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Christen und Populismus

Wie können Christen auf Menschen, die sich populistisch äußern, reagieren? Ein Gespräch mit Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Kloker.

 

Schwäbisch Gmünd

Münsterpfarrer Robert Kloker, Dekan des katholischen Dekanats Ostalb, und Ursula Richter, Dekanin des Evangelischen Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd. Foto: Schwenk

Menschen, die den sozialen Gedanken aus den Augen verloren haben, die zuerst an sich selbst denken, die eine demokratische Entscheidungsfindung boykottieren, Wahrheiten missachten und Lügen deshalb folgen, weil sie dem entsprechen, was sie hören wollen. Diesen nicht unerheblichen Anteil in der Bevölkerung gibt es in den USA und auch in Deutschland. Populistische Gedanken werden laut und spalten das Land. Sind das alles Spinner? Kann man es damit abtun? In der ökumenischen Reihe "kreuz und quer" der Remszeitung sprachen Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Kloker über "Christen und Populismus".

Wie verhalten sich Christen gegenüber solchen Menschen?

Dekan Robert Kloker: Ich tue mich ganz ehrlich schwer damit, wenn Menschen plötzlich offenbaren, dass sie an Verschwörungstheorien glauben oder radikale Ansichten, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik, haben. Ich versuche dann immer in den offenen Diskurs zu gehen und meinen Standpunkt klar zu machen.

Dekanin Ursula Richter: Auch ich komme da schnell an meine Grenzen und zwar deshalb, weil ich das Gefühl habe, es stoßen zwei Welten aufeinander. Es gibt fast kein Aufeinanderzugehen mehr. Diese „anderen Wahrheiten“ stammen aus Fake-News, aus verdrehten Fakten, die Köpfe werden durch Unwahrheiten regelrecht verdreht. Da hat man mit dem, was der seriöse Journalismus berichtet, wenig Chancen.

Sollte sich die Kirchen gerade in diesem Bereich klar äußern?

Richter: Ja selbstverständlich! Und das tun Dekan Kloker und ich auch mit dem Statement zu der AFD-Versammlung an diesem Sonntag in Schwäbisch Gmünd. Wir gehen beide nicht auf die Demonstration, weil wir die Kontaktbeschränkungen einhalten. Aber es ist wichtig, um der Wahrheit und Werte willen, klar zu ihnen zu stehen, wie auch in der Bibel beschrieben: „Die Wahrheit wird euch freimachen.“ (Joh 8, 31-32)

Trotzdem darf man den Menschen und deren Motivation nicht aus dem Blick verlieren…

Richter: Es ist sehr wichtig, die Meinung und die Person zu unterscheiden und jedem Menschen, wie es Jesus vorgelebt hat, mit Demut, Empathie und Achtung gegenüberzutreten.

Kloker: Auch die Propheten im Alten Testament haben sich klar und deutlich positioniert. Klarheit ist die größere Barmherzigkeit. In jeder Begegnung und jedem Diskurs ist es wichtig auszuloten, inwieweit Kompromiss oder Konsens möglich und auch sinnvoll sind. Letztlich muss man aber auch eine klare Position einnehmen, wenn es um der Wahrheit einer Sache wegen so gefordert ist und die Stimme des Gewissens es so gebietet.

Richter: Hinter populistischem Gedankengut stehen oft auch Ängste, Unsicherheiten und Nöte. Das darf man nicht aus dem Blick verlieren. Wir können nichts anderes tun, als immer wieder auf die Wahrheit zu lenken und die christliche Botschaft, dass in jeder Gesellschaft Gerechtigkeit und Gemeinwohl im Zentrum stehen müssen.

 

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