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Bischof Dr. Gebhard Fürst: Predigt beim ZdK 2002

Bonn

Schrifttexte: Wsh 2,1a.12-22; Joh 7,1-2.10.25-30

Liebe Schwestern und Brüder,

fast scheint es so, als bekämen wir durch die Sätze der heutigen Lesung einen Spiegel vorgehalten, ein Spiegel, der uns überprüft, wie glaubwürdig wir in der Welt das Zeugnis unseren Glaubens leben, wie treu wir uns der Botschaft dessen verpflichtet sehen, der uns in seine Nachfolge gerufen hat. Da wird im Buch der Weisheit eine provokative Stimme inszeniert, die einer Gruppe von Frevlern in den Mund gelegt wird. Diese sagen über den Glaubenden: ‚Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg ... Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig, denn er führt ein Leben, das dem der anderen nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden.‘ (Wsh 2, 12.14)

Nehmen wir die Anfrage ernst, denn sie betrifft den Kern unseren Lebens und Glaubens. Fragen wir uns ehrlich und selbstkritisch: Leben wir so, wie wir es im Zeugnis unserer Hoffnung bekennen? Spürt man unserem Leben die Sprengkraft des Glaubens an, von der wir angetrieben und bewegt werden? Oder haben wir uns oft schon lau und unentschieden der Gesellschaft und unserer Zeit angeglichen, schwimmen mit, statt als Christen wirksame Zeichen der Nähe Gottes zu setzen. Über einzelne konkrete Schritte wird immer gestritten werden: Entscheidend aber ist, dass wir uns –aufmerksam für die Zeichen der Zeit- konsequent orientieren an der Frohbotschaft Jesu. Denn dann sind unsere Wege in der Tat und im wahrsten Sinn grund-verschieden.

In der Tat grundverschieden: weil Christsein zuerst und zuletzt ein Tuwort, christliches Leben und Glauben TATsachen sind.

Im wahrsten Sinn grundverschieden: Der Glauben der Christen fragt immer wieder zurück nach dem Grund der Hoffnung, wie er uns maßgeblich durch Jesus von Nazareth vorgegeben ist. Sein Leben und Sterben, sein Erzählen vom Reich Gottes und sein wirksam heilendes Handeln für die Menschen stiften uns zur mitreißenden Nachfolge an. Sie fordern uns auf, umzukehren und klare Optionen für unser Handeln zu treffen, durch die wir zum Sauerteig in Welt und Gesellschaft, zum Salz der Erde und Licht für die Welt werden. Das macht unser Leben und Handeln eben nicht beliebig, sondern stellt uns immer wieder konsequent auf die Seiten der Opfer, der Außenseiter, der Ausgegrenzten. Es läßt uns Partei ergreifen für die, denen die Stimme fehlt, denen sie vielleicht geraubt wurde.

Uns alle bewegt in diesen Tagen der Konflikt um die Schwangerschaftskonfliktberatung und die Entscheidung, die jetzt durch den Papst getroffen wurde. Mich beeindruckten dabei die bewegenden und aufrüttelnden Worte, die Bischof Kamphaus gefunden hat. Er ruft in dieser bedrückenden und schwierigen Situation sich selbst und uns alle zur Sache Jesu, er formuliert konkret aus, was es heißt, diesen ‚grundverschiedenen Weg‘ zu gehen:

‚Jesus hat uns nicht aufgetragen, die eigenen Wunden zu lecken, sondern den Verwundeten beizustehen. Nicht Resignation ist angesagt, sondern neuer Aufbruch, damit wir unseres Glaubens froh sein können.‘

Amen.

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