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Brötchen ohne Sägespäne

Einen schönen Tag inklusive Picknickdeckenandacht erlebten viele Familien im Freilichtmuseum Beuren.

Beuren bei Nürtingen

Picknickdeckenandacht beim Familientag im Freilichtmuseum Beuren. Bild: Peter Dietrich

Wie wäre es mit einem fröhlichen Familientag im Freilichtmuseum Beuren mit Picknickdeckenandacht? Mit einem Familienparcours mit lustigen und kniffligen Aufgaben, die Familien ohne echten Leistungsdruck gemeinsam lösen können? Das täte doch einfach gut, vor allem nach den für Familien oft sehr schwierigen vergangenen Monaten: So dachten sich das Freilichtmuseum Beuren, der Evangelische Kirchenbezirk Nürtingen, das katholische Dekanat Esslingen-Nürtingen, die Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen der Caritas und die katholische Seelsorge für Menschen mit Behinderung und luden gemeinsam zu einem solchen Familientag ins Freilichtmuseum ein.

So saßen bei der ersten Picknickandacht unter dem Motto „Brot.Zeit.Fest“ 150 große und kleine Leute auf Decken unter schattigen Bäumen, später wurde diese Andacht in kleinerem Rahmen wiederholt. Im Mittelpunkt stand die biblische Erzählung vom Propheten Elia, der zu einer armen Witwe und ihrem Sohn kommt. Obwohl die Witwe fast nichts mehr hat, bewirtet sie den Propheten. Elia verspricht ihr, dass ihr Mehltopf und ihr Ölkrug fortan nie leer werden, und genau so kommt es. "Über das Brot gibt es im Freilichtmuseum viele Geschichten zu erzählen“, sagte Tobias Haas, der als Seelsorger Familien mit behinderten Kindern und Jugendlichen begleitet.

Die Museumsmitarbeiterin Jutta Gluiber erinnerte eindrücklich an die „Hungerbrote“ von 1816, dem Jahr ohne Sommer, nach dem Ausbruch eines indonesischen Vulkans. Staub und Asche verdunkelten die Atmosphäre, auf der Schwäbischen Alb lag im Sommer Schnee, das Brot wurde mangels Ernte mit Kleie, Sägespänen, Heu und Rinde gestreckt. In der Tüte, die jede Familie am Eingang erhalten hatte, waren auch Brötchen enthalten, die während der Andacht geteilt wurden. „Sie wurden im Backhaus des Museums gebacken und sind garantiert ohne Sägespäne“, versprach Haas. Er forderte alle auf, im Leben die Balance zwischen Geben und Nehmen zu finden: „Dem einen fällt das eine schwerer, dem anderen das andere.“ Weil wegen Corona nicht mit dem Mund gesungen werden konnte, wurde stattdessen mit Bewegungen gesungen – es zeigte sich schnell, dass das die Erwachsenen genauso hinbekommen wie die Kinder, wenn man es ihnen von vorne richtig gut vormacht.

Gemeinsam den Parcours meistern

Kinder lachen im Durchschnitt 400 Mal pro Tag, Erwachsene nur noch 20 Mal. Dies ein wenig zu ändern, versuchte eine Station beim anschließenden Familienparcours. Jeder sollte dort etwas erzählen, was ihn in den letzten Tagen geärgert hatte, aber bitte mit zwei an die Lippen geklebten Oblaten, im Stil eines Entenschnabels. So etwas kann eigentlich nur in allgemeinem Gelächter enden. Familien ritzten mit Stöcken ein Familienbild in den Sand, möglichst ohne dabei zu sprechen. Sie versuchten, sich auf drei Blatt Papier, also auf allerengstem Raum, gemeinsam fortzubewegen. Sie schrieben auf Karten, was ihnen als Familien gut tut, aßen kostenloses Popcorn oder übten sich in geduldigem Filzen. Und dann gab es noch etwas zum Freilichtmuseum passendes zu bereden: Angenommen, man würde als Großfamilie unter einem Dach wohnen, gemeinsam mit Tieren, so wie es früher war ­– wer wäre unter dem gemeinsamen Dach versammelt? Jeder überlegte zuerst für sich selbst, dann wurde die Auswahl verglichen.

Zwei Souvenirs gab es auch: Jede Familie konnte sich vom evangelischen Diakon Hendrik Lohse auf der Picknickdecke fotografieren lassen und das Foto gratis ausgedruckt nach Hause mitnehmen. Davon machten etwa 40 Familien gerne Gebrauch. Zweitens durften alle Familien ihre roten Picknickdecken mitnehmen – als Erinnerung und für das nächste Picknick in eigener Regie.

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