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Blautopf und Badhaus – ein Sommerausflug nach Blaubeuren

Der Blautopf bleibt trotz Sanierungsarbeiten ein reizvolles Ausflugsziel. Das historische Badhaus erzählt vom Alltag der Mönche in Blaubeuren.

Diözese Rottenburg-Stuttgart / Annika Werner

Blaubeuren im August 2026. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Annika Werner

Türkisblaues Wasser, eine geheimnisvolle Höhlenwelt und überraschende Einblicke in das Leben der Blaubeurer Mönche: Trotz der laufenden Sanierung lohnt sich ein Ausflug zu Blautopf und Badhaus.

Der Blautopf ist – wie der Name offenbart – unglaublich blau. Sagen ranken sich um ihn und verleihen Blaubeuren ein mystisches Flair. Blaubeuren liegt im Alb-Donau-Kreis, zwanzig Kilometer westlich von Ulm, in einem Tal der Urdonau. Von den öffentlichen Parkplätzen ist es nicht weit bis zum Blautopf, der am Rand der Altstadt zwischen den alten Mauern des Klosters und den bewaldeten Hängen liegt.

Kräne, Planen und Flatterbänder säumen den Blautopf

Seit Januar 2026 ist die berühmte Quelle nicht mehr gesperrt, aber immer noch von einer Baustelle umrahmt – denn das Areal ist in die Jahre gekommen und wird seit August 2024 umfassend saniert. Die gespannte Erwartung, die Ausflüglerinnen und Ausflügler, Reisegruppen und Familien nach längerer Anreise, einer Wanderung oder Radtour auf dem Weg zum Wasser mitbringen, weicht beim Erreichen des Blautopfs daher eher der Ernüchterung. 

Die meisten schauen zunächst schweigend auf das Wasser, in dem sich Plastikplanen spiegeln. „So ist es jetzt halt“, sagt ein Vater schließlich etwas enttäuscht. Eine Frau bemerkt: „Von der anderen Seite, wo man jetzt nicht hinkann, wäre der Blick sicher besser.“ 

Warum ist der Blautopf blau?

Trotzdem bewundern sie die Farbe des Wassers. Denn die Baustelle verdeckt die Schönheit des Geotops nicht, das Blau strahlt den Besuchenden auffällig entgegen. Je nach Lichteinfall ist es mehr oder weniger kräftig – an diesem heißen Sommertag schimmert es dunkel und geheimnisvoll. 

Die intensive Farbe entsteht durch feinste Kalkpartikel im Wasser, an denen das einfallende Licht gestreut wird. Dabei werden die blauen Anteile des Lichts besonders stark sichtbar.

Das Höhlensystem unter dem Blautopf

Faszinierend ist nicht nur seine Farbe: Der Blautopf ist rund 22 Meter tief und bildet den Zugang zu einem weitverzweigten Höhlensystem. Darin sammelt sich bei Regen und bei der Schneeschmelze Wasser, das am Blautopf an die Oberfläche dringt.

Deswegen hat das Wasser des Blautopfs ganzjährig eine konstante Temperatur von etwa 9 Grad Celsius. In den tiefen unterirdischen Höhlen der Schwäbischen Alb ist es vor dem Einfluss von Sonne und Wetter geschützt, sodass sich das Wasser im Sommer nicht aufheizt und im Winter nicht abkühlt. 

Pause in der historischen Altstadt

An diesem Sommertag ist es außerhalb der kühlen Höhlenwelt allerdings heiß, weswegen viele der Besucherinnen und Besucher nach einigen Fotos – mit möglichst wenig Kränen und Baustellenzäunen darauf – wieder den Rückweg antreten. 

Manche zieht es in die historische Altstadt Blaubeurens, die mit ihren vielen Fachwerkhäusern und der zum Teil noch erhaltenen Stadtmauer als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte im Land gilt. Dort laden zahlreiche Cafés, Eisdielen und Restaurants zu einer Pause ein.

Abkühlen im Badhaus

Andere besuchen die ehemalige Benediktinerabtei, deren Anlage heute unter anderem ein evangelisches Gymnasium mit Internat beherbergt. Besonders attraktiv bei diesen Temperaturen ist das Badhaus der Mönche – leider kann man hier kein erfrischendes Bad nehmen, aber im Erdgeschoss des Hauses aus dicken Steinmauern ist es angenehm kühl. Das Haus ist Teil des Heimatmuseums Blaubeuren und vermittelt Informationen zu den historischen Badegepflogenheiten. 

Ein großer Zuber steht noch in der Badstube. Für die Mönche gab es dort außerdem Schwitzbäder. Der Bader wusch Haare, rasierte und massierte seine Besucher; mitunter besaß er sogar eine Schankerlaubnis. Außerdem übernahm er medizinische Behandlungen wie Aderlass und Schröpfen, kleinere Operationen und Zahnbehandlungen. Zwei Besucherinnen betrachten interessiert seine Werkzeuge, wie Schröpfköpfe und Operationsmesser, die in einer Vitrine ausgestellt sind. 

Auf Informationstafeln erfahren sie mehr über die rituelle Bedeutung, die das Baden in vielen Kulturen und Religionen noch heute hat. Ihnen zufolge vermittelt Wasser symbolhaft Segen und dient der spirituellen Reinigung. Diese soll von Schuld befreien, einen Neuanfang markieren und die Zugehörigkeit zur religiösen Gemeinschaft schaffen oder erneuern. 

(Lieber nicht) Baden wie die Mönche

Die Mönche nutzten das Bad auch zur Körperpflege und Entspannung. Das war ihnen allerdings nicht oft gestattet: Beispielsweise durften Mönche im elften Jahrhundert nur zweimal im Jahr baden, an Ostern und Weihnachten. Mit einer Erneuerungsbewegung des Benediktinerordens im 15. Jahrhundert änderten sich die Blaubeurer Gepflogenheiten: Nun durften die Mönche monatlich ein Bad nehmen. Außer in der Fastenzeit – von Aschermittwoch bis Ostern war das Baden gänzlich untersagt.

Ein sommerlicher Besuch in Blaubeuren lehrt also auch, den heutigen Komfort zu schätzen: Wer verschwitzt nach Hause kommt, kann jederzeit unter die Dusche springen oder ein ausgiebiges Schaumbad nehmen.

Sommerserie

In den Ferien stellen wir in einer Artikelserie kühle Orte und Ausflugsziele vor, an denen es sich bei sommerlich heißen Temperaturen gut verweilen lässt. Zumeist haben diese Plätze auch in irgendeiner Weise etwas mit Kirche, Glaube oder religiöser Tradition zu tun.

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