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Benediktiner öffnen Kloster für Geflüchtete

Gelebtes Willkommen: Im Kloster Neresheim haben Flüchtlinge aus der Ukraine Unterkunft bekommen.

Neresheim

Bezugsfertig (von links): Der Neresheimer Bürgermeister Thomas Häfele, Konventualprior Pater Albert Knebel von der Abtei Neresheim, und Landrat Dr. Joachim Bläse (Ostalbkreis) besichtigen eines der für Geflüchtete bereitgestellten Zimmer im Tagungshaus des Klosters. Foto: DRS/Jerabek

Für die Entscheidung, ihr Tagungshaus für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, brauchte die Mönchsgemeinschaft der Abtei Neresheim wohl nur wenige Minuten. Innerhalb einer Viertelstunde konnte Konventualprior Pater Albert Knebel mit Blick auf einen Appell von Landrat Dr. Joachim Bläse mit einer Zusage reagieren. „Für uns Benediktinermönche ist die Gastfreundschaft eine ganz zentrale Aufgabe und Selbstverpflichtung“, sagt Pater Albert. In der Regel des heiligen Benedikt, die im 6. Jahrhundert verfasst wurde, stehe, dass alle Gäste wie Christus aufgenommen werden sollen – „und mit besonderer Sorgfalt die Armen und die Pilger, weil in ihnen Christus besonders aufgenommen wird“, betont der Klosterobere.

Vor einigen Tagen sind die ersten 14 Geflüchteten im Tagungshaus der Abtei auf dem Neresheimer Ulrichsberg angekommen und fühlen sich nach Einschätzung von Wohnheimleiterin Petra Schaff sehr wohl. „Ich bin sehr froh, dass wir für das Klosterhospiz, unser großes Tagungshaus, jetzt diese unserem Ideal entsprechende Aufnahmeform für die Flüchtlinge aus dem Gebiet der Ukraine finden konnten“, betont Pater Albert. Weil die aus sechs Mönchen bestehende Klostergemeinschaft – drei von ihnen sind über 80 Jahre alt – die konkrete Betreuung nicht leisten kann, hat die Abtei die Verantwortung in die Hände des Landkreises gelegt. In enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der Stadt Neresheim werden die geflüchteten Menschen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Geschäftsbereichs „Integration und Versorgung“ der Kreisverwaltung betreut. Zunächst für ein Jahr fungiert das Tagungshaus nun als staatliche Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge.

Gute Kooperation von Kreis, Kommune und Kirche

Durch den früheren Hotelbetrieb habe man gute Voraussetzungen für die Unterbringung der Geflüchteten im Klosterhospiz vorgefunden, sagte die für die Unterbringung zuständige stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Andrea Daniel, vor der Presse. Für die Menschen mit ihren oft schlimmen Erfahrungen sei es wichtig, dass sie „die Türe hinter sich zumachen“ können. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, auch selbst zu kochen, wurden im Gemeinschaftsbereich in kurzer Zeit Kochfelder anstelle der für Großküchen üblichen Bottiche eingebaut.

Bis zu 65 Menschen können in den 39 Zimmern problemlos aufgenommen werden. Mit Blick auf die Dauer des Krieges und den nicht absehbaren weiteren Bedarf an Unterkünften sei dieser Ort wichtig für die Kreisverwaltung, betonte der Landrat und lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Kreis, Kommune und Klostergemeinschaft. Für Dr. Bläse ist das Engagement der Benediktiner ein Paradebeispiel für die große Solidarität mit den Geflüchteten, die es im Ostalbkreis gibt. Genau 2432 geflüchtete Menschen aus der Ukraine habe man in den 42 Städten und Gemeinden bislang unterbringen können.

Große Dankbarkeit erfahren

Landrat Bläse und der Neresheimer Bürgermeister Thomas Häfele würdigten die große Hilfsbereitschaft, die die Bevölkerung mit Willkommenspaketen, mit Spenden und vielfältigem Engagement wie ehrenamtlichen Deutschkursen vom ersten Tag an zeigten. „Das gelebte Willkommen kommt aus der Bürgerschaft“, sagte Andrea Daniel. Federführend als Ansprechpartner vor Ort ist Sozialarbeiter Alex Berdalin, der dank seiner Kenntnisse der russischen Sprache, die mit dem Ukrainischen „verwandt“ ist, entscheidend bei der Verständigung hilft.

„Wir haben erfahren, wie dankbar die Menschen sind“, sagte der Landrat. Die Unterbringung sei unabhängig von Herkunft und Religion, betonte Pater Albert. „Alle Menschen sind uns willkommen.“ Dass die neuen Bewohnerinnen und Bewohner den Klang der Kirchenglocken schätzen, freut ihn trotzdem. Alle, die den Gottesdiensten bewohnen wollen, gibt es den Ablauf auch auf Ukrainisch, die Lesungstexte außer auf Ukrainisch auch auf Englisch und Französisch. Auch orthodoxe Gottesdienste seien möglich.

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