Ausgehend vom idealtypischen St. Gallener Klosterplan, in dem gleich drei Brauereien eingetragen sind, erläuterte Dr. Wolfgang Steffel diese Zusammenhänge, um der Eingangs vorgestellten verzerrten „Dreifaltigkeit des Zeitgeistes“ aus Auto, Einkaufen und Smartphone eine geistliche trinitarische Analogie entgegenzusetzten: Die Gottvaterbrauerei braute das Bier für die Mönche, darunter das Starkbier für die Fastenzeit. In der zweiten Gottsohnbrauerei wurde ebenfalls gutes Bier für Gäste, durchreisende Mönche und für den Verkauf hergestellt. Die Gottgeistbrauerei schließlich kümmerte sich um leichteres Dünnbier für die Armenspeisung und das Gesinde – der Geist ist schließlich der „Vater der Armen“.
Dreifaltig ist auch die Herzkammer der Schrift „Über die Gottesliebe“. Die Liebe zu Gott mündet darin, sich vom Dreifaltigen mehr und mehr erfassen und in die Lebensgemeinschaft von Vater, Sohn und Geist aufnehmen zu lassen. Bernhard wurde noch einmal zitiert: „Gott also liebt, und er liebt aus seinem ganzen Sein, da die ganze Dreifaltigkeit liebt.“ Alles mündet in eine Trinkgemeinschaft bei Gott. Bernhard weiter: „Dies, so glaube ich, wird nichts anderes sein als der Sohn Gottes, der umhergeht und bedient.“ Natürlich sei im Neuen Testament (anders als im Alten, wo Bier häufiger erwähnt wird) Jesus nur mit der Symbolwelt des Weines verknüpft, räumte Steffel ein, um prompt ein Wort von Heinrich Böll nachzuschieben: „Wo wie in Irland kein Wein wächst, da dürfen die Heiligen sich Christus als Biertrinker vorstellen.“
Das Team um Albvereinswirtin Petra Stahl servierte leckere Speisen und herzhafte Vesper und reichte Augustiner-Bier. Die beiden anwesenden Bernharde bekamen zu ihrem Namenstag ein Freibier und den Bibelzollstock „Maßstab Mensch“ geschenkt. Auf diesem im Dekanat Ehingen-Ulm 2003 entwickelten speziellen Meterstab ist der heilige Bernhard auf der historischen Seite im Hochmittelalter mit seinem lateinischen Ehrentitel in deutscher Übersetzung zu finden: „Bernhard von Clairvaux, doctor mellifluus, der honigfließende Lehrer“.