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Brauer, Zunftmeister, Kabarettist und Kommunionhelfer

Flo Angele packt in seiner Heimatstadt Aulendorf an vielen Stellen an und läuft in der Fasnet zur Hochform auf.

Aulendorf
Flo Angele mit rotem Mantel, schwarzem Dreispitzhut, buntem Schal und weißen Handschuhen ruft mit ausladender Geste in die Menge.

„Ha, ha, ha – jo was saischt au!“ ruft Zunftmeister Flo Angele beim Umzug am Landschaftstreffen in Aulendorf - Foto: Wolfgang Branz

Christlicher Glaube und Lebensfreude - im katholisch geprägten Oberschwaben gehören beide gefühlt schon immer untrennbar zusammen. Jede Menge Barockkirchen zeugen davon. Das gilt bis heute. Florian Angele ist ein lebendiges Beispiel dafür. „Ich bin der Flo“, beginnt der gelernte Brauer und Mälzer das Gespräch und fragt nach dem Getränkewunsch. Seit 2008 stellt er in seiner Heimatstadt Aulendorf sein eigenes Bier her. Im Jahr 2014 sei er in den ehemaligen Wirtschaftsteil des Schlosses umgezogen, erzählt der bekennende Katholik. Bereits von 1692 bis 1965 wurde in dem Gebäude Bier gebraut. Im sogenannten Schalander eröffnete er zudem eine „Schlemmerei“.

Flo ist ein Macher. „Wenn es darum ging, etwas zu organisieren, hatte ich immer das Talent, vorne zu stehen“, gesteht der 47-Jährige in schriftdeutscher Übersetzung. Original schwätzt er natürlich breites Schwäbisch. Bereits in der Schule habe er lieber den Abiball geplant als den Lernstoff gepaukt, gibt Flo zu. Die Narretei sog er zwar nicht mit der Muttermilch auf, aber schon als Kind „war mir klar, dass ich eine Eckhexe werden will“, verrät der Aulendorfer. Bei der Zunft bewarb er sich selbst und wünschte sich das Häs, also die Kleidungsstücke, und die Maske der bekannten Narrenfigur von der Verwandtschaft zu Weihnachten.

Zum Zunftmeister „raufgefallen“

Vor 75 Jahren gegründet, gehören die Aulendorfer zu den traditionellen Mitgliedern der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Als Zunftmeister trägt Flo Angele inzwischen mit dem geschäftsführenden Zunftrat für die Eckhexen, Fetzle und Schnörkele Verantwortung. Mit seinem Organisationstalent und seiner geselligen Art sei er auch in der Zunft schnell „die Treppen raufgefallen“. So beantwortet Flo mit einem Augenzwinkern die Frage nach seiner Fasnetskarriere. Blickt der Obernarr auf das VSAN-Landschaftstreffen in seiner Stadt mit über 6.000 Hästrägern vor zwei Wochen zurück, beginnen seine Augen zu leuchten.

Was war der persönliche Höhepunkt bei diesem Großevent? Flo Angele nennt nicht in erster Linie die Menschenmassen, die Freinacht oder die fröhlich-ausgelassene Stimmung, sondern ein historisches Detail: Der Auftritt des Schellenschnörkel. Das männliche Gegenstück zum weiblichen Schörkele sei 1950 vom Zunftrat nicht angenommen worden, erklärt er. Hedi Kaiser, Tochter des Erfinders Ignaz Effinger, bewahrte die Maske dennoch auf. „Jetzt haben wir sie als Einzelfigur wiederbelebt und vorgestellt“, berichtet der Zunftmeister stolz. Und noch etwas sei ihm wichtig bei Landschaftstreffen wie bei der Ortsfasnet: Die „Narrenmesse“ am Sonntagmorgen.

Bei der Messe zur Ruhe kommen

„Wer saufen kann, kann auch aufstehen“, ist Flo Angele überzeugt. Mit zwei Zunfträtinnen und Pfarrer Anantham Antony bereitet er die Gottesdienste mit den Hästrägern vor. Der Steyler Missionar predige in Reimen, Bürgermeister Matthias Burth trage die Lesung vor und er selbst teile die Kommunion mit aus, erläutert der Zunftmeister die Arbeitsteilung. Auch das jeweilige Motto der Zunft - in diesem Jahr „Fasnet isch a Hitparade“ - wird mit der biblischen Botschaft in Verbindung gebracht. „Am Ende gibt es dann ein Geschenkle für die Leute, die wir immer aktiv mit einbeziehen“, verrät Flo Angele.

Lustig sein, mal die Rollen tauschen, Fez machen - all das ist bekanntlich am Aschermittwoch vorbei. Für Flo, der ursprünglich mal eine Schauspielausbildung machen wollte, nicht ganz. Mit der Kabaretttruppe „OigaArt“ steht er immer wieder in seiner „Spielerei“ auf der Bühne und bringt die Menschen zum Lachen. Und auch als Lektor und Kommunionhelfer bringt er sich ganzjährig in seiner Kirchengemeinde ein. „Die Messe ist meine Meditation, da komme ich zur Ruhe“, gesteht der Mittvierziger. Glaube und Lebensfreude gehören in Oberschwaben untrennbar zusammen. Flo Angele lebt das - nicht nur in der fünften Jahreszeit.

Die Hochfasnet in Aulendorf

Narrenruf: „Ha, ha, ha – jo was saischt au!“ - Motto 2025: „Fasnet isch a Hitparade“

Fasnetssonntag, 2. März

09.01 Uhr „Narrenmesse“ in der Pfarrkirche St. Martin
14.00 Uhr Großer Narrensprung
anschließend Narrenhock in der Stadthalle

Fasnetsmontag, 3. März

20.00 Uhr Pfarrgemeindeball mit „Die Aulendorfer“ in der Stadthalle

Fasnetsdienstag, 4. März

18.00 Uhr Hemdglonkerumzug bei der Grundschule
19.00 Uhr Narrenbaumfällen auf dem Schloßplatz
20.00 Uhr Kehraus mit „Celebrate“ in der Stadthalle
23.45 Uhr Rückgabe der Amt- und Schlüsselgewalt in der Stadthalle
24.00 Uhr Maskenverbannung in der Stadthalle

Aschermittwoch, 5. März

09.00 und 19.00 Uhr Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Martin mit Austeilung des Aschenkreuzes

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