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Bilder von Leid und Lebensmut

Viele geflüchtete Kinder und Jugendliche sind traumatisiert. Eine Ausstellung berichtet über ihre Situation und zeigt auf, wie Hilfe möglich ist.

Ulm (Donau)

Die Ausstellung „Zwischen" vermittelt Eindrücke aus der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingskindern. Foto: DRS/Jerabek

„So aktuell, wie wir das nicht gedacht hätten“ ist die Ausstellung, die derzeit in der Ulmer Zentralbibliothek zu sehen ist. Andreas Mattenschlager, Leiter der Psychologischen Familien- und Lebensberatung (PFL) der Caritas Ulm-Alb-Donau, kennt das Leid von Kindern und Jugendlichen, die geflohen sind. Seit sieben Jahren begleiten die Therapeutinnen und Therapeuten der Caritas-Beratungsstelle traumatisierte Flüchtlingskinder vor allem aus Syrien, Afghanistan und Teilen Afrikas. Dabei kommen spielerische und kunsttherapeutische Mittel zum Einsatz. Die gezeigten Bilder der Kinder machen das Thema anschaulich. Der Krieg in der Ukraine gibt der Ausstellung zusätzliche Aktualität.

„Zwischen“ – so der Titel – ist das zentrale Motiv dieser Ausstellung. Denn bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die Krieg, Gewalt, Zerstörung und oft den Verlust von wichtigen Bezugspersonen erlebt haben, sei das bisherige „Ordnungssystem“ ganz oder teilweise zerstört und ein neues noch nicht in Sicht. Bis dieser „Zwischen“-Zustand überwunden ein neuer Weg gefunden wird, der wieder Halt und Orientierung gibt, braucht es Zeit und Hilfe. Die Lebenskräfte müssen gestärkt, neue Ressourcen entdeckt werden.

Eindrücke und Erfahrungen gebündelt

In fünf Themenbereichen haben die Verantwortlichen ihre Eindrücke und Erfahrungen gebündelt: „Zwischen Therapie und Beratung“ gibt einen Überblick über das Projekt und widmet sich zum Beispiel der Frage, wie Flüchtlingsfamilien den Weg in die Beratung finden. Oft seien es Ärztinnen und Ärzte, Erzieherinnen oder Lehrer, die den Anstoß geben, berichtet Mattenschlager. Mit der Lebensrealität der geflüchteten Kinder und Jugendlichen beschäftigt sich der Bereich „Zwischen alter und neuer Heimat“; hier sei der Wunsch nach Integration und Teilhabe das bestimmende Moment.

„Zwischen Kindheit und Erwachsensein“ befinden sich minderjährige Flüchtlinge, wenn sie allein nach Deutschland kommen. Ein Themenbereich beleuchtet ihre Situation. Ein weiterer setzt sich mit Traumatisierung und deren Behandlung auseinander, gibt also Einblick in die Arbeitsweisen, mit denen die Therapeutinnen die Kinder „zwischen Krankheit und Gesundheit“ unterstützen. Der Bereich „Zwischen Mitfühlen und Engagement“ wendet sich schließlich an die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung direkt und nennt Ideen, wie traumatisierte Flüchtlingskinder unterstützt werden können.

Antworten auf drängende Fragen

Die Ausstellung wurde konzipiert, „um die Erfahrungen aus unserer Arbeit der Öffentlichkeit vorzustellen“, wie Kunsttherapeutin Regine Schempp erklärt. Sie soll aber auch „die Herausforderungen und die Lebensleistung der uns anvertrauten Menschen würdigen – insbesondere in einer gesellschaftlichen Diskussion, in der diese häufig negiert und entwertet wird“. Den Therapeutinnen und Therapeuten sei es aber auch ein Anliegen aufzuzeigen, „wie in unserer Gesellschaft Antworten auf drängende Fragen gefunden und gelebt wurden und werden, und das meist kaum beachtet von der Öffentlichkeit“, betont Andreas Mattenschlager. Manche der gezeigten Bilder, die im offenen Atelier entstanden sind, zeugten auch von viel Lebensmut und Hoffnung.

Das therapeutische Unterstützungsangebot der Caritas für traumatisierte, geflüchtete Kinder und Jugendliche wurde 2015 in Kooperation mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm ins Leben gerufen. Dieses überregionale Kooperationsprojekt – weiterer Partner ist Refugio Villingen-Schwenningen – wird vom katholischen Dekanat Ehingen-Ulm koordiniert und gilt als bundesweit einzigartig. Die Ausstellung in der Zentralbibliothek Ulm wird in Zusammenarbeit mit Amnesty International (Bezirk Ulm) gezeigt.

INFO

Die Ausstellung „Zwischen – Eindrücke aus der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingskindern“ ist noch bis 14. April 2022 zu den üblichen Öffnungszeiten in der Zentralbibliothek Ulm, Vestgasse 1, zu sehen.

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