet gestaltet.

Stuttgart
Diözese Rottenburg-Stuttgart

Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Pavel Jerabek

„Ich lobe den Tanz, denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge, bindet den Vereinzelten an die Gemeinschaft.“ - Gedanken, die Augustinus über den Tanz formuliert hat, haben Schwester Gabriele Maria Sorg und Schwester Marlies Göhr aus Untermarchtal in ein bewegtes und bewegendes Abendgebet verwandelt: „Der Tanz fordert den befreiten, den schwingenden Menschen im Gleichgewicht aller Kräfte“, schreibt der Kirchenlehrer. „Betend tanze ich vor Dir Gott“ lautete das Motto dieses Gottesdienstes, der Gedanken und Gefühle zum Schwingen brachte. Knapp 30 Gläubige aller Altersstufen nahmen sich die Zeit, an diesem besonderen Abendgebet in St. Maria teilzunehmen.

Tanz als Ausdruch von Gefühlen

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit“, heißt es im Buch Kohelet, „eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, / eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz“, so lautet Vers 4. „Dieser Text ist faszinierend, weil er die Fülle des Lebens zum Ausdruck bringt“, sagte Schwester Marlies. Tanz sei Ausdruck von Gefühlen – Freude, Energie, Kraft, vielleicht Wut, Schmerz; Fragen, Suchen, Sehnsucht. Zu meditativer Musik und bekannten Kirchenliedern brachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre je eigenen Gefühle und Gedanken vor Gott, formten sie zu einem neuen Ganzen, zu einem Gebet in Gemeinschaft. In Gebet und Stille betrachteten und im Tanz „sprachen“ sie auch Psalm 23 vom guten Hirten.

Angeleitet wurden sie von Schwester Gabriele Maria, die Dozentin für Meditation des Tanzes im Bildungsforum Untermarchtal ist: Einfühlsam erläuterte sie Schritte und Drehungen, bettete sie in die Musik ein. Die Leiterin des Bildungsforums, Schwester Marzella Krieg, formulierte ein Segensgebet, das sicher allen aus der Seele sprach: „Mein Gott, unser Gott, wir tanzen mit dir! Deine liebende Nähe bewegt uns zu neuem Mut; deine Führung befreit uns zu verwandelnder Kraft.“

Ein Gewährsmann dafür, dass beim Tanz auch der Humor nicht auf der Strecke bleibt, ist übrigens wiederum Augustinus, wenn er am Ende seines Lobgesangs auf den Tanz formuliert: „O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!“

Hintergrund: Die Interkulturelle Woche

Die bundesweit jährlich stattfindende Interkulturelle Woche (IKW) ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie findet seit 1975 Ende September statt und wird von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. In mehr als 500 Städten und Gemeinden gibt es rund 5.000 Veranstaltungen. Der nationale „Tag des Flüchtlings“, dieses Jahr am 1. Oktober, ist Bestandteil der Interkulturellen Woche. Weitere Informationen gibt es unter www.interkulturellewoche.de.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden im neu gegründeten Fachbereich Interkulturelles Sozialmanagement der Einsatz der kirchlichen Einrichtungen vernetzt; der Fachbereich ist Teil der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft im Bischöflichen Ordinariat. Der Fachbereich unterstützt auch finanziell Projekte und Einzelpersonen

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