Zum Inhalt springen

Blutreiter feiern 100-jähriges Bestehen

Der emeritierte Weihbischof Johannes Kreidler kommt als Ehrengast zum Jubiläumsritt am 25. Juni nach Weißenau bei Ravensburg.

Weißenau
Schwarz-weiß-Aufnahme der Reiter im Grünen mit Zylinder, Schärpe und Standarten.

Die Weißenauer Blutreiter während einer Blutfreitagsprozession in den 1950er Jahren. Foto: Blutreitergruppe Weißenau - Foto: Archiv Weißenau

Mit einer großen Reiterprozession und einem anschließenden Festgottesdienst begeht die Blutreitergruppe Weißenau am 25. Juni 2023 ihr 100-jähriges Jubiläum. Als Ehrengast hatte sich Kardinal Walter Kasper angekündigt, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Die Leitung des Gottesdienstes und die Festpredigt übernimmt nun der emeritierte Rottenburg-Stuttgarter Weihbischof Johannes Kreidler.

Zehn Reitergruppen mit insgesamt rund 120 Reitern und der Musikverein Sternberg haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Erstmals reitet auch der Weißenauer Pfarrer Fabian Ploneczka, der seit letztem Oktober im Amt ist, bei einem Weißenauer Blutritt mit. Für ihn eine „absolute Herzensangelegenheit“, wie er sagt. Der Prozessionsweg wird von Weißenau über Weingartshof nach Torkenweiler, Sickenried, Weiherstobel und zurück nach Weißenau führen. Den anschließenden Festgottesdienst wird Weihbischof Kreidler bei schönem Wetter im Freien vor der Pfarrkirche Weißenau zelebrieren, ansonsten in der Kirche.

Schon früher bei anderen Gruppen mitgeritten

Manfred Marschall steht den Blutreitern seit 2003 als Gruppenführer vor. Er freut sich auf den Blutritt, nachdem 2020 der geplante große Jubiläumsritt zur 875-Jahr-Feier des Klosters Weißenau weitgehend der Pandemie zum Opfer fiel. So auch Diakon Erik Thouet, seit 2009 Geistlicher Begleiter der Gruppe.

Einige Weißenauer dürften bereits vor 1923 als sogenannte „wilde“ bzw. „freie Reiter“ am Blutritt in Weingarten teilgenommen haben, die Blutreitergruppe selbst entstand erst 1923. Den Anstoß zur Gründung gaben der damalige Weißenauer Pfarrer Max Notz (1873-1958) und der Bauer Max Leibinger (1886-1930), der den Voglerhof im Südwesten Ravensburgs bewirtschaftete. Pfarrer Notz hatte Ende Oktober 1923 seine neue Pfarrstelle in Weißenau angetreten.

Noch im Winter 1923 fasste er mit Max Leibinger den Entschluss, eine Weißenauer Blutreitergruppe zu gründen. Im März 1924 riefen Notz, Leibinger und zehn Bauern aus der Kirchengemeinde die Gruppe formell ins Leben. Am Blutfreitag im Mai 1924 ritten die Weißenauer noch zusammen mit der bereits 1908 entstandenen Eschacher Blutreitergruppe, 1925 nahmen sie erstmals als eigenständige Formation am Blutritt teil.

Heute etwa 70 Mitglieder

Hundert Jahre nach ihrer Gründung zählt die Blutreitergruppe Weißenau etwa 70 Mitglieder, davon rund 35 aktive Reiter. Die schweren Kaltblutpferde, die die Bauern einst für die Feldarbeit einsetzten, sind längst sportlich-eleganten Warmblütern gewichen. Und auch das Jahresprogramm ist umfangreicher geworden: Neben der Blutfreitagsprozession in Weingarten nehmen die Weißenauer Blutreiter mittlerweile auch am Blutritt in Bad Wurzach, am Georgiritt in Untereschach, am Heilig-Kreuz-Fest in Ulm-Wiblingen und natürlich an den verschiedenen Festen ihrer Kirchengemeinde teil. „Geblieben“, so resümiert Manfred Marschall, „ist der Glaube, die Liebe zu den Pferden, die Kameradschaft und die Verbundenheit mit der Heimat.“

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Kirchengemeinde Heudorf am Bussen

Der lange Weg zur Pfarrkirche

Heudorf am Bussen

Seit 400 Jahren steht die Kirche St. Oswald in Heudorf am Bussen neben dem Schloss. Erst seit 1811 ist sie auch Mittelpunkt einer eigenen Pfarrei.

Studienkolleg St. Johann

100 Jahre Studienkolleg St. Johann

Blönried

Die Geschichte einer der beliebtesten katholischen Privatschulen Oberschwabens in Blönried begann 1926 mit einem Internat der Steyler Missionare.

Aktuelles

aus der Region

Markus Waggershauser

Im Storchengang durchs kalte Wasser

Jordanbad

Wassertreten im Kneippbecken ist gut für die Gesundheit und erfrischt im Biberacher Jordanbad und anderswo Körper und Seele - nicht nur im Sommer.

Sr. Anna-Barbara Regnat

Generalleitung aus drei Kontinenten

Sießen

Im Kloster Sießen hat das Generalkapitel der Franziskanerinnen die Leitung für die gesamte Ordensgemeinschaft in allen drei Provinzen neu gewählt.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. Die Reise zeigt, wie langjährige Partnerschaft Zukunft schafft.

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

Constanze Stark

Eine Kirche mit außergewöhnlicher Geschichte

Hechingen

Eine alte Legende erzählt, dass Engel die Wallfahrtskirche über Nacht an ihren heutigen Ort getragen haben. Doch was steckt dahinter?

Markus Waggershauser

Friedensglocken verbinden Deutsche und Tschechen

Aichtal

Gegenbesuch von Pilgern aus Grötzingen und Lustnau in Pìst‘ stärkt die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Gemeinden der beiden Länder.

TVB-Maltatal

Micky Maus eine Kirchenmaus?

Stuttgart

Mit großen runden Ohren und einer spitzen Mäuseschnauze ist sie an der Außenfassade einer Kirche im österreichischen Maltatal in Kärnten gemalt.