Sproll ist in gewisser Weise auch der „Inspirator“ für die ungewöhnliche Aktion, die Pastoralreferentin Beate Traum-Peters und Pastoralassistentin Tabea Maillet in der Firmvorbereitung initiiert haben. Persönlichkeiten mit Geistbegabungen, die besonders mit Ulm verbunden sind, sollten die jungen Leute bei einer Stadtsuche kennenlernen, so lautete die ursprüngliche Idee; also Menschen wie Albert Einstein, Sophie Scholl, Albrecht Berblinger und eben auch Bischof Joannes Baptista Sproll. Auch eine kreative Annäherung an das pfingstliche Thema war angedacht. Doch unter Coronabedingungen sei das Firmprojekt in der geplanten Form nicht umsetzbar gewesen, berichtet Beate Traum-Peters. Warum dann nicht einfach bei Sproll bleiben und die graue Wand gestalten?
In mehreren Stationen lernten die Jugendlichen anhand verschiedener Bibelstellen die Gaben des Geistes kennen – etwa Mut und Tapferkeit, Rat und Stärke –, beschäftigten sich mit dem Leben Bischof Sprolls, lasen Auszüge aus Predigten und Briefen und überlegten, welche Geistesgaben den Bekennerbischof auszeichnen und welche Bedeutung sie für heute haben – und schließlich, wie sie sich künstlerisch ausdrücken lassen.
Vielfältiger Protest
Für Carla Schreiber, zum Beispiel, sollen die verschiedenen Elemente, die sie an die Wand geklebt hat, die vielfältige Weise des Protests zeigen, die Bischof Sproll in der Auseinandersetzung mit dem verbrecherischen NS-Regime wählte: seine frühen Warnungen in Predigten und Reden, seine Weigerung im April 1938, sich an der „Wahl“ der NSDAP-Liste in den Deutschen Reichstag zu beteiligen. „Ich wollte zeigen, dass er auf ganz unterschiedliche Weise dafür gesorgt hat, dass die Leute besser verstehen, was eigentlich in Deutschland passiert und dass das nicht in Ordnung ist.“ Bis zuletzt habe er für seine Ideale und seine Stellung gekämpft, sich solange es ging seiner Ausweisung aus Rottenburg widersetzt. Auch heutzutage sei es sehr wichtig, aufzupassen, was generell in der Politik passiert, und sich für Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen.